Kein Schwein für Sommaruga

Typisch Olma: Der Besucher hält eine Wurst in der Hand und der Bundespräsident ein Ferkel im Arm. Dieses Jahr kommt aber «nur» Bundesrat Johann Schneider-Ammann nach St. Gallen. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga ist befreit. Ein neues Pflichtenheft enbindet sie von der Olma-Pflicht.

Bundesrat Ueli Maurer küsst ein Ferkel anlässlich der Olma 2013.

Bildlegende: Nicht alle Bundesräte sind Ferkelversteher. Keystone

Es wäre ein interessantes Foto geworden: Die zierliche Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga mit einem laut quiekenden Ferkel im Arm. Noch bis vor Kurzem wäre ein Olma-Besuch für die Bundespräsidentin ein Muss gewesen. Ein ungeschriebenes Gesetz. Und solche Traditionen halten sich in der Regel lange.

Doch im neuen Pflichtenheft für die oberste exekutive Behörde – gültig seit dem 1.1.2015 – wird ein so hoher Besuch an der Olma explizit nicht mehr vorgeschrieben.

«Wir sind gar nicht enttäuscht»

So kommt es, dass dieses Jahr «nur» Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Festgelände auftreten wird. Enttäuschung in St. Gallen? «Nein», sagt Katrin Meyerhans. Sie ist Mediensprecherin der Olma: «Wir sind da ganz und gar nicht enttäuscht. Wir schreiben jedes Jahr den Gesamtbundesrat an und sind sehr dankbar für die Teilnahme von Bundesrat Johann Schneider-Ammann.»

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Schneider-Ammann und das wilde Ferkel

0:42 min, aus Tagesschau am Mittag vom 8.10.2015

Aber warum bekommen unsere Bundespräsidenten eine Dispens von der Olma? Das habe unter anderem mit der vollen Agenda zu tun, so Bundesratssprecher André Simonazzi. Seit dem 1.1.2015 will der Bundesrat alle Schweizer Veranstaltungen gleich behandeln. «Das bedeutet im Einzelfall,», so Simonazzi, «dass er jede Einladung von Fall zu Fall prüft. Bei den grossen Veranstaltungen wird aber in der Regel ein Mitglied des Bundesrates teilnehmen.»

Auto, Fussball und Landwirtschaft

Doch nicht nur nach St. Gallen musste früher ein Bundespräsident von Amtes wegen pilgern. Auch ein Besuch am Genfer Automobilsalon wurde vom Bundespräsidenten erwartet. Und er musste den schwitzenden Fussballspielern den Pokal beim Schweizer Cupfinal überreichen.

Moritz Leuenberger an der Einweihung des romanisches Theaters im Jahr 2006. Er hält eine Maske in der Hand.

Bildlegende: «Ich bin halt keine Olmasau!», Moritz Leuenberger. Keystone

Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger ist nicht unglücklich über die neuen Erleichterungen. Im Gespräch mit SRF News fordert er allerdings, die Bedeutung solcher Anlässe jedes Jahr neu festzulegen.

«Die Olma und der Automobilsalon waren meiner Meinung nach massiv überbewertet. Wieso muss immer der Bundespräsident dorthin? Er ist ohnehin schon sehr belastet und diese Repräsentationen nehmen viel Zeit weg, auch für die Vorbereitung der Reden. Das geht auf Kosten anderer Aufgaben.»

«  Die jetzige Lösung ist gut »

Moritz Leuenberger
Alt-Bundesrat


Wie viel bringt ein Gastauftritt an der Olma?

5:09 min, aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 06.10.2015

Dass die Präsenzpflichten nun untereinander verteilt werden, finder der frühere SP-Bundesrat gut: «Der Bundesrat entscheidet als Kollegialbehörde, wer an welche Veranstaltungen gehen soll. Es müssen ja nicht immer nur Messen sein, wieso nicht zum Beispiel das Zürcher Theaterspektakel?».

Und angesprochen auf seine persönlichen Olma-Erlebnisse, outet sich Moritz Leuenberger nicht als Schweine-Freund: «Ich persönlich war nur einmal an der Olma und absolvierte auch nicht das ganze Programm. So hielt ich zum Leidwesen der Veranstalter auch kein Schweinchen hoch.»

Lektüre für die Bundesräte: