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Zinsfalle bei Corona-Krediten des Bundes?
Aus Kassensturz vom 31.03.2020.
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KMU in Sorge Werden die Corona-Kredite zur Zinsfalle?

Null Zins für Notkredite versprach der Bund den KMU. Doch das gilt nur für ein Jahr. Danach sind höhere Zinsen möglich.

Letzte Woche atmeten Tausende Selbständige auf. Bundesrat Ueli Maurer verkündete Notkredite: unbürokratisch und vor allem zinslos. Doch wie lange? Diese Frage stellt sich Anita Steinmann. Die Treuhänderin berät KMU in Finanzfragen und hat deshalb die Kreditbedingungen genau studiert. «Ich bin sehr erstaunt, dass der Zinssatz variabel ausgestaltet ist.»

Vertragsbedingungen
Legende: Die Überraschung steckt im Kleingedruckten. SRF

Jahr für Jahr kann der Zins steigen

Konkret: In der Verordnung des Bundes steht: «Das EFD passt diese rechtlich fixierten Zinssätze einmal jährlich per 31. März an die Marktentwicklungen an.» Das heisst: Jedes Jahr kann das Finanzdepartement die Zinsen erhöhen. «Ich hätte erwartet, dass der Bund dies klarer herausstreicht», sagt Anita Steinmann dazu. Denn diese Zinsen seien potenzielle Zusatzkosten. Und die müssen die Selbständigen erwirtschaften.

Hinzu kommt diese Klausel in der Vereinbarung für den Covid-19-Kredit: Die Bank behält sich vor, während der Laufzeit des Kredits Amortisationen beziehungsweise Limitenreduktionen einzuführen. Das könnte konkret bedeuten, dass die Kleinunternehmer vor Ende der Laufzeit von fünf Jahren eine bestimmte Summe zurückzahlen müssten.

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Anita Steinmann: «Ich hätte erwartet, dass der variable Zins klarer deklariert worden wäre.»
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«Das kann zur Schuldenfalle werden»

Die Treuhänderin Anita Steinmann sorgt in ihrem Beruf dafür, dass Firmen finanziell nicht zu grossen Risiken ausgesetzt sind. Bei den Notkrediten des Bundes ist sie sich da nicht so sicher. «Ich gehe davon aus, dass sehr viele Kleinunternehmer sich auf die Worte des Bundesrats verlassen.» Und das könne tückisch sein. «So wie der Vertrag ausgestaltet ist, könnte der Kredit zur Schuldenfalle werden.»

Bund spricht von «Vorsichtsmassnahme»

Das Finanzdepartement bestätigt, dass der Zins jährlich angepasst werden kann. «Das EFD hört dabei die teilnehmenden Banken an und berücksichtigt insbesondere die Zinsentwicklungen an den Märkten. Dieser Anpassungsmechanismus ist als Vorsichtsmassnahme zu verstehen, damit die Marktzinsen nicht zu stark mit den Zinsen der Covid-Kredite divergieren.»

Für den Bund eine Vorsichtsmassnahme. Für die Firmen ein mögliches und schlecht berechenbares Risiko – sollten die Zinsen steigen. Manuel Ammann, Professor am Institut für Banken und Finanzen an der Universität St. Gallen, sagt im Interview mit SRF, bei Unternehmenskrediten seien variable Zinsen üblich. Der Bund dürfte die Zinsen, wenn überhaupt, nicht stark erhöhen.

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Studiogespräch mit Manuel Ammann, Professor am Institut für Banken und Finanzen Uni St. Gallen
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«Der Notkredit selbst ist das grössere Risiko»

Aber: «Es ist ein gewisses Risiko für die Kreditnehmer, dass diese Zinsen steigen. Aber: Überhaupt einen solchen Kredit aufzunehmen, ist an sich schon ein Risiko.» Ammann stellt klar, dass Firmen, die vorher schon Liquiditätsprobleme hatten, sich auch diesen Notkredit unter Umständen nicht leisten könnten. Denn sie müssen das Geld selbst zurückzahlen, wenn das Geschäft wieder läuft.

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Kassensturz, 31.03.20, 21:05 Uhr

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Bieri Bieri  (Markus Bieri)
    Liebes Kassensturz Team. Bis anhin fand ich Eure Berichterstattungen gut bis sehr gut...nun wird es aber politisch tendenziös. Als einziges Land weltweit hat der Bundesrat ziemlich unbürokratisch diese Kredite eingeführt. Die selbst. Finanzberaterin bemängelt im TVBericht diesen Zinsmechanismus erwähnt aber nicht die Klausel betreffend der Staatsbürgschaft. Dies hat dann zum Glück der Experte im Studio erwähnt. Die etwas manipulative Fragestellung des Moderators lässt mich etwas ratlos zurück
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    1. Antwort von Kassensturz (SRF)
      Sehr geehrter Herr Bieri
      Vielen Dank für den Kommentar. Sie schreiben, dass wir die variable Zins-Ausgestaltung erwähnen, nicht aber die Bürgschaft des Bundes.
      Unsere Absicht war es, darauf aufmerksam zu machen, dass der Zins auf den Corona-Kredit – nicht wie vom Bundesrat verlautet – 0 Prozent beträgt, sondern eben variabel ist. Eine weitere Unbekannte in unsicheren Zeiten für Kleingewerblerin/eines Kleingewerblers. Sie oder er – so ist es das Ziel – muss diesen Kredit zurückzahlen inkl. der heute nicht zu kalkulierenden Zinsen. Es ist allgemein anerkannt, dass dieser Kredit und die damit verbundenen Zinsen nicht durch die Steuerzahler/den Bund übernommen wird.
      Mit dem Bericht wollten wir einerseits Kreditinteressierte informieren, dass der Zins nicht für die volle Zeit bei 0 Prozent bleiben könnte und Mehrkosten möglich sind. In einem zweiten Schritt kritisierten wir die fehlende Transparenz eben dieser Tatsache.

      Ich hoffe, wir konnten nun zum Verständnis beitragen und hoffen, Sie weiterhin zu unseren kritischen Zuschauern zählen zu können.

      Ihr Kassensturz-Team.
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  • Kommentar von Regula Steiner  (Kiesel)
    Z‘Weggli und der Batze hed‘s nuh nie ghä!! Die hohleHand ist einfach gemacht.Jedoch danachVerantwortung zu übernehmen fällt schwerer! Plump diese politisch motiviertenAngriffe auf etwelche Bundesräte,Experten und Institutionen!Kontraproduktiv! Die alle bieten ein Instrument zur Selbsthilfe! Dann sind die NEHMER in der Pflicht! Die GeldNEHMER und ArbeitNEHMER das Ihre beizusteuern, damit diese Krise bewältigt werden kann! Verträge durchlesen und entscheiden,will ich dieseVerantwortung übernehmen
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  • Kommentar von Richard Limahcer  (Limi)
    Die Zinsrisiken werden einseitig auf den Schuldner abgewälzt. Ein Absinken des Zinssatzes ist limitiert, das Ansteigen jedoch nicht.
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