Sicherheit versus Freiheit Jeder Dritte ändert Reiseverhalten wegen Terrorismus

Eine Umfrage zeigt: Die Schweizer Bevölkerung fühlt sich sicher, blickt aber zunehmend pessimistisch auf die weltpolitische Lage. Ein Drittel passt gar das Reiseverhalten an.

Das Wichtigste in Kürze:

  • 93 Prozent der Schweizer fühlen sich grundsätzlich sicher in der Schweiz.
  • Der Pessimismus angesichts der weltpolitischen Lage ist aber auf dem höchsten Wert seit Messbeginn 1993.
  • Jeder Dritte gibt an, sein Reiseverhalten aus Angst vor terroristischen Anschlägen geändert zu haben.

Die grosse Mehrheit fühlt sich in der Schweiz sicher und blickt optimistisch in die nahe Zukunft. Doch der Pessimismus angesichts der weltpolitischen Lage ist so verbreitet wie lange nicht mehr. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der ETH (siehe Box). Gemäss Studie befürworten die meisten Schweizer verschärfte Sicherheitsmassnahmen.

Zunehmender Pessimismus

Das Sicherheitsempfinden der Schweizer ist gegenüber 2016 gestiegen – von 86 auf 93 Prozent. Die grosse Mehrheit – 82 Prozent – blickt der nahen Zukunft der Schweiz optimistisch entgegen. Das sind 7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Geht es um die Lage der Welt, nimmt der Pessimismus aber zu. 2014 schätzten noch 41 Prozent die Entwicklung der weltpolitischen Lage als «eher pessimistisch» oder «sehr pessimistisch» ein. 2017 liegt der Wert bei 73 Prozent. Derart pessimistisch sahen die Befragten noch nie auf die Welt.

Passagiere im Bahnhof Lausanne steigen in de TGV Richtung Paris.

Bildlegende: 35 Prozent der Befragten haben Angst, in Grossstädte wie Paris zu reisen. Keystone

Die Angst vor Terrorismus schlägt sich auch in sicherheitspolitischen Einstellungen nieder. 89 Prozent wünschen sich verschärfte Massnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus. Der Ruf nach mehr Sicherheit zieht sich durch alle Bildungsschichten und Altersgruppen und wird sowohl von linken als auch von rechten Wählern unterstützt.

Nach welchen konkreten sicherheitspolitischen Massnahmen verlangt wird, lässt sich anhand der Ergebnisse der Umfrage nicht feststellen. Klar ist: Die Mehrheit wünscht sich keine Vertiefung der sicherheitspolitischen Kooperation. 81 Prozent sprechen sich gegen einen Nato Beitritt aus, 66 Prozent gegen eine Annäherung. Das Neutralitätsprinzip wird nahezu einstimmig – von 95 Prozent der Schweizer – unterstützt.

Paris verliert an Romantik

Laut einer Medienmitteilung des Schweizer Reiseverbands sind 2016 in Folge terroristischer Anschläge, Buchungen für Reisen nach Ägypten, Belgien, Frankreich, Istanbul und Tunesien zurückgegangen. Der «Tagesanzeiger» berichtete, dass nach den Anschlägen in Paris die Passagierzahlen des TGV aus der Schweiz nach Frankreich um 45 Prozent eingebrochen sind.

Gemäss der ETH-Umfrage hat knapp ein Drittel der Schweizer wegen des Terrorismus das Reiseverhalten angepasst. Die Mehrheit reist also weiterhin unbeeinträchtigt.

Von den 29 Prozent, die ihr Reiseverhalten verändert haben meiden 75 Prozent Länder, in welchen vor kurzem Anschläge stattgefunden haben, 40 Prozent bleiben wegen des Terrorismus in Europa und 35 Prozent haben Angst, in Grossstädte zu reisen. Der Attraktivitätsverlust von Städtetrips könnte mit den jüngsten Anschlägen in europäischen Grossstädten wie Paris, Brüssel und Berlin zusammenhängen.

Über die Umfrage

Die Dozentur für Militärsoziologie und das Center for Security Studies der ETH führt seit 1993 jährlich eine repräsentative Befragung der Schweizer Stimmbevölkerung durch. 1209 Personen wurden im Rahmen der Studie befragt. Die Ergebnisse bilden daher nur das subjektive Empfinden, nicht die tatsächliche Bedrohungslage ab.