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Schweiz Keine neuen Rezepte gegen hohe Gesundheitskosten

Im Sommer wurde der Zulassungsstopp für Spezialärzte bereits zum vierten Mal wieder eingeführt – das sei das letzte Mal, hiess es damals. Nun zeigt sich: Die Massnahme dürfte in zweieinhalb Jahren erneut verlängert werden.

Eni Artzt in grünem Kittel hält einer Patienin das Stethoskop an den Rücken.
Legende: Die Zulassungsbeschränkung für Spezialärzte dürfte über 2016 hinaus gelten. Keystone

Als das Parlament im vergangenen Jahr über die Zulassungsbeschränkung für Spezialärztinnen und -ärzte diskutierte, waren die Zweifel gross, ob damit die Kosten im Gesundheitswesen tatsächlich gesenkt werden können. In der Debatte machte sich Ratlosigkeit breit.

Als «beste aller schlechten Lösungen» wurde der Zulassungsstopp im letzten Sommer schliesslich wieder eingeführt – zum vierten Mal innerhalb von zwölf Jahren. Seither können Kantone Spezialärzten verbieten, eine eigene Praxis zu eröffnen, falls es bereits genügend in einer Region hat. Davon betroffen sind etwa Psychiater oder Dermatologen. Derzeit machen 16 Kantone von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Kantone wollen Zulassungsstopp beibehalten

In zweieinhalb Jahren läuft der aktuelle Zulassungsstopp aus, doch die betroffenen Kantone wollen auch danach nach Bedarf Beschränkungen erlassen können. Michael Jordi, Generalsekretär der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren, betont, vor allem in städtischen Regionen gebe es viele Praxisanmeldungen für Bereiche, in denen es nicht nötig wäre. Er stellt fest: «Wir haben in der Tat den Bedarf, ein solches Instrument zur Verfügung zu haben.»

Das Wort der Kantone hat Gewicht, denn sie sind für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zuständig. Somit dürfte der Zulassungsstopp erneut von einer Notmassnahme in ein langfristiges Steuerungsinstrument umgewandelt werden. Damit rechnen denn auch alle Teilnehmer des Runden Tisches, der auf Geheiss von Bundesrat Alain Berset nach Alternativen suchen soll.

Ärzte drängen auf Qualitätskriterien

Wie SRF-Recherchen zeigen, sind nicht nur die Kantone, sondern auch die Krankenkassen und die Patientenorganisationen für diese Lösung. Wie aber steht es mit den Ärzten? Sie haben sich immer gegen den Zulassungsstopp gewehrt – weil er ein teilweises Berufsverbot bedeutet.

Heute stellt Jürg Schlup, der Präsident der Ärztevereinigung FMH, klare Bedingungen, falls der Zulassungsstopp andauern soll: «Wenn schon ein Zulassungsstopp, dann nur mit Qualitätskriterien», fordert er. So sollen zum Beispiel jene Spezialärzte, die doch noch eine Praxisbewilligung erhalten, das Schweizer Gesundheitssystem gut kennen müssen. Sie sollen etwa eine eine bestimmte Zeitdauer in einem Schweizer Spital gearbeitet haben und die jeweilige Landessprache beherrschen.

Man ist sich also einig, dass es den Zulassungsstopp auch in Zukunft braucht, um den Bedarf an Ärzten besser zu steuern. Offen bleibt allerdings, ob damit auch tatsächlich Gesundheitskosten eingespart werden können.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Einfaches Rezept: Nachfrage verringern. Es gilt im Gesundheitswesen wie überall das Gesetz von Angebot und Nachfrage, jedenfalls als Hauptfaktor neben einigen gesetzlichen Regulierungen. Wer Aerzten und Medikamentenherstellern die Schuld gibt will nur von der eigenen Verantwortung ablenken. Und wieso sollen plötzlich die Anbieter (Aerzte, Pharmaindustrie) die höhere Moral haben müssen als der Konsument ? Genau, weil eben "die Anderen" schuld sein müssen.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Doch es gäbe schon eines: Die Zuwanderung bremsen. Denn die Zugewanderten sind auch nicht vor u. a. schweren (!) Krankheiten gefeit, werden auch einmal alt und belasten demnach zusätzlich unser Gesundheitssystem. Zudem leben hier arbeitslose und arbeitslos werdende Ausländer mit Familiennachzug, die vom Sozialamt unterstützt werden müssen und ebenso (schwer) krank werden können. .
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    1. Antwort von B. Küng, Seeland
      Frau Zelger, sie missbrauchen aber wirklich jeden Bericht um gegen die Ausländer Stimmung zu machen. Die Gründe für die hohen Gesundheitskosten liegen vor allem bei den überteuerten Medikamenten in der Schweiz, der hohen Anzahl von Aerzten und auch weil viele Schweizer wegen jedem Boboli zum Arzt rennen.
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    2. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Ja, B. King, einesteils haben Sie schon Recht, viele Schweizer gehen wegen jedem Boboli zum Arzt. Aber es sind hauptsächlich Schweizer mit Migrationshintergrund, die bekanntlich wehleidigerr sind und auch Krankheiten simulieren, Das ist eine erwiesene Tatsache.
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    3. Antwort von B. Küng, Seeland
      Zelger: wo sind die Beweise vor, die Ihre Behauptung belegen? Einfach nur gegen Ausländer und Schweizer mit Migrationshintergrund hetzen, nicht wahr?
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