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Starpädagoge im Zwielicht Opfer-Entschädigung im Fall Jegge steht nicht im Vordergrund

Die Zürcher Staatsanwaltschaft leitet im Fall Jürg Jegge ein sogenanntes Vorabklärungs-Verfahren gegen den Schweizer Pädagogen ein. Die Zürcher Bildungsdirektion zieht nach. CVP-Bildungsdirektorin Silvia Steiner erklärt, warum.

Legende: Audio Interview mit Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner abspielen. Laufzeit 03:44 Minuten.
03:44 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.04.2017.

SRF: Frau Steiner, was genau wollen Sie im Fall Jegge untersuchen?

Silvia Steiner: Ich glaube, es ist wichtig, immer etwas aus der Vergangenheit lernen zu können. Darum ist es mir in diesem Bereich und im Zusammenhang mit diesem Fall auch wichtig, dass wir den Opferinteressen nachkommen. Wir haben eine moralische Verantwortung gegenüber den Opfern, denn das waren Kinder und Jugendliche, die bei uns in die Schule gegangen sind. Für sie ist die Aufarbeitung dieser Geschichte sicher von Belang.

Wenn Sie sagen, den Opferinteressen nachkommen, was bedeutet das in diesem Fall konkret, was könnte am Schluss dieses Vorgangs stehen?

Das kann man jetzt noch nicht sagen, wir werden das sehr genau prüfen. Ich bin der Meinung, dass ein Opfer auch immer das Recht hat, seine Vergangenheit zu bewältigen, und auch einen Anspruch, dass man ihm immer ermöglicht, sich mit vergangenen Traumata auseinanderzusetzen. Auch wenn es keine anderen Massnahmen geben sollte, muss genau dieser Prozess, der jetzt eingeleitet wurde, eben dazu dienen, dass die Opfer ihre Vergangenheit bewältigen können.

Ist auch denkbar, dass diese Opfer danach irgendeine Entschädigung erhalten?

Also das kann man jetzt noch überhaupt nicht sagen. Ich glaube auch nicht, dass das für Opfer im Vordergrund steht. Wichtiger ist, dass man ihre Anliegen ernst nimmt. Dass man ihnen Glauben schenkt und ihnen die Möglichkeit bietet, vergangenes Unrecht als Teil ihrer Vergangenheit anerkennen und akzeptieren zu können und wieder in die Zukunft zu blicken.

Wäre ein vergleichbarer Fall heute noch möglich an Zürcher Schulen?

Hundertprozentig kann man derartige Übergriffe oder auch die Ausnutzung von Machtverhältnissen nie ausschliessen. Aber ich denke, wir haben sehr viel getan, um das zu verhindern.

Lehrer, die im Kanton Zürich eine Anstellung suchen, müssen ja einen speziellen Leumundsauszug vorlegen, der auch ältere Einträge enthält, das ist nicht in allen Kantonen so. Sie sind ja auch Präsidentin aller kantonalen Bildungsdirektionen. Wollen Sie einen solchen Auszug jetzt auch in diesem Gremium thematisieren?

Ich bin sicher, dass ich mit meinen Kollegen einen solchen Austausch pflegen werde, das ist klar, wir sprechen ja über unsere täglichen Probleme. Ich glaube aber, mit der schwarzen Liste bei der EDK haben wir schon ein sehr gutes Instrument, um zumindest zu verhindern, dass einschlägig vorbestrafte Lehrpersonen einfach den Kanton wechseln und so unerkannt an einem anderen Ort wieder eine Stelle bekommen.

Das Interview führte Hans-Peter Künzi.

Star-Pädagoge im Zwielicht

Jürg Jegge hat letzte Woche zugegeben, dass er in den 1970er-Jahren sexuelle Kontakte zu Schülern pflegte. Dies nachdem ein Opfer in einem Buch seinen Fall bekanntgemacht hat. Die Fälle selbst sind inzwischen verjährt.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Ob staatliche organisierte private Kinderzwangsarbeit oder dito Kindersex: Die Ueberlebenden koennen bestenfalls mit einem Bettelsuppenalmosen statt voller Entschaedigung und Genugtuung rechnen. Ein Nochrechtsstaat haftet voll fuer von Privaten toleriete oder gar staatlich mitorganisierte Sklaverei. Er kann dann auf die Taeter Rueckgriff nehmen, wenn er es nicht vorzieht, diese politisch oder juristisch zu beguenstigen....
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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Dieses Opfer von Jegge hatte ja seinen grossen Auftritt bei einem Privat-TV-Sender, wo er sein Buch darüber promoten konnte & der TV-Sender hatte eine Story. Frage also ist: Dieser Missbrauch ihm gegenüber liegt ja schon ein paar Jahrzehnte zurück. Weshalb hat er nicht ohne ein Buch darüber zu schreiben, schon vorher darüber gesprochen & hat den Rechtsweg eingeschlagen & Jegge nicht schon längst angezeigt? Der Mann scheint mir nicht so traumatisiert zu sein, dass er dazu nicht in der Lage war.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Sie geben sich die Antwort selbst. Betroffene können erst darüber reden, wenn sie die Traumatisierung soweit überwunden haben. Wenn der Mann Ihnen jetzt nicht so traumatisiert erscheint muss das nicht heissen, dass das vor wenigen Jahren nicht anders war. Darum können Beteiligte häufig erst nach Jahrzehnten darüber sprechen. Eine Anzeige nützt zum jetzigen Zeitpunkt auch nichts mehr, die Taten sind längst verjährt.
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    2. Antwort von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
      Herr Müller, ich halte dies hier eher als ein widerwärtiges Schmierentheater - beide, Opfer und Täter hielten noch Jahrzehnte ein sehr nahes freundschaftliches Verhältnis aufrecht ... und nun kommt der eine mit einer hohen Geldsummenforderung ... 's tönt so, wie bei einem Rosenkrieg ...
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    3. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Kunz: Das mit der Freundschaft behauptet jeder Täter zur Rechtfertigung. Und das mit der Geldforderung behauptet nur Jegge. Er redet nicht einmal von einer "hohen Geldsummenforderung" wie Sie. Ich bin auch nicht sicher, dass das Buch eine gute Idee ist. Aber wie sonst bei einem Fachexperten und Promi wenn alle strafrechtlichen Fristen vorbei sind?
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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Es ist sehr bedauerlich, dass man sich erst jetzt zu diesem Fall äussern darf. Wäre es Mörgeli gewesen, so hätte man sich sofort dazu äussern können. Dies in Sachen Glaubwürdigkeit.
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    1. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Dieser Fall muss doch zuerst aufgenommen, die Vorwürfe konkretisiert und die Fakten zusammengestellt und bewiesen werden. Warum ist es Ihnen ein Bedürfnis, sogleich Behauptungen und Mutmassungen abzusondern und Schlüsse zu ziehen? Spekulationen und Vorverurteilungen sind unangebracht und befeuern. nur die niedere Sensationslust.
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