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Konsultation per Video-App Zeigs doch schnell dem iDoktor

Legende: Video Arztkonsultation per App abspielen. Laufzeit 3:11 Minuten.
Aus 10vor10 vom 04.04.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Hälfte aller Krankheitsfälle lassen sich ohne Gang zum Arzt behandeln. Das stellt der grösste Anbieter von telemedizinischen Behandlungen der Schweiz fest.
  • Zunehmend drängen neben telefonischen Beratungsangeboten Video-Apps für Artzkonsultationen auf den Schweizer Markt.
  • Gesundheitsexperten sehen in der Technologie einen Nutzen für ländliche Gebiete, stellen einen von Anbietern versprochenen Spareffekt jedoch infrage.

«Warum zum Arzt gehen? Frag ihn doch schnell per Telefon.» Solche telemedizinischen Beratungen bietet Medgate, grösster grösste Anbieter von telemedizinischen Behandlungen in der Schweiz, seit 18 Jahren an. Gut 100 Ärzte helfen kranken Personen per Telefon weiter. Ab sofort können sie Kranke auch per Video-Konferenz beraten. Eine Video-fähige App auf dem Smartphone macht es möglich.

Geringere Gesundheitskosten dank Video-Konsultation?

Telemedizin per Smartphone habe grosses Potenzial und sei wirkungsvoll, sagt Medgate-Sprecher Cédric Berset gegenüber «10vor10»: «Wir können die Hälfte der Personen abschliessend behandeln». Mit der Behandlung per Video-App könne viel Geld gespart werden. Schon mit einer telefonischen Beratung erziele Medgate im Vergleich zu einem herkömmlichen Arztbesuch einen Spareffekt von mindestens 10 Prozent.

Das Unternehmen bietet die Video-Konsultationen gratis an – für Versicherte seiner Partnerkrankenkassen. Für 100 Franken im Jahr können auch andere Personen die Video-Konsultation in Anspruch nehmen.

Berner Start-up «Eedoctors» hats vorgemacht

Was der grosse Telemediziner jetzt anbietet, macht das Berner Start-up «Eedoctors» bereits seit letztem Herbst. Die Idee dazu kam dem Gründer Pascal Fraenkler vor sechs Jahren auf einer Safari in Tansania. Damals hatte er plötzlich hohes Fieber und fürchtete, an Malaria erkrankt zu sein. Zwei Tage musste er bangen, bis er einen Arzt aufsuchen konnte, der Entwarnung gab. «In der Zeit des Bangens entstand die Idee der digitalen Arztpraxis auf dem Smartphone. Internet gibt es auch in abgelegenen Gegenden», sagt Fraenkler.

Als Patient kann ich später alles in Ruhe nachlesen.
Autor: Pascal FraenklerGründer des Berner Startups Eedoctors

Bei «Eedoctors» kostet die Konsultation per Video-App 3.80 CHF pro Minute. Die Konsultation dauere im Durchschnitt 13 Minuten. Danach erhält der Patient den Arztbericht, die Diagnose sowie falls nötig das Rezept für die Medikamente direkt aufs Smartphone geschickt. «Als Patient kann ich die Dokumente falls nötig an einen Arzt weiterschicken. Oder ich kann später alles in Ruhe nachlesen», sagt Pascal Fraenkler von Eedoctors. Viele Leute würden vergessen, was ihnen der Arzt in einem solchen Gespräch sage, weil sie krank oder aufgeregt seien.

Video-App als Wundermittel gegen Ärztemangel?

In ländlichen Gebieten, wo es an Ärzten mangelt, könne die Video-App eine willkommene Besserung bringen, ist Fraenkler überzeugt. «Da können wir einen einfachen Zugang zur Medizin sicherstellen.»

Thomas Rosemann vom Institut für Hausarzt-Medizin der Universität Zürich bestätigt dies: «Erfahrungen aus dünn besiedelten Gegenden in Australien zeigen ein positives Bild.» Gerade für chronisch Kranke seien Video-Konsultationen bei einem Facharzt oft eine echte Erleichterung – gegenüber einer langen Fahrt in die nächst gelegenen Stadt.

Telemedizin verunsichert gewisse Leute, die danach auch noch einen Arzt direkt aufsuchen.
Autor: Thomas RosemannInstitut für Hausarzt-Medizin der Universität Zürich

Beim erhofften Spareffekt von Video-Konsultationen im Schweizer Gesundheitsweise hat der Professor für Hausarztmedizin allerdings seine Zweifel: «Telemedizin verunsichert gewisse Leute, die danach auch noch einen Arzt direkt aufsuchen», so Rosemann. «Damit verursachen sie zusätzliche Kosten, statt Kosten zu sparen.»

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Michaela Schmid (Mitdenkerin)
    Lustig finde ich ja die Idee vom Gründer, dass die App ihm bei einer Malaria in der tansanischen Pampa helfen könnte. Um Malaria zu diagnostizieren, braucht es einen Bluttest (handliche Schnelltests sind vor Ort erhältlich). Um Malaria zu behandeln, braucht es eine Packung Tabletten. Wie genau soll der I-Doctor das in die Serengeti beamen? Leute, wenn ihr in die Pampa reist, sorgt vor, nehmt was mit und helft euch selbst. Oder wendet euch an lokale Ärzte. 2 Tage warten kann tödlich sein.
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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Solch eine App ist empfehlenswert für Leute die wegen jedem noch so kleinen Wehwehchen zum Arzt gehen wollen. Doch es kann und darf keinen richtigen Arztbesuch ersetzen.
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  • Kommentar von Nicola Harrison (Nicola Harrison)
    Der Schlüssel zu Gesundheit liegt in der Aufrechterhaltung der basischen Körperflüssigkeiten durch die Eliminierung von metabolischen, diätetischen, umweltbedingten und respiratorischen sauren Abfällen. Es gibt nur eine Krankheit; die Ursache ist die Übersäuerung des Blutes und dann der Gewebe (interstitielle Flüssigkeiten). Das Heilmittel heisst Prävention NICHT Behandlung. Bildung statt Medikamente befähigt Menschen durch ihrer persönlichen Verantwortung ihr Wohlbefinden zu managen.
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