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Wie das mit dem Sarg und dem Velo in Bern funktioniert
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 05.05.2021.
abspielen. Laufzeit 03:18 Minuten.
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Neue Bestattungsmethode In Bern kommt der Sarg per Velo

Die letzte Fahrt per Velo – echte Trauerarbeit oder simpler PR-Gag?

Ein Berner Bestattungsunternehmen transportiert Leichen nicht nur per Auto, sondern neu auch per Velo. «Wir wollen damit einen entspannten Umgang mit dem Tod fördern», sagt Bestatterin Linda Romano. Für das Bestattervelo wurde ein Lastenvelo umgebaut: Ein Elektromotor sorgt für den Antrieb, Autoreifen vorne für stabilen Halt.

Sarg
Legende: Auf dem Velo hat ein Sarg Platz. Thomas Pressmann/SRF

Das Velo, welches den Leichnam im Sarg zum Friedhof bringt, sei eine Möglichkeit, sich einen persönlichen Wunsch zu erfüllen, sagt Romano. Kreativität bei der Bestattung sei ein Schlüssel zu einem offeneren Umgang mit dem Sterben, so die Bestatterin des Bestattungsunternehmens Aurora. Linda Romano verweist auch auf die Nachhaltigkeit. Das Bestattervelo soll deshalb auch Naturfreunde und Umweltbewusste ansprechen.

Das Berner Bestatterunternehmen ist nicht das erste mit einem solchen Velo, ähnliche Konstruktionen gibt es beispielsweise auch in Deutschland und Dänemark.

Die Menschen winken zu: Das Bestattervelo in anderen Ländern

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Schon vor einigen Jahren entwickelte eine geschäftstüchtige Bestatterin in Koppenhagen ein solches Velo. «Eines Tages habe ich Bilder einer alten Leichenkutsche gefunden», erzählte Sille Kongstad 2014 Spiegel Online. Mit der Hilfe eines befreundeten Fahrradhändlers machte sie sich an die Umsetzung.

Das Begräbnis mit dem Leichenrad habe eine ganz eigene Atmosphäre, sagte Kongstad damals. Sie beschrieb die Stimmung als intimer als bei anderen Bestattungen. Auch von Aussenstehenden bekomme sie ausschliesslich positive Reaktionen auf das von ihr als «Leichenrad» benannte Velo. «Die Menschen in Kopenhagen winken mir am Strassenrand zu, wenn ich damit vorbeifahre.»

Noch sind solche Velos aber eine absolute Ausnahmeerscheinung. Handelt es sich also schlicht um einen PR-Gag? «Ich würde das nicht als PR-Gag abtun», sagt Ekkehard Coenen. Der Soziologieprofessor forscht an der Bauhaus-Universität Weimar zu den Themen Sterben und Bestatten. «Mit diesem Fahrrad wird der Tod sichtbarer – und das ist gut so.» Wichtig sei jedoch, dass es nicht einfach als Vermarktungsmittel angesehen wird, sondern die Trauerarbeit der Angehörigen tatsächlich unterstützt.

Ambivalentes Verhältnis

Der Soziologieprofessor beobachtet, dass es immer mehr Formen der Trauer gibt. Er spricht von einem Aufbrechen der Traditionen im Umgang mit dem Tod. Für ihn gehört das Velo auch zum Öko-Trend, naturnahe Bestattungen in Wäldern beispielsweise seien gefragt.

Ekkerhard Coenen spricht von einem ambivalenten Verhältnis der Gesellschaft zum Tod. «In Krimis und in der Mode begegnen wir dem Tod täglich, mit Trauer und Trauenden umzugehen macht der Gesellschaft aber Mühe». In Bern versucht das Bestattungsunternehmen, dem per Velo entgegenzutreten.

Velo mit Sarg
Legende: Mit diesem Velo will der Bestattungsunternehmen die Trauerarbeit unterstützen. Thomas Pressmann/SRF

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 04.050.2021, 17:30 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Hannes Wenger  (Lammfleisch)
    Die Idee find ich zeitgemäss und gut. Die Umsetzung hingegen schrecklich. Fehlt nur noch der Recycling- Kleber. Etwas stilvoller könnte das Ding also schon daherkommen. Und Autoräder sind definitiv die falsche Wahl. Man/frau google Rikscha, da kommen viele schöne Ideen daher.
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Offensichtlich (siehe fehlenden Helm der Fahrerin) haben wir es hier mit einem Marketinggag zu tun. Dass ein Unternehmen in dieser Sparte mit derartigen Mitteln operiert, ist ein deutlicher Hinweis auf seine Seriosität!
  • Kommentar von Claudia Esser  (Lilly.lombarte)
    Hurra, wir leben noch.Ich bin für allerdenkliches zum Umweltschutz.Das hier finde ich geht mir pers.zu weit.Die letzte Ehre,der letzte Gang.Etwas mehr Achtung und Respekt.Einfach in einer Kiste die nicht mal schön aussieht,mit einem Rad durch die Stadt? Nein, danke. Da sollen sich die Grünen bitte noch einmal umdrehen und genauer überlegen.
    1. Antwort von Katharina Studer  (gino)
      Muss gestehen, das möchte ich auch nicht! Es ist der letzte Gang. Aber bitte nicht so. Mehr dazu möchte ich nicht sagen.