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Staatsbesuch aus China Polizei beendet unerlaubte Tibet-Demonstration in Bern

Rund 400 Exil-Tibeter und ihre Unterstützer haben anlässlich des Besuchs des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Bern lautstark demonstriert. Bei einer unbewilligten Demonstration am Nachmittag wurden 14 junge Aktivisten angehalten.

Legende: Video Massives Sicherheitsaufgebot in Bern abspielen. Laufzeit 01:28 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.01.2017.
  • Hunderte Aktivisten demonstrierten in Bern friedlich gegen den chinesischen Präsidenten Xi Jinping.
  • Am Nachmittag wurde eine unbewilligte Demo von der Polizei beendet.
  • 14 junge Aktivisten wurden angehalten.

Auf dem Berner Bundesplatz haben am Morgen mehrere hundert Personen gegen den Besuch des chinesischen Staatspräsidenten demonstriert. Sie forderten mehr Menschenrechte in Tibet und den Start eines Dialogs zwischen der chinesischen Regierung und dem Dalai Lama.

«Xi Jinping: Stopp Folter in Tibet» und «Bringen wir Schweizer Demokratie nach Tibet und China» stand unter anderem auf den Transparenten der Demonstranten auf dem Unteren Waisenhausplatz.

Mit ihrer Kundgebung wollte die Gemeinschaft der Exil-Tibeter auf das Schicksal ihrer Landsleute aufmerksam machen, von denen sich eine grosse Zahl in chinesischer Haft befinden.

Mann übergiesst sich mit Flüssigkeit

Gemäss der Kantonspolizei Bern übergoss sich am Rande der Veranstaltung ein Tibeter mit einer brennbaren Flüssigkeit. Der Mann sei von der Polizei festgehalten worden und nach bisherigen Kenntnissen unverletzt, sagte ein Kapo-Mediensprecher.

In einem Appell forderten die Tibeter und ihre Unterstützer Xi unter anderem auf, den Dialog mit dem Dalai Lama aufzunehmen und die Folter tibetischer Gefangener sofort einzustellen.

Legende: Video Xi Jingping fährt einen harten Kurs abspielen. Laufzeit 01:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.01.2017.

Unterstützer des Appells sind die vier tibetischen Organisationen der Schweiz. «Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten hat uns versichert, dass sie den Appell an die chinesischen Behörden weiterleiten werden», sagte Thomas Büchli, Präsident der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft GSTF. Büchli erhofft sich, dass die Schweiz in einem allfälligen künftigen Dialog eine Art Mediatorenrolle einnehmen könnte.

Aktivisten angehalten

Ein anderes Schaubild zeigte sich am Nachmittag: Nach der offiziellen Demonstration protestierten einige junge Aktivisten unbewilligt auf dem Bärenplatz. Sie forderten die Unabhängigkeit Tibets und die Schweiz auf einem Transparent auf, nicht «mit Mördern zu verhandeln».

Die Demonstranten gehörten dem Verein Tibeter Jugend in Europa VTJE an. Sie wurden nach gut einer Dreiviertelstunde verhaftet und abgeführt. Gemäss dem Verein wurden 14 Aktivisten angehalten.

Der VTJE schlug wesentlich radikalere Töne an als seine Landesgenossen am Morgen. Die Mitglieder warfen den Behörden vor, Tibeter in der Schweiz zu zensieren und undemokratisch zu handeln.

Erneutes Debakel verhindern

Grund für die immense Polizeipräsenz: Die Behörden wollten ein Debakel wie jenes beim letzten chinesischen Staatsbesuch 1999 um jeden Preis verhindern.

Damals haben Tibeter und ihre Demonstranten direkt vor dem Bundeshaus lautstark demonstriert. Der damalige chinesische Präsident Jiang Zemin geriet daraufhin so sehr in Rage, dass er den Empfang vor dem Bundeshaus platzen liess und den anwesenden Bundesräten eine Standpauke hielt.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Ein Vergleich: Man bekämpft den Neonazismus, verbietet Nazisymbole, verachtet, auch zu Recht, den Holocaust an den Juden. Heute kritisiert man deren Verhalten, steht zu den Palästinensern, welche die Juden bekämpfen. Und - einst bot man den verfolgten Tibetern Schutz vor China, gab ihnen ein Zuhause. Und heute lässt man sie nicht einmal gegen den Besuch des Chines. Präsidenten demonstrieren, für ihre Rechte in ihrer Heimat einstehen, ja man verdrängt sie in den Hinterhof. Unglaublich!
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  • Kommentar von H Kuhn (K.H.)
    Schön wenn sich ein "Turi" in einigen Wochen ein Bild machen konnte, was in dem von ihm besuchten Land abläuft. Da sind ja die Tibeter, welche wohl noch andere Informationen bekommen, wirklich daneben, wenn sie sich wegen der "chinesischen Demokratie" empören. Übrigens, Verfall schreibt sich mit 2 L !!!
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    2) Nichts als Kollateralschäden der Geschichte. Wie man richtig sieht, interessiert niemanden, weil es sich (wirtschaftlich) nicht lohnt. Der Mensch, die Krone der Schöpfung? Der Satz: "Was interessiert es, wenn in China ein Sack Reis umfällt", zeigt immer deutlichere Konsequenzen und richtet sich mittlerweile im umgedrehten Sinn gegen die Welt. Was interessiert die Chinesen was der Rest der Welt denkt.
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