Juden und Muslime kämpfen gemeinsam gegen Intoleranz

Der Gaza-Krieg erzürnte die Gemüter auch in der Schweiz. Es waren judenfeindliche Aussagen oder rassistische Parolen gegen Muslime zu hören: Jetzt fordern die jüdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften gemeinsam: Judenhass und Islamfeindlichkeit in unserem Land müssen aufhören.

Auf Facebook gab es Gewaltdrohungen gegen Schweizer Juden und auf Demonstrationen wurde Israel mit den Nazis gleichgesetzt. Und Schweizer Muslime sehen sich häufig pauschal als Terror-Sympathisanten verdächtigt.

Meilenstein: jüdisch-muslimische Erklärung

Kopf von Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes

Bildlegende: «Ein Meilenstein»: Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, zur Erklärung. Keystone

Das darf nicht sein, sagen die jüdischen und muslimischen Dachorganisationen in ihrer gemeinsamen Erklärung. «Wir wollen klar und unmissverständlich erklären, dass sich Muslime und Juden in diesem Land gegenseitig Respekt, Achtung und Wertschätzung erweisen sollen», sagt Hisham Maizar, der Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz.

Ein Meilenstein ist die gemeinsame Erklärung für Herbert Winter, den Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. «Diese Erklärung hat für uns eine grosse Bedeutung. Es ist das erste Mal, dass sich in der Schweiz Juden und Muslime gemeinsam zu einem Thema äussern, das uns beiden unter den Nägeln brennt» und spricht damit den Nahost-Konflikt an.

Auf die eigenen Worte acht geben

Dieser löste auch diesen Sommer starke Emotionen aus. Gerade deshalb verlangt die gemeinsame Erklärung der jüdischen und muslimischen Dachorganisationen, dass man stärker auf die eigenen Worte achtet. Für antisemitische und rassistische Äusserungen oder Gewaltandrohungen gebe es keine Entschuldigung.

Jugendliche als Zielgruppe

Diese Botschaft wollen die Autoren der gemeinsamen Erklärung auch in den eigenen Reihen vermitteln; gerade bei Jugendlichen, sagt Muslimvertreter Hisham Maizar. «Wir setzen bei ihnen an. Damit sie negativen Emotionen und Aggressionen abschwören.»

Ein Mann am Rednerpult

Bildlegende: Respekt zwischen Muslimen und Juden: Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz. Keystone

Gleichzeitig brauche es mehr Begegnungen zwischen Juden und Muslimen in der Schweiz. Das könne mithelfen, Vorurteile abzubauen, sagt Herbert Winter. Deshalb sei es wichtig, dass die lokalen Gemeinden vermehrt Dialogangebote machten, «sich gegenseitig treffen, sich kennenlernen, um den anderen Menschen besser zu verstehen und somit auch mehr schätzen zu lernen.»

Gemeinsamer Wunsch

Die Gemeinsamkeiten seien grösser als die Unterschiede, heisst es in der gemeinsamen jüdisch-muslimischen Erklärung. Und auch wenn es unterschiedliche Vorstellungen zur Nahost-Politik gebe, so hätten die Schweizer Juden und Muslime doch denselben Wunsch: Frieden. Im Nahen Osten und in der Schweiz.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ahmad Mansour.

    «Jede Sekunde zählt im Kampf um verunsicherte Muslime»

    Aus Rendez-vous vom 15.9.2014

    Ahmad Mansour war Islamist. Er hasste Juden und «Ungläubige». Er ist einen weiten Weg gegangen - heute ist er befreundet mit einem Rabbiner und kämpft gegen Intoleranz und Rassismus in Berlin. Dafür erhält er nun den Moses-Mendelssohn-Preis für Toleranz. Mansour ist Gast von Ivana Pribakovic.