Krippenplätze kosten in der Schweiz am meisten

Ein Drittel des Haushaltseinkommens – so viel müssen Eltern hierzulande für einen Platz in einer Kindertagesstätte ausgeben. Eine Studie belegt: In 24 europäischen Ländern zahlen die Eltern weniger. Viel weniger.

Blick durch einer Türe einer Kindertagesstätte. Zu sehen sind viele Kinder.

Bildlegende: Eltern, die arbeiten müssen, geben einen grossen Teil ihres Einkommens an die Krippe ab. Keystone

Wie viel bezahlen Schweizer Paare, wenn sie ihren Nachwuchs in einer Krippe betreuen lassen? Im Schnitt 30 Prozent des gemeinsamen Einkommens. Damit zahlen sie fast doppelt so viel wie Eltern in 24 anderen Ländern Europas. Das berichtet die «NZZ am Sonntag», gestützt auf eine Studie der Universität St. Gallen. Gemäss dieser Studie kostet die Betreuung im europäischen Ausland durchschnittlich nur 16 Prozent.

Berechnungsbasis der Studie sind laut «NZZ am Sonntag» 22 Betreuungstage im Monat, ein Tagessatz von 110 Franken und ein Haushaltseinkommen von 7500 Franken.

Warum sind die Kosten für die Betreuung in der Schweiz derart hoch? Ein wichtiger Grund seien die aussergewöhnlich strengen Auflagen der Behörden, schreibt die Zeitung. Betreiber von Krippen würden von Regulierungswut sprechen. Das Blatt erwähnt ein Handbuch für potenzielle Krippengründer, herausgegeben vom Verband der Kindertagesstätten Schweiz. Dieses Handbuch, 300 Seite stark, bündele die behördlichen Vorgaben. Etwa: Wie sind die Betreuer auszubilden? Wie gross muss ein Raum sein? Wie gross eine Gruppe? Und wie hoch oder niedrig die Temperatur in den Kühlschränken?

Ein Krippenbetreiber, der die Auflagen nicht erfülle, erhält laut «NZZ am Sonntag» keine Bewilligung.

Und warum gibt es überhaupt so viele Vorgaben? Die Zeitung zitiert einen Ökonomen, Alois Stutzer: «Die Befürworter von zusätzlichen Regulierungen trauen den Eltern nicht zu, die Qualität einer Krippe selber zu beurteilen. Sie glauben, die Kinder mit Regulierungen schützen zu müssen. Die Eltern werden so regelrecht entmündigt.»