Kommerz im Klassenzimmer

Ohne Sponsoring gäbe es kaum noch Sport- oder Kulturevents. Doch immer mehr drängen die Sponsoren auch in die Schule vor. Zieren bald Firmenlogos die Schweizer Klassenzimmer?

Video «Kommerz im Klassenzimmer» abspielen

Kommerz im Klassenzimmer

4:24 min, aus 10vor10 vom 18.8.2014

«Diese Lektion wurde präsentiert von ....» Wird dieser Satz bald zum Standard an Schweizer Schulen? So übertrieben scheint der Gedanke nicht zu sein, denn immer mehr Konzerne drängen in den Bildungssektor.

Das bekannteste Beispiel ist wohl Swisscom. Seit 2007 stellt der Telekomriese den Schulen einen kostenlosen Internetzugang zur Verfügung. Einen dreistelligen Millionenbetrag liess sich das Swisscom kosten, sagt der Präsident vom Lehrerverband Schweiz (LCH), Beat W.Zemp.

Swisscom ist bei Weitem kein Einzelfall. Die Pharmabranche ist in den Schulzimmer ebenso präsent wie Finanz- oder Technologiekonzerne.

Siemens Schweiz hat sich beispielsweise komplett vom Sportsponsoring verabschiedet und fokussiert auf den Bereich Bildung- und Forschung. «Mit Siemens Generation21 haben wir ein umfassendes Angebot für Schüler und Studenten aller Altersstufen», sagt Mediensprecher Benno Estermann auf Anfrage von SRF Online.

Von der «Discovery Box» im Kindergarten, zum Kinderbuch «Ingenieurwesen, Planung und Technik» bis zum «Excellence Award» für Hochschulen ist Siemens im Schulsponsoring breit aufgestellt.

Gegenleistungen für Schulsponsoring

Mit dem Engagement im Bereich Bildung soll das Interesse der Jugendlichen an technischen- und naturwissenschaftlichen Fächern geweckt werden. Bildungspolitische Verantwortung ist nicht der einzige Antrieb. Die Liste der Gegenleistungen variiert von freiwilligem Feedback der Lehrpersonen bis zur professionellen PR-Kampagne der Preisträger des Awards.

Unterricht in einer Primarschule: Lustige Schüleragenden – mit Anzeigen und Gutscheinen.

Bildlegende: Unterricht in einer Primarschule: Lustige Schüleragenden – mit Anzeigen und Gutscheinen. Keystone

Was sich der Technologiekonzern diese Sponsorings kosten lässt, kann Estermann nicht beantworten. Das finanziell umfangreichste Engagement sei aber sicherlich die ETH-Professur in Zürich. «Der aktuelle Vertrag im Umfang von 5 Millionen Franken läuft bis 2015.»

Interessante Zielgruppe

Klare Richtlinien in Bezug Sponsoring gibt es in der Schweiz keine. Die Bildungsverantwortung liegt bei den Kantonen, erklärt der Präsident der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Christoph Eymann. Product placement oder ständige Berieselung mit Werbung dürfe es an Schweizer Schulen nicht geben, sagt EDK-Präsident Eymann. «Die Schule ist noch immer Sache des Staates.» Wird eine Aufführung des Schülertheaters durch Sponsoring ermöglicht, sei das aber kein Problem.

Schon vor 14 Jahren hat sich der LCH mit dem Thema «Süsses Gift Sponsoring» befasst und Richtlinien herausgegeben. Darin mahnt der LCH grundsätzlich zur Vorsicht. Vor allem in Primarschulen. Weniger problematisch sei es bei älteren Jugendlichen an Berufsschulen oder Gymnasien.

Die Schülerschaft scheint für die Wirtschaft eine interessante Zielgruppe zu sein. Schätzungen zu folge liegt die jährliche Kaufkraft der 6- bis 18-Jährigen bei mehr als einer halben Milliarde Franken. Kein Wunder wollen die Firmen im Klassenzimmer Präsenz markieren.