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Covid-Langzeit-Betroffene werden zu IV-Fällen
Aus Echo der Zeit vom 19.07.2021.
abspielen. Laufzeit 07:53 Minuten.
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Long Covid Corona hinterlässt erste Spuren in der Invalidenversicherung

Die IV hat bis Mai 656 Neuanmeldungen wegen Long Covid registriert. Die weitere Entwicklung ist noch nicht absehbar. Gemäss Studien könnten es Zehntausende mit Corona-Langzeitfolgen werden. Entsprechend gross ist die Hoffnung auf Behandlungsmöglichkeiten.

Wie viele Personen leiden so schwer unter Langzeitfolgen nach einer Covid-Erkrankung, dass sie sich bei der IV melden? Erstmals liegen dazu Zahlen der kantonalen IV-Stellen und des Bundesamts für Sozialversicherungen BSV vor.

Demnach registrierten die IV-Stellen bis zum Mai 656 Personen mit Covid-Langzeitfolgen. Dabei handelt es sich um Neuanmeldungen und nicht bereits um Renten. Denn wie in allen anderen Fällen prüft die IV zuerst sämtliche Möglichkeiten einer Eingliederung.

BSV: normaler Schwankungsbereich

Die 656 Long-Covid-Fälle von Januar bis Mai machen 3.1 Prozent aller Personen aus, die sich in diesem Zeitraum bei der IV angemeldet haben. Laut BSV-Vizedirektor Stefan Ritler verzeichnete die IV in den letzten fünf Jahren im Schnitt zwei Prozent mehr Neuanmeldungen. Immer wieder gebe es aber auch Jahre mit stärkerem Zuwachs: «Mit drei Prozent bewegen wir uns quasi in einem Wachstum, das die IV auch in anderen Jahren kennt.»

Dass sich die Pandemie nun auch in der IV bemerkbar mache, erstaune nicht, sagt Michael Schlunegger von Altea, einem Netzwerk, bei dem sich Long-Covid-Betroffene und Fachpersonen austauschen.

Studien: Zehntausende Long-Covid-Fälle möglich

Einige Patientinnen und Patienten litten unter schweren Langzeitfolgen, so Schlunegger: «Wir wussten von Anfang aus Schilderungen von Betroffenen, dass es einfach Personen gibt, die ihren Alltag nicht meistern können.» Entsprechend sei klar, dass diese Personen früher oder später bei der IV landeten.

Wir wussten von Anfang aus Schilderungen von Betroffenen, dass es Personen gibt, die ihren Alltag nicht meistern können.»
Autor: Michael Schlunegger Netzwerk Altea

Die weitere Entwicklung sei schwierig zu beurteilen, weil es zu Long Covid noch keine gesicherten Zahlen gebe, sagt Schlunegger: «Nach Schätzungen aus Studien könnten es in der Schweiz mehrere Zehntausend Long-Covid-Betroffene werden. Da sind die bisherigen 656 Neuanmeldungen noch eher wenig.»

Hoffen auf Therapiemöglichkeiten

Zurückhaltend mit Prognosen ist BSV-Vizedirektor Ritler. Er baue aber auch auf die medizinische Behandlung von Long-Covid-Patientinnen und -Patienten: «Wenn das behandelbar ist und die Arbeitsfähigkeit nach wie vor gegeben ist, gibt es an sich keine guten Gründe, weshalb sich die IV in diesem Bereich weiter engagieren sollte.»

Das BSV rechnet aber mit weiteren IV-Anmeldungen von Long-Covid-Betroffenen: «Wir werden – comme il faut – die beruflichen und medizinischen Abklärungen machen und prüfen, wie wir diese Personen unterstützen können.» Man gehe davon aus, dass die IV-Stellen den Mehraufwand mit den bestehenden Ressourcen bewältigen könnten.

Wir werden die beruflichen und medizinischen Abklärungen machen und prüfen, wie wir diese Personen unterstützen können.
Autor: Stefan Ritler Vizedirektor, Bundesamt für Sozialversicherungen BSV

Wie teuer Corona für die IV wird, fragt sich auch GLP-Nationalrätin Melanie Mettler. Sie ist Geschäftsleiterin einer Organisation, die Arbeitgeber bei der beruflichen Eingliederung berät. In der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit setzte sie sich für eine Erfassung der IV-Fälle mit Long Covid ein.

Angesichts der nun vorliegenden Neuanmeldungen sagt Mettler: «Wenn das die Spitze der Kurve ist, müssen wir uns für die IV keine Sorgen machen. Sollte sich aber durch Covid eine deutlich grössere Belastung der IV ergeben, wird man auch politisch aktiv werden müssen.» Also dafür sorgen, dass die IV mehr Geld erhält.

Wenn das die Spitze der Kurve ist, müssen wir uns für die IV keine Sorgen machen.
Autor: Melanie Mettler Nationalrätin, GLP

Gefestigtere Erkenntnisse kündigt das BSV auf Ende Jahr an. Wie stark Long Covid bei der IV ins Gewicht fällt, wird sich also erst noch zeigen. Fest steht aber, dass Corona erste Spuren in dieser Sozialversicherung hinterlässt.

Echo der Zeit, 19.07.2021, 18:00 Uhr

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Stephanie Graf  (Steph.anie)
    Was sagt dieser Artikel aus, ausser Mutmassungen? Ist Longcovid der Grund oder vielleicht schon psychische Störungen zuvor? Will Longcovid nicht vereiteln, aber dieses Ursache-Wirkungs-Prinzip seit Corona ist äusserst populistische Rhetorik. Ausserdem: litte ich an „Long“covid, käme erst die Versicherung meines Arbeitgebers auf, bei den meisten meiner Freunde sogar für zwei Jahre (je nach Anzahl Anstellungsjahre). Deshalb auch finde ich den Artikel irgendwie komisch.
    1. Antwort von Philipp Spuhler  (PSp)
      Ich finde diesen Artikel nicht komisch, er entspricht der Realität. Longcovid ist klar nachweisbar, aber eine psychische Erkrankung leider noch nicht.
    2. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      warum Mutmassungen? Januar bis Mai sind 656 Anmeldungen bei den IV Stellen eingegangen; Mutmassungen sind aktuell , wieviele Anmeldungen von Long Covid Betroffenen in den nächsten Momaten noch bei den IV Stellen eingehen werden.Und es zeigt auf, dass auch Long Covid nicht vergessen werden darf, wenn sich jemand ansteckt.Und dies sind ja Anmeldungen von Menschen, die noch im IV Alter, sprich Arbeitsleben stehen, also nicht Menschen im Alter Ü 64/65
  • Kommentar von Markus Zahner  (Chäslade)
    „Man gehe davon aus, dass die IV-Stellen den Mehraufwand mit den bestehenden Ressourcen bewältigen könnten“, dabei laufen die Mitarbeiter in der IV-Integration seit Jahren auf dem Zahnfleisch. Aber eben, die IV arbeitet seit Jahren nicht mehr im Sinne des Erfinders.
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Das ist erst die Spitze des Eisberges. Wenn jetzt die andere Hälfte der nun impfunwilligen Bevölkerung zwingenderweise Corona anheimfällt, werden daraus ungleich mehr LongCovid-Fälle erwachsen. Bezahlen werden es zum Schluss wieder diejenigen, die von Anfang an geistig mitgehalten und die Massnahmen mitgetragen haben.
    1. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Spitze oder Spritze? Setzen Sie nicht einfach die Geimpften mit allen gleich, die irgendeinen Beitrag geleistet haben oder noch leisten. Viele haben sich impfen lassen, um ungestört Leben zu können. Ungestört von staatlichen Einschränkungen, wohlgemerkt.