Leihmutterschaft ist für den Bundesrat kein Thema

Die Sehnsucht nach eigenem Nachwuchs ist gross. Doch die Natur kann diesem Wunsch einen Strich durch die Rechnung machen. Dann wäre der Gang zu einer Leihmutter eine Möglichkeit – allerdings nicht in der Schweiz.

Schwangere Frau an Tisch sitzend. Die linke Hand umfasst den Bauch, die Rechte auf PC-Tastatur liegend.

Bildlegende: Für Schweizer Frauen, die kein eigenes Baby austragen können, bleibt der Gang zur Leihmutter weiter verboten. Keystone

Leihmutterschaft oder nicht? Für Schweizer Paare ist der Fall klar – geht es nach dem Willen des Bundesrats: Er will dies nicht erlauben und sieht keinen Anlass, eine Lockerung des Verbots zu prüfen.

Die Gründe für das geltende Verbot seien auch heute noch gültig – trotz Entwicklungen in Gesellschaft und Medizin. Dies schreibt der Bundesrat in der Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss.

Schwangere Frau an Tisch sitzend. Die linke Hand umfasst den Bauch, die Rechte auf PC-Tastatur liegend.

Bildlegende: Für Schweizer Frauen, die kein eigenes Baby austragen können, bleibt der Gang zur Leihmutter weiter verboten. Keystone

Beispiel Grossbritannien

Es gehe um den Schutz der Würde der Leihmutter sowie des werdenden Kindes und um das Kindeswohl. Dieser Schutz könne kaum gewährleistet werden – nicht nur bei bezahlter Leihmutterschaft, sondern auch bei unentgeltlicher, hält der Bundesrat fest.

Er zweifelt auch daran, dass weniger Leihmutterschaften im Ausland in Anspruch genommen würden, wenn dies in der Schweiz erlaubt wäre. Der Bundesrat verwies in diesem Zusammenhang auf Grossbritannien. Dort ist der Gang ins Ausland erlaubt. Trotzdem: Eine Zunahme der Auslandsfälle wurde nicht festgestellt.

St. Galler Urteil und Fall in Australien

Erkundigt hatte sich die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Fehr (SP/ZH). Zum einen hatte sie ein Gerichtsurteil dazu veranlasst: Das St. Galler Verwaltungsgericht hat vor kurzem zwei homosexuelle Männer als Väter eines Kindes anerkannt. Das Baby war in den USA von einer Leihmutter ausgetragen worden. Das Bundesamt für Justiz hat das Urteil angefochten.

Zum anderen beunruhigte Fehr der Fall des australischen Paares. Diese hatte ein Kind mit dem Down Syndrom bei der Leihmutter zurückgelassen und nur dessen Zwilling akzeptiert.

Armut von Frauen ausnützen

Leihmutterschaften würden komplexe Fragen zum Kindeswohl und zur Würde der Frauen aufwerfen, stellte Fehr fest. Die heutige Regelung erlaube es Paaren aus wohlhabenden Ländern, die Armut von Frauen in anderen Ländern auszunützen. Die SP-Nationalrätin fragte, ob der Bundesrat bereit sei, die Zulassung von Leihmutterschaften im Inland ohne Bezahlung zu prüfen.

In seiner Antwort stützt sich der Bundesrat auch auf eine Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission. Diese bezweifelt, dass es möglich ist, annehmbare Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen Beteiligten einen angemessenen Schutz gewährleisten. Nur eine Minderheit der Kommission möchte die Leihmutterschaft deshalb zulassen.