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Schweiz Jagdinspektor über M25: «Scheue Bären sehen anders aus»

Im Unterengadin hat der aus dem Südtirol eingewanderte Jungbär M25 wenig Sympathien. Er hat bereits zwei Schafe gerissen und viel seiner natürlichen Scheu abgelegt. Jagdinspektor Georg Brosi hofft, dass M25 weiter wandert.

Legende: Video Wenig Sympathie für Jungbär M25 abspielen. Laufzeit 2:20 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 14.05.2014.

Kaum eingewandert, schlägt dem italienischen Jungbären M25 schon einige Skepsis entgegen. Nicht weiter verwunderlich, denn bereits in seiner ersten Nacht im Unterengadin hat sich M25 über eine Schafherde auf der Frühlingsweide her gemacht. Zwei Tiere hat er dort gerissen – und es waren nicht die ersten.

M25 scheint in seiner italienischen Heimat bereits als geübter Schafjäger gegolten zu haben, wie der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi in «Schweiz aktuell» berichtet. Darum habe man sich in Bozen (Südtirol) auch entschlossen, den Jungbären zur besseren Überwachung mit einem Sender auszustatten.

Wenig Scheu mehr vorhanden

Jagdinspektor Brosi ist nicht begeistert über das Auftauchen von M25, müsse man doch so einen Bären übernehmen, der schon Schafe gerissen habe. Entscheidend sei bei einem solchen Tier, was am Anfang seiner «Karriere» passiere. Der Neueinwanderer «hat bereits eine gewisse natürliche Scheu abgebaut».

Zu spät ist es laut Brosi noch nicht, ihn von der verhängnisvollen Fixierung auf Schafe abzubringen: «Aber das Jagd auf Schafe einfache Nahrungsbeschaffung ist, darf sich bei ihm nicht festsetzen. Da müssen wir wirklich konkret Präventions-Massnahmen ausbauen.»

Gefragt seien nun der Kanton und die Gemeinden, aber auch jeder Einzelne. Für einen unternehmenslustigen Jungbären sei jeder Komposthaufen eine Einladung zum Essen. Darum müsse auch jeder Private dafür sorgen, dass in seinem Umfeld für den Bären nichts zu holen sei, erklärt Brosi weiter – so wie er es bereits seit einigen Jahren jeden Frühsommer erneut tue.

Ein dunkelbrauner Bär auf einer Alpwiese schaut in die Kamera.
Legende: M25, fotografiert in der Nähe vom Hof Zuort im Unterengadin. Schweiz Aktuell / Zoltan Laczko

Frech und unternehmungslustig

Seit M25, ein wohlgenährter Jungbär aus dem Trentino-Bärenprogramm, am 9. Mai beim Grenzübergang Punt dal Gall in die Schweiz eingewandert ist, sorgt er im Unterengadin für Aufsehen. Spazierte er vergangenen Freitag noch einer Strassenmauer entlang, schaute er vorgestern Abend bereits keck einem Bauernpaar durchs Stubenfenster.

Gemäss den letzten Informationen von Mittwochmorgen befinde sich M25 aktuell in der Grenzregion des Unterengadins zum österreichischen Nauders. Ob sein Verhalten zum Problem werde, sei noch nicht klar, sagt Georg Brosi – und hofft insgeheim, der Bär möge dahin zurückkehren, wo er herkommt.

(kurn; widb)

8 Kommentare

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  • Kommentar von D. Schelbert, Kt ZG
    Da man mit einem Bären keine Wählerstimmen machen kann hält sich sich jeder der verantwortlichen Politmenschen schön im Hintergrund. Wenn ähnlich rigoros mit Verbrechern die in unser Land kommen umgegangen würde, hätten wir schon längst auch in diesem Bereich Ordnung. Aber eben, da kommen dann die unangenehmen Fragen und das kostet auch wieder Wählerstimmen und so fort...
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Wenn es eine ETRK in Strassburg geben würde, würden sich auch Politiker für die Rechte der Wild- & anderen Tieren vermehrt einsetzen.
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  • Kommentar von Manuela Hanke, Schaffhausen
    Ich finde es abscheulich, kaum läuft ein Bär über unsere Grenze gibt es einen Aufstand! Der Mensch ist so egoistisch und beansprucht jeden Flecken Erde für sich selber, jedes Schaf könnte ja noch ein paar Fränkli in die Taschen spühlen.. Lasst diese Bären endlich ihre Ruhe..der kann genau so wenig wie wir von Luft und Liebe leben und Anspruch auf ein Dasein hat er genauso wie wir.
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  • Kommentar von karl-Heinz Sägesser, buochs
    Nun können die Jägerlein das Korn wieder spitzen....der Jagdeifer lässt bestimmt schon die Mundwinkel tropfen und die dazugehörigen Justizler sind schon am zurechtbiegen der Abschusslizenz....ich werde nie mehr im Bündnerland Urlaub machen....trotz Nationalpark sind die Bündner die unfähigsten Naturschützer...die liegen lieber auf der lauer nach Touristen die ein Blümlein abreissen...kotz kotz...
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