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Schweiz Medizinische Behandlungen auf dem Prüfstand

Der Bund will den Nutzen von medizinischen Leistungen, die von der Grundversicherung bezahlt werden, besser überprüfen. Sind sie nicht wirksam oder effizient, sollen Krankenkassen sie künftig nicht mehr vergüten. Verboten werden sie aber nicht.

Legende: Video «Mehr Effizienz im Gesundheitswesen» abspielen. Laufzeit 6:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.05.2016.

Der Bundesrat hat beschlossen, das sogenannte Health Technology Assessment (HTA) innerhalb des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) auszubauen, und zwar von bisher zwei auf zehn Mitarbeitende bis 2020. Deren Aufgabe ist die Evaluation von medizinischen Leistungen, die heute von der Grundversicherung bezahlt werden.

«Das Ziel ist, unnötige, nicht wirksame Therapien, Verfahren und Medikamente zu reduzieren», erklärte Gesundheitsminister Alain Berset vor den Medien. Teure Fehlbehandlungen sollten vermieden, die Qualität der Versorgung erhöht werden.

Sparmöglichkeit mit Wegfall unnützer Eingriffe

Die ersten drei Bereiche, die genauer unter die Lupe genommen werden, sind Kniearthroskopien, Wirbelsäuleneingriffe und Eisensubstitution bei Eisenmangel ohne Anämie. Diese Leistungen würden in der Schweiz verhältnismässig oft angewendet und nähmen teils stark zu, so Berset. Der Nutzen der Behandlungen für die Patienten sei indes umstritten, wie Studien aus dem Ausland zeigten.

Ein erstes Pilotprogramm zur Überprüfung von Leistungen läuft seit 2015. Der Bundesrat bewilligte dafür 1,8 Mio. Franken. Für die Jahre 2017 bis 2020 setzt er nun weitere 7,5 Mio. Franken ein. Eine lohnende Investition, denn das Sparpotenzial übersteige diesen Betrag bei weitem, sagte Berset: Alleine bei Kniearthroskopien könnten künftig Behandlungskosten von 10 Mio. Franken pro Jahr wegfallen.

Welche Therapien überprüft und welche Leistungen nicht mehr durch die Grundversicherung vergütet werden sollen, entscheidet letztlich das Departement des Inneren, dem Berset vorsteht. Solche Entscheide seien allerdings nicht das Ende jeder Behandlung einer bestimmten Art. «In der Schweiz herrscht weiterhin Therapiefreiheit», präzisierte Pascal Strupler, der Direktor des BAG.

Legende: Video «Alain Berset: «Den Patienten Leid und Kosten ersparen»» abspielen. Laufzeit 0:56 Minuten.
Vom 04.05.2016.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    und wer beurteilt den Entscheid des Arztes. Soll erst ein Antrag gestellt werden ? wenn die OP nicht mehr bezahlt wird. Als Patient sind Sie dem Urteil des Arztes ausgeliefert. Richtig ist aber auch, dass heute sofort eine Kniearthroskopie gemacht wird. Danach erfahren Sie dann, dass ein Stück Miniskus entfernt wurde und man 3 Tage bleiben muss. Diese Eisentherapien sind allerdings etwas zur Modesache geworden. Ich habe es auch machen lassen und lag 3 Stunden später im Notfall. Allergie.
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    1. Antwort von Verena Bensaddik (V. Bensaddik)
      Es werden heute mit Sicherheit viele eher unnütze Eingriffe vorgenommen. Ob es dem Patienten jetzt nach der Kniearthroskopie mit Meniskusentfernung wirklich besser geht als wenn der Eingriff nicht gemacht worden wäre, das ist sehr oft zu bezweifeln. Aber da diese Therapie heute fraglos bezahlt wird, wird sie halt auch sehr oft durchgeführt. Wenn der Arzt aber vom Nutzen der OP überzeugt ist und keine Alternative sieht, dann wird die Versicherung sicher auch zukünftig Kostengutsprache erteilen.
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      der Facharzt ist bestimmt vom Nutzen einer OP überzeugt. Denn daran verdient er. Sie müssen lange suchen, bis Sie einen Arzt finden der auch eine konservative und zeitraubende Behandlung durchführt. Deshalb wird dieser Kosteneinsparungsversuch nicht viel bringen.
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