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Banken und Nachhaltigkeit: Auch die Kunden haben eine grosse Verantwortung
Aus Nachrichten vom 26.06.2020.
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Nachhaltige Finanzanlagen Der Bundesrat bleibt Beobachter

Nachhaltige Finanzanlagen sind hoch im Kurs: Aktienfonds zum Beispiel, die in klimaschonende Firmen investieren, verkaufen sich gut. Allein 2019 nahmen in der Schweiz die – als nachhaltig bezeichneten – Investitionen um 62 Prozent zu, bilanzierte unlängst der Verein Swiss Sustainable Finance SSF. Demnach ist hierzulande bereits ungefähr ein Drittel der Finanzanlagen – in der einen oder anderen Form – nachhaltig investiert. In absoluten Zahlen sind das 1163 Milliarden Franken.

Boom gut für die Banken

Das ist ein beachtlicher Betrag. Selbstverständlich erfreut dieser Nachhaltigkeits-Boom die Finanzbranche: Die Banken übertrumpfen sich derzeit gegenseitig mit neuen Angeboten in diesem Wachstumssegment, um daran zu verdienen.

Der Bundesrat betont nun in seiner Auslegeordnung zum Thema, er wolle der Branche helfen, die Schweiz international als nachhaltigen Finanzplatz zu positionieren. Das leuchtet ein. Denn schliesslich hat sich die Regierung – mit Blick auf die Klimaerwärmung – zum Ziel einer CO2-neutralen Schweiz bis ins Jahr 2050 bekannt, wie viele andere Staaten und namentlich auch die EU.

Gefahr von «Greenwashing»

Doch – anders als etwa die EU – geht die Schweiz nicht voran mit der Entwicklung klarer Kriterien zur Beurteilung nachhaltiger Produkte. Denn eine eindeutige Definition, was nachhaltig ist und was nicht, fehlt trotz Boom noch immer. Die hiesigen Behörden und Experten räumen ein, die Gefahr des «Greenwashing» sei real. Das Problem: Schnell einmal erscheinen Finanzanlagen grüner und sozialverträglicher, als sie sind.

Die EU will Klärung schaffen. Sie feilt an einheitlichen Nachhaltigkeitskriterien, einer sogenannten Taxonomie. Diese soll binnen weniger Jahre in der EU als verbindlicher Rahmen eingeführt werden. Demgegenüber überlässt es die Schweizer Regierung der EU – sowie den privaten Anbietern – das Feld abzustecken. Der Bundesrat positioniert sich lediglich als wohlmeinender Beobachter.

Kundschaft ist gefordert

Dass der Bund so zurückhaltend ist und keine neuen Vorschriften machen will, erfreut die Finanzbranche. Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace dagegen sind enttäuscht und sprechen von einer verpassten Chance für den Klimaschutz.

Für die Kundinnen und Kunden bedeutet dies: Sie müssen selber Verantwortung übernehmen, indem sie sehr genau hinschauen und kritisch nachfragen, wenn sie – als nachhaltig etikettierte – Finanzanlagen kaufen. Sich allein auf die guten Absichten der Anbieter zu verlassen, wäre naiv.

Jan Baumann

Jan Baumann

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Jan Baumann ist seit 2013 Wirtschaftsredaktor bei SRF. Davor arbeitete er während rund zehn Jahren als Redaktor für die Zeitung «Finanz und Wirtschaft», unter anderem als USA-Korrespondent.

SRF 4 News, 26.06.2020; 14 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Aber Sie wissen sicher auch, dass der Begriff "Nachhaltigkeit" heute für alles und jedes missbraucht wird. Vor allem werden die ökologischen Interessen systematisch von den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen übertrumpft.
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  • Kommentar von Bruno Müller  (Krötenprinz)
    Herr Bundesrat Maurer und die anderen Bundesräte können tun und lassen, was sie wollen. Sie werden für keinen ihrer Entscheide mit Einkommen oder Vermögen haften müssen. Das Einzige was ihnen passieren kann ist, dass sie nicht wiedergewählt werden. In diesem "schlimmen Fall" erhalten sie eine sehr hohe lebenslange Rente, von der ein Steuerzahler nur träumen kann.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Der Bundesrat, allen voran Herr Maurer, vertrauen wieder einmal mehr der Wirtschaft, den Banken, dem heiligen Finanzplatz. Wir alle wissen ja wie das enden wird. Er hat nichts, aber auch gar nichts gelernt. Und unsere Kinder werden die Strafen und Bussen dafür bezahlen.
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    1. Antwort von David Rothen  (EinGrünerundmehr)
      Unsere Kinder und Grosskinder werden uns hassen lernen für das was wir ihnen antun, nämlich ihre Lebensgrundlagen zerstören.
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    2. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Rothen: Ich glaube ja nicht, dass dies erst unsere Kinder tun werden, so traurig es ist. Aber viele, viele Menschen, Politiker und schon gar nicht die Wirtschaft haben verstanden, dass die Klimauhr weit nach 12Uhr steht.
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    3. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Belustigend was sich hier gewisse Leute vorstellen. Der Anleger entscheidet, ganz einfach! Er trägt auch das Risiko! In jedes Anlagegespräch das ich in den letzten Jahren führte, ist dieses Thema eingeflossen, auch bei den Grossbanken, da sogar ziemlich offensichtlich. Als Anleger entscheide ich aber selber und nicht die Bank oder irgendwelche Spinner die kein Geld haben und nichts riskieren!
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    4. Antwort von Marcel Meier  (Cello)
      @ Ueli Lang: Ich als Spinner versuche meine Fäden eben woanders als an der Börse zu ziehen. Die Eigenverantwortung der Leute hat uns genau an den Punkt gebracht wo wir jetzt stehen. Und dass sich die Welt radikal ändern muss, wenn wir zu einem freundlicheren Verhältnis zu unserem Planeten kommen wollen, versteht sich, glaube ich, von selbst.
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