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Schweiz Jugendliche Straftäter kehren öfter zu ihren Eltern zurück

Trendwende beim Jugendstrafvollzug: Immer weniger Straftäter werden fremdplatziert – etwa in einer Pflegefamilie oder einem Jugendheim. Denn die Zusammenlegung schwieriger Charaktere schafft oft neue Probleme.

Jugendliche Straftäter im Massnahmezentrum Arxhof (BL)
Legende: Nicht immer halten es die Behörden für sinnvoll, jugendliche Straftäter in gesonderten Heimen unterzubringen. Keystone

Die Zahl der Minderjährigen, die nach einer Straftat fremdplatziert werden, hat sich in den letzten fünf Jahren halbiert. Ein Grund für den Rückgang ist, dass immer weniger Jugendliche zu einer stationären Massnahme verurteilt werden. Feststellbar sei aber auch, wie SRF-Inlandredaktor Rafael von Matt ausführt, dass es schlichtweg weniger Straftaten durch Jugendliche gebe: «Deshalb braucht es natürlich weniger stationäre Massnahmen.»

Trotzdem: Die Trendwende weg von stationären hin zu ambulanten Massnahmen ist offensichtlich. Am Stichtag 2. September 2015 waren schweizweit 433 Minderjährige ausserhalb ihrer Familien untergebracht, weil sie mit dem Jugendstrafrecht in Konflikt geraten waren. 2010 waren es noch 861. Seither ist die Zahl jedes Jahr zurückgegangen, wie das Bundesamt für Statistik, Link öffnet in einem neuen Fenster mitteilt.

Neue Einsicht bei den Behörden

Bei knapp der Hälfte der betroffenen Jugendlichen wurde die Fremdplatzierung in einem Urteil angeordnet. Diese Zahl ist in den letzten Jahren stark gesunken, zuletzt um fast einen Fünftel. Auch die Gruppe der Minderjährigen, die bereits vor dem Urteil platziert wurde, ist zwischen 2010 und 2014 kontinuierlich geschrumpft.

Dagegen würden die Behörden heute viel stärker auf ambulante Massnahmen setzen, wie SRF-Inlandredaktor von Matt ausführt: «Das heisst, die Jugendlichen können weiter zuhause wohnen, müssen aber tagsüber in die Therapie. Oder sie werden in der Lehre speziell betreut.»

Denn die Behörden hätten gemerkt: Wenn man schwierige Jugendliche in Gruppen im Heim stecke, kämen dort verschiedene schwierige Charaktere zusammen. «Daraus können neue Probleme entstehen. Man versucht also, mehr auf die einzelnen Jugendlichen einzugehen», so von Matt.

Zwei Drittel der Straftäter sind Schweizer

Über die Jahre stabil geblieben ist der Ausländeranteil und das Geschlechterverhältnis: 96 von 100 fremdplatzierten Minderjährigen gehörten 2015 der ständigen Wohnbevölkerung an, 62 von 100 waren Schweizer. 90 von 100 waren männlich und mindestens 16 Jahre alt.

Der grösste Teil der betroffenen Minderjährigen (80 Prozent) befand sich in einer erzieherischen Institution, zumeist bei offener Unterbringung. Eine Minderheit sass in Untersuchungs- oder Sicherheitshaft, war in stationärer Beobachtung oder in einer Familie fremdplatziert.

Übervolle Gefängnisse in der Westschweiz

Bei den inhaftierten Erwachsenen zeigte sich am Stichtag ein sehr ähnliches Bild wie ein Jahr zuvor. Insgesamt waren schweizweit 6884 Erwachsene inhaftiert. Zwischen 1999 und 2015 hat diese Zahl um fast einen Fünftel (18 Prozent) zugenommen. Besonders stark war der Anstieg in der lateinischen Schweiz.

Die Gefängnisse der Westschweiz platzen daher seit einigen Jahren aus allen Nähten. Zuletzt entspannte sich die Situation laut BFS jedoch: Die Gefängnisse im Strafvollzugskonkordat der lateinischen Schweiz waren am Stichtag noch mit 108 Prozent überbelegt (Vorjahr: 117 Prozent). In den übrigen Regionen der Schweiz betrug die Belegungsrate zwischen 85 und 88 Prozent.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Michel (Mosses01)
    Zitat "- die Zusammenlegung schwieriger Charaktere schafft oft neue Probleme" - wie ist das denn wohl mit der Masseneinwanderung und der von der Politik bewusst vorangetriebenen Durchmischung unserer einheimischen, gewachsenen Kultur - mir graut vor der Zukunft.
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  • Kommentar von Regina Fürst (R. Fürst)
    Ich wäre für einen Ortswechsel in ein Drittweltland. Dort sollen Jugendliche (die es scheinbar nicht schätzen in unserer Schweiz leben zu dürfen) bei einer Bauernfamilie helfen. Ohne Arbeit kein Essen. Ich bin mir sicher, dass bereits nach einer Woche, die jungen Menschen den Knopf öffnen und die Eigenverantwortung in die Hände nehmen, um auch in der Schweiz ein gutes Leben zu führen. Das Elend in einem solchen Land vor Ort bei einer Familie mitzuerleben, verändert die eigene Einstellung!
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  • Kommentar von W. Helfer (W. Helfer)
    Wir haben zuuuuuu viiiiele "ausgebildete" Therapeuten (in was auch immer). Es ist sehr schade, dass vor allem viele Kinder darunter leiden müssen um diese Leute zu beschäftigen. Der Staat bezahlt es ja. Auch da ist die eigene Kasse wichtiger, als das Wohl der Kinder.
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