Konklave lässt Raum für Hoffnungen

Mit dem Konklave hat für die Katholiken auf der ganzen Welt das Warten auf den neuen Papst begonnen. Auf ihm ruhen schon jetzt grosse Hoffnungen. Auch in der Schweiz – etwa von Bruder Magnus vom Kloster Disentis, der Priorin des Frauenklosters Fahr oder vom Verein Kirchliche Gassenarbeit Luzern.

Der leere Papstthron in der Basilika des Vatikans.

Bildlegende: Der Papstthron ist derzeit nicht besetzt. Auf den Nachfolger von Benedikt XVI ruhen aber schon jetzt grosse Hoffnungen. Reuters

Die Erwartungen an den neuen Papst seien gigantisch, sagt Josef Bossart, Chefredaktor der Katholischen Internationalen Presseagentur Kipa. Dabei müsse ein Papst vor allem eines können: zu den Herzen der Menschen sprechen, zitierte er einen Kardinal. Denn heute hungerten viele nach authentischen Glaubensbotschaften – selbst wenn sie sich von der Kirche verabschiedet hätten.

Das Konklave ist eine spezielle Zeit, und dieses Konklave sogar sehr speziell. «Dieses Konklave kann man jetzt schon als historisch bezeichnen, weil ihm ja nicht die Trauerzeit für einen verstorbenen Papst vorausgegangen ist», so Bossart. Dies dürfte den Kardinälen im Vorfeld erstmals mehr Gelegenheit geboten haben, sich ausgiebig über die Baustellen der heutigen Kirche zu unterhalten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Für die Schweizer Katholiken hat der neue Papst nicht eine andere Bedeutung als für alle Gläubige weltweit: Er ist das Kirchenoberhaupt, wie Bossart darlegt. Aber die Spannung zwischen den Erwartungen an der Kirchenbasis – eine Mehrheit der Katholiken ist ganz klar für Reformanliegen wie die Aufhebung des Pflichtzölibates oder die Frauenordination – und der Weltkirche dürfte nicht kleiner werden. «Denn es ist nicht zu erwarten, dass sich diesbezüglich so schnell etwas ändern wird. Überraschungen natürlich nicht ausgeschlossen», so Bossart.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das gibt auch Bruder Magnus von der Benediktinerabtei Disentis zu verstehen. Er hoffe mit all den Millionen von Leuten, die vom Vatikan eine Neuheit erwarteten – also etwas, das die Menschen wirklich bewege. «Gleichzeitig bin ich Realist», räumt Bruder Magnus ein. Denn die letzten Päpste hätten alle linientreue Kardinäle bestimmt. Eine Revolution sei daher nicht möglich. «Aber vielleicht passiert ja doch ein Wunder», so Bruder Magnus weiter. Es sei ja schliesslich auch nicht zu erwarten gewesen, dass er einmal ins Kloster gehe.

Bruder Magnus ist vor 22 Jahren im Alter von 50 ins Kloster eingetreten. Zuvor war er Art-Director und Creative-Direktor einer grossen internationalen Werbeagentur.

Intensive Tage

Für Priorin Irene Gassmann vom Frauenkloster Fahr ist das Konklave eine ganz spezielle Zeit. «Es sind sehr intensive Tage, in denen man auch sieht, dass man ein Teil der Kirche ist», sagt sie. Die grosse öffentliche Anteilnahme zeige zudem, dass die Kirche auch in der heutigen Welt eine Bedeutung habe.

Auch Priorin Irene Gassmann räumt ein, dass die Erwartungen an den neuen Papst enorm seien. Sie selber wünscht sich einen Papst, der ergriffen ist von Gott und das gegen aussen deutlich machen kann. Ein Mensch, der nicht nur seine Ideen durchdrücken wolle, sondern der als Brückenbauer wirken könne. Eigentlich so einer wie der 1963 verstorbene Papst Johannes XXIII., der ein frommer Mann gewesen sei und sich ganz in den Dienst der Kirche gestellt habe. «Das wäre wunderschön», sagt die Priorin.

Eigenverantwortung nicht vergessen

Etwas andere Erwartungen hat Fridolin Wyss, Geschäftsleiter des Vereins Kirchliche Gassenarbeit Luzern. Ihm ist es vor allem ein Anliegen, dass der neue Papst der Diakonie – also der Sozialtätigkeit – ein Gewicht beimisst. Denn die Glaubwürdigkeit der Kirche hänge sehr stark vom diakonischen Handeln ab, sagt er. Allerdings gilt es auch, auf die individuelle Freiheit und Eigenverantwortung zu setzen und nicht unbedingt immer nur so zu handeln, wie es Rom vorgibt. «Wir sind ein ökumenisch getragener Verein und haben schon vor 28 Jahren Kondome auf der Gasse verteilt, um Aids zu verhindern», sagt Wyss.  

In den neuen Papst setzt Wyss aber auch Hoffnungen. Er wünsche sich, dass es vorwärts gehe mit der Ökumene. Geprägt von der Befreiungstheologie würde sich Wyss auch sehr freuen, wenn diese Art von Theologie verstärkt unterstützt würde. Wyss gibt sich aber realistisch. Die Befreiungstheologie sei nicht gefördert worden und die Zusammensetzung der Kardinäle ändere sich nur langsam. Heute stecke die katholische Kirche in einem Reformstau. «Hoffnungen habe ich aber immer noch», sagt Wyss.

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Wahlkrimi im Vatikan

3:12 min, aus 10vor10 vom 12.3.2013