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Im Jahr 2020 wurden 572 Fälle von Rassismus gemeldet
Aus Nachrichten vom 18.04.2021.
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Rassismusbericht 2020 Pandemie verlagert Rassismus in den privaten Raum

  • Die Corona-Pandemie und das eingeschränkte öffentliche Leben haben rassistische Vorfälle im Jahr 2020 in den privaten Raum und in die Nachbarschaft verschoben.
  • Dennoch bleibt der Arbeitsplatz der häufigste Ort von Diskriminierung. Insgesamt 572 Fälle stellten Schweizer Beratungsstellen im vergangenen Jahr fest.

Das schreiben die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus und das Beratungsnetz für Rassismusopfer humanrights.ch in einem Bericht, Link öffnet in einem neuen Fenster. Die meisten Fälle ereigneten sich demnach nicht etwa unter fremden Personen auf der Strasse – sondern dort, wo sich die Leute kennen.

Gemäss dem Bericht war Fremdenfeindlichkeit das häufigste Motiv, gefolgt von Rassismus gegen Schwarze und Muslimfeindlichkeit. Im Vordergrund standen auch rassistische Vorfälle im öffentlichen Raum, bei Kontakten mit der Verwaltung und der Polizei sowie im Internet.

Ausländerfeindlichkeit als häufigstes Motiv

Hinter Diskriminierung stand mit 304 Fällen am häufigsten die Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit. Schwarze waren mit 206 Fällen am stärksten von Rassismus betroffen, gefolgt von Muslimfeindlichkeit mit 55 Meldungen in den Beratungsstellen.

Beschimpfung, Verleumdung und falsche Anschuldigungen kamen am meisten vor. Rassismus äusserte sich durch Ausgrenzung, Benachteiligungen und herabwürdigende Behandlung. Und am häufigsten wurde ein Zusammenwirken rassistischer Diskriminierung mit Diskriminierung aufgrund des Rechtsstatus, des Geschlechts und der sozialen Stellung genannt. Den Beratungsstellen wurden 49 Fälle körperlicher Gewalt gemeldet und 27 Mal rechtsextreme Propaganda.

Beleidigungen am Arbeitsplatz

Der Arbeitsplatz ist mit 95 gemeldeten Fällen der am stärksten betroffene Lebensbereich. Die Opfer berichten über Beleidigungen, abschätziges und respektloses Verhalten vonseiten der Teamkolleginnen und -kollegen oder Ungleichbehandlung durch Vorgesetzte.

In 72 Beratungsfällen wurden rassistische Vorfälle in der Nachbarschaft und im Quartier registriert, was auf die Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie zurückzuführen sei.

Suche nach Corona-Sündenböcken

«Die Beobachtungen in der Coronakrise zeigen uns einmal mehr, dass Ungewissheiten und Spannungen innerhalb der Gesellschaft zu Entgleisungen und zur Herabsetzung von Menschen führen können. Die Versuchung, einen Sündenbock zu suchen, ist in schwierigen Zeiten gross», heisst es im Bericht.

1995 trat die sogenannte Rassismusstrafnorm in Kraft. Seither macht sich strafbar, wer öffentlich gegen eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer «Rasse», Ethnie, Religion oder sexuellen Orientierung zu Hass oder zu Diskriminierung aufruft, öffentlich rassistische Ideologien verbreitet, rassistische Propagandaaktionen organisiert, fördert oder daran teilnimmt.

Strafbar nur im öffentlichen Raum

Strafbar macht sich ausserdem, wer öffentlich auf irgendeine Weise eine Person oder eine Gruppe von Personen herabsetzt oder diskriminiert oder Völkermord leugnet, verharmlost oder rechtfertigt, oder eine Leistung, die für die Allgemeinheit bestimmt ist, verweigert.

Der Bericht macht aber auch deutlich, dass nicht alle rassistischen Äusserungen und Handlungen strafbar sind. So erfasst die Strafnorm nur Äusserungen und Handlungen, die öffentlich gemacht wurden. Äusserungen und Handlungen im privaten Rahmen werden nicht erfasst.

SRF 4 News, 18.04.2021, 12.00 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
    Es gibt bei einem Teil der Bildungselite neu eine schamlose Hetze gegen "alte Weisse Männer" . Es werden Opfer- und Tätergruppen konstruiert, wie wir es in der Geschichte leider all zu oft erlebt haben. Eine moralische Verschiebung von der Individualschuld auf eine Erbschuld wird (wieder einmal) konstruiert und überraschenderweise unreflektiert akzeptiert. Hier müsste der Arm des Gesetzes und in erster Linie die Aufklärung greifen. Leider hinkt Gesellschaft der Wirklichkeit hinterher.
    1. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      Dierer Effekt fällt mir seit Anfang diesen Jahres ebenfalls auf. Und keine der linken Quellen kommt darauf, dass man hiermit selbiges tun. QED...
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Ich hatte eine Mitarbeiterin, POC, die kletterte auf der Karriereleiter ungehindert hoch, mit Unter 40 war sie Mitglied der Unternehmensleitung in einem 6T Mann Unternehmen. Niemand wagte es, der Frau irgendetwas zu sagen, weil das Kontern sofort kam: "Du sagst es nur, weil ich eine Frau bin und wegen meiner Hautfarbe". Da durften wir sogar wählen, ob wir Rassisten oder Frauenfeinde sind. Ja, Frauen auch. Denn sie hat diese Sätze so eingeprägt, sie hat den Text nicht mal bei Frauen angepasst...
    1. Antwort von Aaron Dettwiler  (Aaron1984)
      Nun, dann sollten wir uns aufhören zu rechtfertigen: "Ich bin also ein alter, weisser und privilegierter Mann? Gut so, Typen wie ich hatten immer das Sagen und wir gehören zu den erfolgreichsten Ländern der Welt. Never touch a running system!" Das wäre eine angemessene Reaktion auf die Statements der Dame. Natürlich ist der Spruch auch Quatsch,aber man signalisiert damit klar, dass man sich nicht von der Rassismuskeule einschüchtern lässt.
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Normalerweise sind es Führungspersonen die entscheiden ob jemand die nächste Stufe schafft. Wenn die Führung so schwach war, dass sie den "Zug" nicht aufhalten konnte obwohl die Person z.B. unfähig war, dann liegt es an der Führung und nicht an der Person. Aber vielleicht war die Person ja tatsächlich fähig?
  • Kommentar von Franco Caroselli  (FrancoCaroselli)
    Immer mehr bestätigt die Weisheit. „Reden ist Silber, schweigen ist Gold“ gegenüber Ethnien fremder Herkunft und Religionen. Wenn sogar Mimik, Gestik zu einem Rassismus Fall führen kann, mit gerichtlichen Folgen gar. Am Schluss sind all die Betroffenen Menschen so ausgegrenzt, weil niemand mit ihnen Ärger haben will. Ob das wirklich im Sinne der Betroffenen ist? Nun ja.