Lastenvelos erobern Bern

In der Bundesstadt testen derzeit mehrere Kleinbetriebe Lastenvelos als tägliches Hilfsmittel auf ihren Liefertouren. Ist das mit Elektromotor angetriebene Gefährt gar die Lösung gegen das städtische Verkehrschaos?

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Viele Städte bieten Cargo-Bikes an

2:28 min, aus Tagesschau am Mittag vom 8.8.2016

Mit dem Lastenvelo lässt sich vom Gepäckstück bis zum Werkzeugkasten alles transportieren, selbst Kinder können problemlos mitfahren. Etwa die Kinder der Kita Matahari in Bern. Sie gehen jeden Dienstag auf den Markt, seit kurzem aber eben mit dem sogenannten «Cargo Bike» – gut angeschnallt und mit Helm ausgerüstet natürlich. «Wir sind viel schneller unterwegs, und die Kinder haben auch noch Freude daran», sagt Betreuerin Anna Pfister.

Auch die Berner Bäckerei Glatz liefert mit dem Lastenvelo aus. Die Anschaffungskosten betragen pro Stück zwischen 2500 bis 6000 Franken. Je nach Modell kann das Velo bis zu 300 Kilogramm transportieren. Ein solches Gewicht sei im Alltag aber unrealistisch, sagt Bruno Marthaler von der Bäckerei Glatz.

Man nutze das Gefährt für Lieferungen bis etwa 20 Kilogramm – und für eine Strecke bis sieben Kilometer. «Für alles andere, was weiter weg ist, müssen wir wieder das Auto nehmen.»

Mann fährt auf einem Lastenvelo durch die Stadt.

Bildlegende: Die Stadtberner Bäckerei Glatz liefert mit dem Lastenvelo aus – wenn die Strecke nicht allzu lange ist. SRF/Tagesschau

Das Lastenvelo kennt keine Parkplatzsorgen

Bis 2030 will die Stadt Bern den Veloverkehr von 11 auf 20 Prozent steigern. Für den Berner Umweltdirektor Reto Nause ist klar: Das Lastenvelo ist eine echte Alternative zum Lieferwagen. «Ein Cargo Bike ist billiger als ein Lieferwagen, es ist schneller in der Innenstadt als ein Lieferwagen, und es kennt keine Parkplatzprobleme.» Es gebe also durchaus wirtschaftlich relevante Fakten, die für diese Lösungen sprächen.

Was kleinere Lieferungen angeht, mag dies stimmen. Den Lieferwagen dürften die Lastenvelos indes kaum ersetzen. Der wöchentliche Gang zum Markt wird für die Matahari-Kinder aber definitiv zum Erlebnis, auch wenn man der Sonne etwas ausgesetzt ist.