Zum Inhalt springen

Öffnung der Landwirtschaft Bauern verweigern sich erfolgreich – zumindest vorläufig

Die Bauern wollen keinen Agrarfreihandel. Langfristig birgt das Risiken. Eine Analyse von Massimo Agostinis.

Legende: Audio Bauern mit breiter Allianz gegen Agrarfreihandel abspielen. Laufzeit 2:48 Minuten.
2:48 min, aus Echo der Zeit vom 28.11.2017.

Vor über 10 Jahren musste der Bundesrat die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den Amerikanern einstellen. Die helvetischen Bauern hatten klipp und klar durchgegeben, dass sie nicht mitmachen, wenn das Abkommen mehr Konkurrenz durch billige US-Agrarprodukte bedeutet. Auch jetzt wieder möchten Schweizer Industrielle über den Abbau von technischen Handelsbarrieren und Zöllen reden – bevor es die EU tut. Dieses Mal mit vier südamerikanischen Staaten, darunter Brasilien und Argentinien.

Stolperstein dürften aber wiederum die Schweizer Bauern sein, die jetzt schon Nein sagen zu jeglicher Öffnung. Teilweise mit gutem Grund: Gegen die südamerikanische Landwirtschaft mit ihren Riesenflächen hätten hiesige Landwirte häufig keine Chance.

Rückendeckung vom Volk

Die Schweizer Landwirte wissen mit der heute vorgestellten, breiten Allianz nicht nur bäuerliche Organisationen und Tierschützer auf ihrer Seite. Sie können auch auf die Unterstützung aus dem Volk rechnen. Bauernvertreter werden regelmässig ins Parlament gewählt, die Subventionen für die Landwirtschaft von jährlich rund 3,5 Milliarden Franken sorgen kaum je für grosse Wellen oder gar einen Proteststurm.

Es scheint, als ob die Steuerzahlenden mit ihren Bauern durchaus zufrieden sind – und in Kauf nehmen, dass die Industrie sehnlichst erwünschte Handelsabkommen mit andern Weltgegenden wegen der Bauern nicht abschliessen kann. Der Hinweis, dass die Industrie knapp 20 Prozent zum Schweizer Bruttoinlandprodukt beiträgt und dies erst noch ohne Subventionen, die Landwirtschaft hingegen sehr teuer ist und ihr BIP bei mageren 0,7 Prozent liegt, scheint auch nicht zu verfangen.

Chancen ausloten

Der Grund dürfte wohl darin liegen, dass Bauern etwas produzieren, was wir alle brauchen: Lebensmittel, Industrielle hingegen in Anführungszeichen gesetzt, «nur» Maschinen, Schrauben und Roboter.

Vorderhand kann sich die Schweiz den grosszügigen Umgang mit den Bauern auch noch leisten. Allerdings: Schwindet die Bereitschaft, die Bauern mit Milliarden zu unterstützen, dann dürfte das Pendel umso wuchtiger zurückschlagen. Die Bauern und ihre Vertreter täten deshalb gut daran, in Sachen Marktöffnung die Augen nicht komplett zu verschliessen, sondern nüchtern auszuloten, wo eine Marktöffnung Chancen bietet und wo nicht.

Massimo Agostinis

Massimo Agostinis

Der ehemalige Korrespondent in Italien arbeitet seit 2015 in der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Herbert Müller (Herbert Müller)
    Ja und wann fällt der Grenzzaun für unsere hohen Schweizer Löhne? Sprich, die flankierenden Massnahmen müssen auch fort.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Sebastian Köhler (Tekk)
    Verständlich das sich da all jene dagegen wehren welche grosse Schlucke aus dem subventionseuter saugen. Man stellt sich ja schlussendlich nicht selber die "Milch" ab.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Theresia Weber (Resi)
    Kann nachvollziehen, dass das Rüsten von frischem Gemüse/Obst etwas länger dauert als eine industriell hergestellte Lasagne in den Ofen zu schieben. Nach Abwesenheit den tagdurch (Arbeit), holte ich meine Kinder in die Küche zum mithelfen. Austausch was tagsüber erlebt u. für mich Stressabbau (Szenenwechsel) Sie wurden sensibilisiert. In unseren Breitengraden brauchen wir für unsere Gesundheit weder Ananas noch Melonen aus Brasilien. Früchte u. Gemüse jeder Jahreszeit aus der CH gibt es genug.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen