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Schweiz Ohrfeige für Ohrfeigenverbot

Darf man seine Kinder ohrfeigen oder sollte man dafür strafrechtlich belangt werden? Schüler aus Bern finden, Strafe muss sein, und forderten in einer Petition ans Parlament ein Ohrfeigen-Verbot. Doch die löbliche Idee erfuhr jetzt eine erste Abfuhr.

Legende: Video «Das Ohrfeigen-Verbot» abspielen. Laufzeit 3:59 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.10.2015.

Die Rechtskommission des Ständerats will Ohrfeigen nicht verbieten. Sie beantragt ihrem Rat, einer Petition mit dieser Forderung keine Folge zu geben. Das teilten die Parlamentsdienste auf Twitter mit. Die Petition eingereicht hatten Schüler der Primarschule Gäbelbach in Bern.

Zum Thema ist auch ein verbindlicherer Vorstoss im Parlament hängig, eine Motion von Chantal Galladé. Die Zürcher SP-Nationalrätin ist der Auffassung, dass ein Verbot klare Grenzen setzen und Kinder schützen würde. Körperliche Züchtigung tauge nicht als Erziehungsmittel, hält sie fest. Damit werde Gewalt gelehrt und oft eine gesunde Entwicklung des Kindes behindert.

Auch Kinderschutzexperte und Arzt Ulrich Lips würde das Verbot von körperlicher Züchtigung gern klarer im Gesetz verankert wissen. «Es ist Zeit, dass das in einem Gesetz jetzt festgeschrieben wird, dass das nicht zulässig ist», fordert Lips. Denn auch ohne körperliche Folgen führten die Schläge zu einer Demütigung und psychischen Wunden.

Klare Gesetze haben positive Auswirkungen

Der Bundesrat ist ebenfalls der Ansicht, dass Eltern ihre Kinder nicht körperlich züchtigen sollten. Ein explizites Verbot lehnt er aber ebenso wie die Rechtskommission des Ständereats ab. Strafverfahren wegen Ohrfeigen würde innerhalb der Familie zu einer Belastung führen. Dies könne letztlich auch dem Kindeswohl abträglich sein. Sensibilisierung bringe aus seiner Sicht mehr.

Früher waren Eltern explizit befugt, «die zur Erziehung der Kinder nötigen Züchtigungsmittel anzuwenden». Mit dem neuen Kindesrecht sei diese Bestimmung 1978 aufgehoben worden, schrieb der Bundesrat in seiner Antwort auf die Motion. Ein explizites Verbot sei nicht notwendig.

Doch das sieht Kinderschutzexperte Ulrich Lips anders. Er wünscht sich deshalb eine explizite Formulierung im Gesetz. «Es wird nicht geschlagen in der Erziehung. Punkt.» Das allein habe, das hätten Studien gezeigt, Auswirkungen auf das Verhalten der Leute.

Die Petition der Schulkinder wird nächstes Jahr noch in der Rechtskommission des Nationalrates behandelt.

40 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Das Ansinnen kommt wieder aus der links-grünen Ecke und taugt überhaupt nichts. Eine Strafe im normalen Mass im richtigen Moment schadet nicht, sonst wären die meisten Menschen der älteren Generation alle geschädigt." Sind viele ja auch, auch wenn sie ihre eigene Griesgrämigkeit und Bitterkeit, die sie anderen zuschieben wollen, gar nicht mehr wahrnehmen. Zwar dürfte das div. Gründe haben. Aber diese Erziehungslügen spielen mit eine Rolle.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Die Petition der Schulkinder wird nächstes Jahr noch in der Rechtskommission des Nationalrates behandelt." Diese Schulkinder haben recht. Aber es gibt eben viele dumme Erwachsene. Vielleicht sollten die regelmässig öffentlich geohrfeigt werden zur Demütigung, damit sie wieder wissen, von was sie schwätzen... Ihre Selbstherrlichkeit und Überheblichkeit stören mich schon lange.
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      U.S. darf ich Sie fragen,haben Sie Kinder.Persönlich finde ich ältere Menschen auf diese Art,wie Sie hier Ihren Kommentar schreiben, Demütigen und Beleidigen schlimmer. Da damals eine andere Zeit war als heute.Wie die heutigen Kinder in Zukunft mit ihrem Leben zurecht kommen, wissen Sie nicht.Als Kind wurde ich früher auch geschlagen,darum habe ich meine Kinder anders erzogen. Bin trotzdem dankbar,dass ich durch diese Erfahrung etwas gelernt habe. Begegne heute Menschen mit Anstand und Respekt.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Eine leichte Ohrfeige hat einem ungehorsamen Kind noch nie geschadet. Aber dass man die Kinder mit Handschuhen anfassen muss, schon. Man verfolge nur die Folgen der antiautoritären Erziehung in den Medien!
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      Was bitteschön ist eine «leichte Ohrfeige»? Dass sie als geschlagen wurden ist traurig genug! Doch dass sie Schläge nun bei Kindern goutieren erachte ich mehr als zweifelhaft und lässt tief blicken!
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    2. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      "Eine leichte Ohrfeige..." Das macht man als Erwachsener nur dann, solange das Gegenüber kein Boxer ist, der einen nach einem Schlag danach gleich K.O. schlägt.
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    3. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Eine OHRfeige ist ein Schlag aufs OHR... nichts mehr nichts weniger, wir aber sprechen eigentlich vom Klaps an den Kopf.. meist Hinterkopf und eben ein Klaps..DAS ist schon ein Unterschied.!!! Ohrfeigen koennen das Gehoer sschaedigen!
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