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Kritik am Expo-Sponsor Philip Morris
Aus Tagesschau vom 22.07.2019.
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Kritik am Expo-Sponsor des EDA Zigaretten sind nicht dasselbe wie ein Käseplättchen

Der Hauptsponsor des Schweizer Pavillons in Dubai ist Philip Morris. Das kommt weder bei der WHO noch bei der APK gut an.

Worum geht es? Seit kurzem ist bekannt, dass der Tabakkonzern Philip Morris das Hauptsponsoring am Schweizer Auftritt an der Expo 2020 übernimmt. Mit 1.8 Millionen Franken soll er sich an dem Pavillon in Dubai beteiligen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kritisiert das Schweizer Aussendepartement EDA deswegen. Das berichtet der «Tages-Anzeiger» heute. Die WHO bezeichnet diese Zusammenarbeit demnach als «sehr bedenklich» und kündigt weitere Schritte an, um die Pläne zu stoppen.

Schriftzug Expo 2020 am Flughafen von Dubai
Legende: Die Expo 2020 in den Vereinigten Arabischen Emiraten dauert vom 20.Oktober 2020 bis 3. April 2021. imago images

Was kritisiert die WHO? Christian Lindmeier, Mediensprecher der WHO, sagt gegenüber SRF, die WHO kritisiere die Zusammenarbeit des EDA mit dem Tabakkonzern, weil Rauchen und Gesundheit schlecht zusammenpassten. «Weltweit sterben jedes Jahr viele Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums oder kommen dadurch zu Schaden.» Tabakkonzerne als Sponsoren bei einer Weltausstellung zu haben, sei in sich widersprüchlich.

Welche Regeln gelten? Offenbar gibt es eine Vereinbarung der WHO mit dem Organisationsbüro der Expo gegen Tabak-Sponsoring an der Weltausstellung: «2011 wurde eine Vereinbarung zwischen dem ‹Bureau International des Expositions› und der WHO unterzeichnet, die genau diese Art von Tabak-Sponsoring untersagt», erklärt der WHO-Sprecher. Die WHO sei entsprechend stark daran interessiert, dass diese Vereinbarung eingehalten werde. Würde die Schweiz also ein Philip-Morris-Sponsoring gutheissen, würde sie diese Regel brechen. Deshalb will die WHO den Fall beim Expo-Büro melden.

2011 wurde eine Vereinbarung zwischen dem ‹Bureau International des Expositions› und der WHO unterzeichnet, die genau diese Art von Tabak-Sponsoring untersagt.
Autor: Christian LindmeierMediensprecher der WHO

Wie reagiert das EDA? Das EDA verteidigt das Sponsoring gegenüber dem «Tages-Anzeiger» und sagt, man sei gezwungen, Sponsorengelder für die Expo einzuholen. Und zwar mindestens für die Hälfte der Kosten. Diese betragen 7.5 Mio. Franken. Das hat das Parlament beschlossen. Das EDA schreibt weiter, Philip Morris sei nur auf der Dachterrasse des Pavillons sichtbar. Und diese Terrasse sei erst ab 21 Jahren zugänglich. Dort habe der Philip-Morris-Konzern die Absicht, elektronische Zigaretten zu verkaufen.

Es macht einen Unterschied, ob eine E-Zigarette angeboten wird oder ein Käseplättchen, etwas Bündnerfleisch und ein bisschen Chasselas.
Autor: Martin NaefNationalrat (SP/ZH)

Was sagt das Bundesamt für Gesundheit? Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zeigt sich gegenüber SRF irritiert. Man sei nicht vom EDA kontaktiert worden, um diese Partnerschaft zu beurteilen, heisst es vom BAG. «Die Zusammenarbeit mit der Tabakindustrie im Rahmen der Weltaustellung steht im Widerspruch zu unseren Präventionsbemühungen.»

Gibt es weitere Reaktionen? Auch andere Politikerinnen und Politiker haben sich zu dem umstrittenen Sponsoring-Geschäft geäussert. Zum Beispiel Martin Naef, SP-Nationalrat und stellvertretender Präsident der APK, der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats. Er und eine Mehrheit in der Kommission seien nicht per se gegen das Sponsoring von Anlässen. «Man könnte diese Anlässe sonst gar nicht durchführen», ist er überzeugt. Es mache aber einen Unterschied, ob eine E-Zigarette angeboten werde oder «ein Käseplättchen, etwas Bündnerfleisch und ein bisschen Chasselas».

Wie wird Bundesrat Cassis reagieren? Er sei über das Sponsoring noch nicht «im Detail» orientiert, schreibt das EDA. «Er wird die Situation analysieren und Handlungsoptionen abklären.» Letzten Freitag bereits hatte ein hoher EDA-Funktionär durchblicken lassen, dass Cassis als früherer Tessiner Kantonsarzt über das Engagement des Tabakkonzerns nicht glücklich sei. Trotzdem war das EDA auf den Deal eingestiegen.

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