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Schweiz Millionen Franken mehr für aufwändige Pflege im Spital

Die Pflegefachleute an Schweizer Spitälern können einen Erfolg feiern: Ab kommendem Jahr sollen die Spitäler mehr Geld erhalten, wenn Patienten besonders aufwändige Pflege brauchen – das zeigen Recherchen von SRF. Dabei sollen weder Steuern noch Prämien steigen.

Pflegpersonal kümmert sich um einen Mann mit einem gegipsten Bein.
Legende: Ist die Pflege eines Patienten aufwändig, soll es ab kommendem Jahr bis zu 2500 Franken mehr für das Spital geben. Keystone

Zwischen rund 1600 und 2500 Franken mehr als heute soll es geben, wenn die Pflege von Patienten im Spital aufwändig ist. Das hat der Verwaltungsrat der SwissDRG entschieden, die für die Tarife bei den Spitälern zuständig ist und aus Vertretern von Kantonen, Krankenkassen, Spitälern und von der Ärzteschaft besteht.

Helena Zaugg, die Präsidentin des Berufsverbandes der Pflegefachleute SBK, ist hocherfreut. Sie wertet die Neuerung als Anerkennung für ihren Berufsstand und als Eingeständnis, dass der Pflegeaufwand eben nicht von der Diagnose abhängt.

Seit vier Jahren rechnen die Spitäler über diagnosebezogene Fallpauschalen ab. Zwar ist die Pflege dort miteingerechnet – bei gebrechlichen Patientinnen oder Patienten mit zusätzlichen Schwierigkeiten reicht das vorgesehene Geld aber nicht, dann kostet die Pflege mehr.

Verbesserung geplant ab 2017

Ab kommendem Jahr soll deshalb für solche Fälle neu ein sogenanntes Zusatzentgelt ausbezahlt werden, zusätzlich also zur Fallpauschale bis zu 2500 Franken. Der SBK geht davon aus, dass es in drei Prozent der Fälle nötig wäre. Das klingt nach wenig. SBK-Präsidentin Helena Zaugg sagt aber: «Hochgerechnet macht das wohl einen zweistelligen Millionen-Betrag aus, der den Spitälern bis jetzt entgangen ist.»

Von einem Millionen-Geldsegen können die Spitäler aber nicht ausgehen. «Keineswegs», winkt Bernhard Wegmüller ab. Als Direktor des Spitalverbandes hplus ist er im Verwaltungsrat von SwissDRG. Er rechnet vielmehr damit, dass die Gelder anders verteilt werden: «Heute ist es schon so, dass Spitäler, die sehr komplexe Pflege-Fälle haben, im Schnitt etwas zu wenig Geld erhalten und jene mit mehr Routine-Eingriffen vielleicht zu viel erhalten. Mit dem neuen System wird das verbessert.»

Keine Erhöhung der Steuern und Prämien

Die Umverteilung soll dazu führen, dass es insgesamt weder für den Steuerzahler noch für den Versicherten teurer wird. Bernhard Wegmüller und Helena Zaugg versichern: Wegen dieser Änderung werden weder Steuern noch Prämien steigen.

Das neue Jahr dürfte noch weitere Korrekturen bei den Fallpauschalen bringen. Zu erwarten ist, dass die Pauschalen tendenziell sinken, während mehr Zusatzentgelt vorgesehen ist, nicht nur bei der Pflege. Das letzte Wort hat aber der Bundesrat im Herbst.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Habs in jüngster Zeit vielfach erlebt, teures, eh überlastetes Fachpersonal übernimmt noch immer Arbeiten, die Pflegehilfen ohne weiteres ruhe-+liebevoll erledigen könnten. Grundpflege, Hilfe beim Essen, Aufstehen, Anziehen und ganz besonders Zuhören sind für die Genesung mindestens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger. Der Einsatz herzlicher Menschen mit Spezialkurzausbildung für Dinge, wofür Fachleute kaum mehr Zeit finden, würde weniger Kosten verursachen und den Klinikaufenthalt verkürzen.
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  • Kommentar von Hermann Dettwiler (Alapeller)
    Die Fallpauschale bläst zur Jagd nach einträglichen DRG-Leistungen. Jedoch Spitäler sollen eigenverantwortlich als Kompetenzzentrum frei und verantwortungsvoll Unfälle und Krankheiten behandeln - ohne auf zusätzliche Einnahmemöglichkeiten suchen zu müssen um zu überleben. Politiker als Steuerorgane des Gesundheitswesens - wie soll das gut gehen? Da beisst sich der Hund in den Schwanz - eine geistige Weiterentwicklung würde ihn von dem Irrtum erlösen.
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  • Kommentar von Peter Escher (Peter)
    " wunderbare Brotvermehrung " ! - das zeigt doch, dass auch in allen anderen "Bereichen ", wie AHV, IV etc., GENÜGEND Kapital vorhanden ist. Nur der Bevölkerung Angst gemacht wird. Systembedingt und Gesetzeskonform .....
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