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Medienkrise Öffentliche Gelder für Zeitungen

Immer weniger Einnahmen, immer weniger Abonnenten: Die Presse steckt in einer fundamentalen Krise. Denn mit Print- und Online-Journalismus lässt sich kaum mehr Geld verdienen. Nun will die SP als erste Bundesratspartei mit öffentlichen Geldern die Zeitungen retten.

Legende: Video Öffentliche Gelder für Zeitungen abspielen. Laufzeit 11:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 08.03.2017.

Die Presse ist wichtig für die Demokratie. Oder, wie Medienforscher Manuel Puppis gegenüber der «Rundschau» sagt: «Journalismus spielt eine wichtige Rolle für das Leben eines jeden Bürgers. Zeitungen helfen uns, Entscheidungen in der direkten Demokratie zu fällen.» Die Presse habe auch eine Kontrollfunktion. Sie schaue den Mächtigen auf die Finger und bringe Missbräuche an die Öffentlichkeit.

Doch der Zeitungsbranche geht es strukturell so schlecht wie noch nie. Die Zahl der eigenständigen Verlage im Land ist auf dem tiefsten Stand seit Gründung des modernen Bundesstaates. Die wichtigen Werbeeinnahmen für die Kaufpresse sanken von 1,4 Milliarden im Jahr 2006 innert zehn Jahren auf noch gut 0,7 Milliarden. Und stets weniger Bürger sind bereit, für Journalismus zu bezahlen. Verlage verkaufen heute massiv weniger Zeitungen als noch vor zehn Jahren.

«Strukturelle Krise»

Medienforscher Puppis ist Professor an der Universität Freiburg. Er hat die Schweizer Medienkrise in einer grossen und aktuellen Studie erforscht. Gegenüber der «Rundschau» spricht er von einer «strukturellen Krise», die nicht vorbeigehe.

Leser und Werbung seien ins Internet abgewandert und nicht einfach zu Online-Ableger der klassischen Medien sondern zu Anbietern wie Google und Facebook, die selber keinen Journalismus produzieren. Das grosse digitale Geld machen auch Schweizer Verlage nicht mit Journalismus, sondern mit anderen Angeboten wie Handelsplattformen, Stellenbörsen, Wohnungsbörsen oder Kleinanzeigen.

SP und Grüne für Pressefinanzierung

Nun bricht die SP als erste Bundesratspartei ein Tabu und will mit öffentlichen Geldern die Zeitungen retten. Von einer «direkten Journalismusförderung» schreibt sie in einem neuen Diskussionspapier, das die Fraktion gestern verabschiedete.

Gegenüber der «Rundschau» sagt Edith Graf-Litscher: «Wir stehen an einem Wendepunkt durch die digitalen Entwicklungen und darum brauchen wir eine direkte Presseförderung.» Es gehe darum, den Journalismus in Zukunft sicherzustellen und die Medienvielfalt zu stärken.

Die politische Positionierung der SP ist bemerkenswert, weil sich die Schweizer Politik traditionell zurückhält und bei der Presse den Markt spielen lässt. Als Argument gilt oft, dass mit der SRG bereits ein öffentlich finanzierter Akteur im Markt ist.

«Behinderungen des Staates»

Auch die Grünen befürworten eine öffentliche Pressefinanzierung, wie deren Präsidentin Regula Rytz bestätigt. Politiker von Mitte bis Rechts aber sind mit grosser Mehrheit dagegen.

Keine Freude am Vorschlag haben die meisten Verleger. Sie befürchten, öffentliche Finanzierung führe zu einer Behinderung des privaten Geschäfts, wie das heute schon mit der SRG der Fall sei. Pietro Supino, Präsident des Verlegerverbandes, sagt gegenüber der «Rundschau»: «Medienförderung führt immer zu Abhängigkeiten und zu einem Machtmittel für jene, die über die Verteilung des Geldes entscheiden.»

Wissenschaftler diskutieren zurzeit verschiedene Modelle, wie Journalismus in der Schweiz weiter finanziert werden kann. Dass das klassische Modell mit Werbung und Verkauf nicht mehr weiter funktioniert, darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Medienforscher Puppis kommt zum Schluss, dass eine öffentliche Finanzierung der Presse nötig ist: «Es geht nicht einfach um Überleben einer Wirtschaftsbranche. Es geht um unsere direkte Demokratie.»

Legende: Video Rundschau-Theke: Markus Somm, «Basler Zeitung» abspielen. Laufzeit 9:24 Minuten.
Aus Rundschau vom 08.03.2017.

25 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Wem möchte die SP KEIN Geld geben? Am besten wir führen ein bedingungsloses Grundeinkommen für Konzerne ein. Gell?
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  • Kommentar von Ruedi Hammer (Ruedi Hammer)
    Liebe Journalisten. Seit Jahren erzählt ihr uns von einem riesigen Fachkräftemangel und dass man alle schweizer Arbeitslosen und Ausgesteuerte nicht gebrauchen kann. Für euch Fachkräfte sollte somit ein neuer Job doch überhaupt kein Problem sein – oder vielleicht doch ?
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  • Kommentar von nathalie wernz (Frau Wer)
    Diese Diskussion ist unbedingt nötig - danke der SP ein 'unpopuläres' Thema zu lancieren! Fakt: gut recherchierter + kommerziell 'unabhängiger Journalismus ist für eine Gesellschaft sehr wichtig + aufwändig = kostet Geld. Wie eine 'öffentliche' Teil-Finanzierung möglichst Partei-Interessen unabhängig zu gestalten wäre muss debattiert werden..
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      n. wernz da bin ich leider nicht Ihrer Meinung,eine Zeitung sollte unabhängig vom Staat sein. Sonst würde die Motivation und das Engagement um wirklich wirtschaftlich zu arbeiten fehlen, da Unterstützung vorhanden. Dazu kommt es, dass es eventuell je nach dem zu einseitig werden könnte, durch politisch motivierte Abhängigkeit. Gleichzeitig könnte die Vielfalt der Berichte fehlen. Herr Somm ist ein erfahrener Journalist und weiss von was er spricht. Seine aussagen sind für mich einleuchtend.
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    2. Antwort von nathalie wernz (Frau Wer)
      Sorry, aber ein gewinnorientierter Ansatz bedeutet in der Konsequenz: 'mit möglichst wenig Aufwand (Arbeits- Recherchestunden) möglichst viel Auflage' (=Werbeeinnahmen= Abhängigkeit vom Wohlwollen der Inserenten) Das Resultat: Journalismus vom Computer aus - Agenturmeldungen im Akkord in Mainstream gefällige, effekthascherische Headlines giessen.....Davon haben wir schon mehr als genug und ist so ziehmlich das Gegenteil von dem was ich unter Journalismus verstehe!
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    3. Antwort von nathalie wernz (Frau Wer)
      Selbstverständlich ist es problematisch wenn eine 'Instanz' die Qualitätskriterien zur Förderung einseitig festlegt - Meinungsvielfalt, kontroverse und unbequeme Standpunkte müssten berücksichtigt werden. Hier liegt ja auch kein konkret ausgearbeiteter Vorschlag wie..- sondern erstmal die Identifikation + Benennung einer sich rasant verschärfenden 'Entwicklung' - diese ist unbestritten. Wie reagieren wir als Gesellschaft darauf? Wollen wir 'unsere Information' rein dem 'Markt' überlassen?
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    4. Antwort von nathalie wernz (Frau Wer)
      Spontane-unausgereifte Idee: 'nach Art' der Grundlagenforschung wird zu verschiedenen Themen eine 'open source' Bibliothek betrieben, welche Medienschaffende für ihre Arbeit nutzen können... Oder doch noch mal über das bedingungslose Grundeinkommen nachdenken: ganz viele unabhängige Schreiberlinge würden zu allen möglichen Standpunkten + ohne Stress vielfältigste Texte verfassen........ ;)
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    5. Antwort von nathalie wernz (Frau Wer)
      Frage noch Frau Artho: was heisst für sie " wirklich wirtschaftlich arbeiten" - wie sieht das konkret aus? Ist bei ihnen Motivation und Engagement vor allem von Geldwerten abhängig - sicher? Wenn ja: warum ist das so + ist das gut + sinnvoll?
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    6. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      n. wernz da ich aus der Generation komme wo man Geld verdienen konnte "nur" mit Arbeit,Fleiss und Engagement ohne Hilfe vom Staat. Warum will man alles Staatabhängig machen,warum überlässt man dies nicht mit einer liberalen Haltung laufen, denn jeder Zeitungsverlag/Medien ist für seine Berichterstattungen selbst verantwortlich.Was nun Leser glauben wollen, oder eher merken was Propaganda sein könnte, hat vielleicht nun diese Kriese der Zeitungsverleger bestätigt. Konkurrenzkampf ist grösser.
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    7. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      Warum masst sich der Staat soviel an um in die Geschäfte Einfluss zu nehmen. Teilweise sind es noch Menschen die gar nicht in diesem Fach kundig sind und so Einfluss im theoretischen Sinne handeln,anstelle von den praktischen Erfahrungen, die nun jeder Verleger selber nur korrigieren kann, wenn etwas nicht funktioniert, dies sollte aber auf eigen Verantwortung passieren ohne zusätzliche Hilfe vom Staat. Politisch neutrale Zeitungen, die vielfältig sind, denke ich haben sicher weniger Probleme.
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