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Schweiz Investitionsstau im Trinkwasser-Netz

Wasser aus der Leitung ist billig. Manchmal zu billig. Nämlich dann, wenn Wasserversorger mit den Einnahmen ihre Investitionen nicht mehr zahlen können. Gerade kleine Wasser-Kooperationen würden mancherorts zu wenig vorausschauend planen, kritisieren Experten.

Legende: Video «Investitionsstau im Trinkwasser-Netz» abspielen. Laufzeit 4:02 Minuten.
Aus 10vor10 vom 07.08.2015.

In der Schweiz verschlafen etliche Wasserversorger die nötigen Investitionen in ihr Trinkwasser-Netz. Dies rächt sich aber erst Jahre später, wenn plötzlich wegen Lecks oder schlechter Wasserqualität Millionenbeträge investiert werden müssen.

Alle 80 Jahre ist Erneuerung fällig

Eine Wasserleitung hält im Schnitt etwa 80 Jahre – dann muss sie ersetzt werden. Deshalb sollten Wasserversorger jedes Jahr etwa ein bis zwei Prozent ihres Leitungsnetzes sanieren – damit würde innerhalb von 80 Jahren das ganze Netz erneuert.

Allerdings verschlafen dies etliche der rund 3000 öffentlichen Trinkwasserversorger in der Schweiz. Gerade Kleinstversorger haben Mühe, ihre Leitungen und Reservoirs in Schuss zu halten.

«Bei nur wenig versorgten Einwohnern ist es finanziell schwieriger, vorausschauend zu planen und auf dem neusten Stand der Technik zu bleiben», sagt etwa Matthias Freiburghaus, technischer Berater beim Schweizerischen Verein der Gas- und Wasserwirtschaft. «Wenn der Wasserpreis in einer Gemeinde über lange Zeit sehr tief ist, kann dies auf einen Investitionsstau hindeuten.»

Angst vor Preiserhöhung

Der Preis für einen Kubikmeter Trinkwasser (1000 Liter) schwankt in der Schweiz zwischen 50 Rappen und 8 Franken. Der Schnitt liegt bei rund 2 Franken. Allerdings hielten viele Gemeinden an einem zu tiefen Preis fest, der die nötigen Investitionen niemals decken könne, sagt etwa Yves Quirin vom Amt für Natur und Umwelt des Kantons Graubünden.

«Viele Gemeinden träumen vor sich hin und leben von der Substanz. Erst wenn die Wasserqualität dann plötzlich nicht mehr stimmt, schreitet man ein.» Früher oder später kommt es in solchen Gemeinden zu einer happigen Wasserpreis-Erhöhung. Oft müssen sich die Anwohner an einer Erneuerung der Trinkwasser-Leitungen beteiligen – was rasch mehrere zehntausend Franken pro Haushalt kosten kann.

29 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Glücklich, wer eine eigene Quelle hat, täglich lebendiges, frisches Wasser, weder recycelt noch tot! Allerdings sind wir auch für alles Drumherum, von der Quellfassung über die Hauswasserpumpe bis zum Hahn selbst verantwortlich.
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  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    Diese Situation entsteht wenn in einer Gemeinde "halbherzige" Politiker oder "Gutmenschen" am Werk sind. Die schauen in erster Linie auf ihre Pfründe und eine mögliche Wiederwahl, anstatt die Dinge beim Namen zu nennen, es könnten ja Steuerzahler aus der Gemeinde wegzügeln. Zwingend festgelegte Rückstellungen für Erneuerungskosten an Infrastrukturen in der Gemeinde sind ein muss in jeder ordentlichen Gemeindebuchhaltung.
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  • Kommentar von jc heusser, erstfeld
    Habe 40Jahre bei einer Komunalenwasserversorgung mit dem Unterhalt, dem Ausbau und der Werterhaltung beschäftigt. Das Problem ist das die Gebühren sowie die Wasserverkaufs Einnahmen oft "zweckentgremdet" werden! Oft fehlt dann das Geld um zu Investieren!Es gibt viele kleine und mittlere "autonome Wasserversorgen" die eigentlich vom Lebensmittelgesetz aus, die gleichen Auflagen zu erfüllen haben wie die "Städtischen Versorgungen sowie die grossen Genossenschaften"!
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