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Immer mehr Werbebeilagen Viel Werbung in Zeitungen – Verträger arbeiten länger

Vielen Zeitungen liegen immer mehr Prospekte bei. Für die Verträger bedeutet das Mehrarbeit ohne angemessenen Lohn.

Legende: Audio Viel Werbung in Zeitungen – Verträger arbeiten länger abspielen. Laufzeit 05:10 Minuten.
05:10 min, aus Espresso vom 30.04.2018.

Ein betroffener Zeitungsverträger aus Winterthur meldete sich beim SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Er ärgert sich über die vielen Prospekte, welche den Zeitungen beigelegt werden. Kürzlich berichtete «Espresso» über diesen neuen Trick.

Am Mittwoch verteilt die Regionalzeitung «Der Landbote» ihre Grossauflage in alle Haushaltungen im Raum Winterthur. «In dieser Grossauflage hat es viel Werbung drin. Die Zeitung ist dann oft doppelt so schwer wie normal. Für mich als Verträger bringt das viel zusätzlichen Aufwand, der nur ansatzweise bezahlt ist», erzählt der Verträger.

Zwei Stunden Mehrarbeit, bezahlt sind nur 30 Minuten

So müsse er viele Rundgänge zweimal machen, weil er nicht alle Zeitungen aufs Mal in die Hand nehmen könne. «Ich habe dann bis zu zwei Stunden länger. Doch bezahlt werde ich nur für eine halbe Stunde zusätzlich.» Wenn er länger brauche, müsse er diese Zeit bei seinem Vorgesetzten geltend machen und sei auf dessen Goodwill angewiesen.

Arbeitsbeginn wäre eigentlich fünf Uhr. «Wenn ich nicht um vier Uhr beginne, schaffe ich die Tour nicht bis um 6.30 Uhr», so der Hörer. Komme noch hinzu, dass die Zeitungsverträger für nur gerade 21 Franken brutto pro Stunde arbeiten. «Ich arbeite seit sieben Jahren als Verträger und bekomme immer noch den Anfangslohn.»

Angestellt ist der Hörer bei der Presto AG, einer Tochtergesellschaft der Post. Post-Sprecher Oliver Flüeler sagt, dass die Verträger für das Verteilen von Grossauflagen entschädigt würden. Wie hoch diese Entschädigung ist, und wie viel zusätzliche Zeit entschädigt wird, will er jedoch nicht sagen.

Flüeler betont, dass es bei der Presto AG einen Gesamtarbeitsvertrag gebe, der in der Branche als Vergleichsmassstab gelte. Zu den tiefen Löhnen sagt er, dass dies eine Tieflohnbranche mit tiefen Anforderungsprofil sei.

Klagen über tiefe Löhne auch bei Gewerkschaft

Die tiefen Löhne bei der Presto AG sind auch Thema bei der zuständigen Gewerkschaft Syndicom, wie Mediensprecher Christian Capacoel bestätigt: «Es melden sich immer wieder Presto-Mitarbeiter bei uns, die über die tiefen Löhne klagen. Wir wollen nun erwirken, dass die Löhne erhöht werden.» Der Gesamtarbeitsvertrag läuft noch bis 31. Januar 2019.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Was sich der Buerger im Verdichtungsstress an Werbebelaestigung gefallen lassen muss, wird nicht nur in Briefkaesten je laenger je irrer. Ein Beispiel fuer viele: Die Trottoirs wurden fuer den Fussgaengerverkehr gebaut, nicht fuer die privaten Werbereiter, die ueber 60 cm der Breite unbenuetzbar machen. Wenn einer sein Auto auf das Trottoir stellt wird er scharf gebuesst. Warum nicht die Webedeppen auch? Wenns allen verboten statt toleriert wird, sind die Spiesse wieder genau gleich lang....
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Aktionäre und Werbungen sind zwei der moderne Plagen besonders für das Zeitungswesen. Die Medienwelt könnte gleich beide loswerden und sich auf das Kerngeschäft gute Information zu liefern, konzentrieren, wenn, wie es in etwa Pierre Rimbert vorschlägt auf jede verkaufte Zeitung eine kleine % Abgabe in eine 'Freie Presse Kasse' einfließen lässt. Bei einem solchen vorgehen fielen auch die Werbebudgets alles Art weg ... Umwelt und Leerläufe ließen danken.
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Dieser Stress macht sich auch frühmorgens bemerkbar, wenn der Zeitungsträger, der mit dem Auto unterwegs ist, dieses nicht mehr abstellt, während er die Zeitungen austrägt. Hingegen knallt er die Autotüre um 5.30 laut zu. Muss ja schnell gehen. Dass die Zeitungen das Austragen ausgelagert haben und nur noch 21.-/Std (ca. 3600.-/Mt bei 172 Std) zahlen, ist ein Skandal. Eine Zahnarztrechnung genügt und der Zeitungsträger ist bei der Sozialhilfe, wenn er nicht allein lebt.
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    1. Antwort von Harald Wilde (Harald Wilde)
      @Bauert. Wie Sie auf 172 Std/Mt kommen ist mir schleierhaft, zumal das genannte Salaire bestenfalls für ein Upgrade von Gold auf Keramik reicht. Hiervon unbeschadet: Überregionale Zeitungen oder Regionalzeitungen aus entfernteren Regionen lassen sich zeitnah nur als E-Paper beziehen. Wer sein Blättchen lieber traditionell und Träger-freundlich beziehen möchte, sollte daher einen erhöhten Preis zahlen. Gefallen tut mir all dies nicht. Einen Rat habe ich aber auch nicht. Leider!
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