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Schweiz Krankenkassen-Prämien steigen um 4,5 Prozent

Die Krankenkassen-Prämien für Erwachsene werden per 2017 im Schnitt um 4,5 Prozent angehoben. Die Prämien von Kindern steigen gar um 6,6 Prozent. Die Durchschnittsprämie erreicht einen Rekordwert von 447 Franken. Grund seien die steigenden Gesundheitskosten, wie das Bundesamt für Gesundheit erklärt.

Legende: Video Prämien im Steigflug abspielen. Laufzeit 1:52 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 26.09.2016.

Die Krankenkassen-Prämien für Erwachsene steigen im nächsten Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) begründet den weiteren Anstieg der Gesundheitskosten mit der demographischen Entwicklung, dem medizinisch-technischen Fortschritt und Mengenwachstum.

Am grössten ist der Anstieg mit 6,6 Prozent bei den Kinderprämien. Grund dafür sei, dass die Prämien bei den Kindern in den letzten Jahren die Kosten nicht mehr zu decken vermochten, so das BAG.

Zwar müssen die Krankenkassen für Kinder tiefere Prämien festsetzen als für Erwachsene. Die Höhe des Rabatts ist aber nicht vorgeschrieben. Auch die jungen Erwachsenen werden 2017 stärker zur Kasse gebeten: Ihre Prämien steigen im Schnitt um 5,4 Prozent.

Ende der Jagd auf gute Risiken

Gesundheitsminister Alain Berset appellierte an der Medienkonferenz an die Versicherten, es liege auch in ihrer Verantwortung, die eigene Prämie zu minimieren. Allerdings lohnt sich eine hohe Franchise weniger als auch schon: In diesem Bereich steigen die Prämien auf das kommende Jahr stärker als bei den tiefen Franchisen, wie BAG-Direktor Pascal Strupler sagte.

Einen Einfluss auf die Prämienanstiege 2017 hat auch der sogenannte verfeinerte Risikoausgleich. Kassen mit vielen gesunden Versicherten müssen ab dem kommenden Jahr mehr Geld in den Ausgleich einzahlen, ihre Prämien dürften stärker ansteigen.

Krankenkassen mit Versicherten, die teure Medikamente benötigen, erhalten mehr Geld aus dem Ausgleichstopf. Diese Kassen dürften die Prämien moderater nach oben anpassen.

Basler und Genfer zahlen am meisten

Die Prämienerhöhung um 4,5 Prozent gilt für sogenannte Standardprämien – die Grundversicherung einer erwachsenen Person mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung. Je nach Kanton variieren die Zahlen stark.

In sieben Kantonen (AG, BE, LU, SH, TG, ZG, ZH) liegen die durchschnittlichen Anpassungen der Standardprämien unter 4 Prozent. Personen in elf Kantonen (AI, BL, FR, GE, GL, GR, JU, NE, SO, TI, VS) müssen mit einem Anstieg von über 5 Prozent rechnen.

Am höchsten sind die Prämien für Erwachsene weiterhin in Basel und Genf mit 567 respektive 554 Franken. Die günstigsten Prämien bezahlen Erwachsene in Appenzell Innerrhoden mit 347 Franken und in Nidwalden mit 360 Franken.

Überdurchschnittlicher Anstieg der Prämien

Die Krankenkassen-Prämien sind seit der Einführung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung im Jahr 1996 jedes Jahr angestiegen, in den letzten zehn Jahren im Schnitt um 3,6 Prozent.

Lag die Durchschnittsprämie bei der Einführung noch bei 173 Franken pro Monat, sind es im nächsten Jahr bereits 447 Franken.

Legende:
Prämienanstieg seit 1996 Jährliche Entwicklung der Krankenkassenprämien (Durchschnitt in Franken) in der Grundversicherung für Erwachsene seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) im Jahr 1996. sda

Fusions-Welle

Wenn die Krankenkassen ihre Prämienerhöhungen bekannt geben, fassen viele einen Kassenwechsel ins Auge. Doch dieses Jahr haben 570'000 Versicherte gar keine andere Wahl. Grund ist eine Fusionswelle, wie der Vergleichsdienst Comparis in einer Mitteilung schreibt. Bei der Helsana, ÖKK und Sanitas werden Tochterbetriebe integriert.

Prämienübersicht 2017

Hier geht es zum Prämienrechner des Bundes.

Keine Lohneinbussen

Der Bundesrat will die Löhne von Krankenkassenmanagern nicht begrenzen. Er beantragt dem Parlament, ein Postulat der SP abzulehnen. Diese fordert, eine Lohnobergrenze zu prüfen. Als Richtwert sollen die Bundesratslöhne dienen. Da Krankenkassenversicherer öffentliche Aufgaben wahrnähmen, seien Löhne über 500'000 Franken nicht zu rechtfertigen.

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87 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Seit der Einführung des KVG durch Ruth Dreyfuss SP sind die Prämien Jahr für Jahr nur gestiegen. Was wurde uns da eingebrockt? Viele sind aber verärgert und verunsichert, weil die Prämienlast Jahr für Jahr wächst. Was läuft schief? Solang aber Ärzte, Apotheker und Spitäler als Verkäufer über den Kauf bestimmen, können die Gesundheitskosten kaum stabilisiert werden. Das Gesundheitssystem muss noch effizienter organisiert werden. Aber wie?
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Was sagt der gute Gute zu meiner Rechnung? 120'000 (Asylbewerber) mal 6'000 (durchschnittliche Kosten) gleich 720'000'000. Ist natürlich unrealistisch tief gerechnet, da diesen "Versicherten" selbst noch Zahnarztkosten frei stehen und 120'000 nichts mit der quantitativen Realität zu tun hat.
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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Der BS will nicht hinter die unnötigen Untersuchungskosten gehen. Zu feige, diese Maffia zu stoppen !!! Blutuntersuch, CT, Facharzt, Kt.Spital, Röhre, Blutuntersuch über X-Monate, ohne jegliche Behandlung ! Das kostet extrem - und der Patient ist genau so krank wie Monate zuvor. Die Kranken werden kränker und die Armen zahlreicher Hr. Berset !!!
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