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Reform der Unternehmenssteuer Wenn einem Finanzdirektor der Kragen platzt

Legende: Audio Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler ist in Sorge abspielen. Laufzeit 01:40 Minuten.
01:40 min, aus HeuteMorgen vom 10.11.2017.
  • Im Dezember endet die Vernehmlassung für die Steuervorlage 17, doch zeigt sich bereits jetzt, dass die Fronten auch beim Nachfolgeprojekt der gescheiterten Unternehmenssteuerreform III verhärtet bleiben.
  • Namentlich Wirtschaftsverbände und der Gewerbeverband bekämpfen die neuen bundesrätlichen Vorschläge.
  • Jetzt ruft der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler den Gewerbeverband mit deutlichen Worten zur Ordnung. Sein Ton kommt dort gar nicht gut an.

Heinz Tännler von der SVP ist in Sorge: Er hat die Arbeiten für eine neue Steuervorlage 17 an vorderster Front mitgeprägt. Das jetzige Hauen und Stechen um das Projekt gefällt ihm gar nicht. Die Wirtschaft brauche möglichst schnell Rechtssicherheit.

Ich erachte diese Situation als gefährlich, wenn nicht sogar brandgefährlich.
Autor: Heinz TännlerZuger Finanzdirektor (SVP)

In einem Brief an alle Finanzdirektoren ruft Tännler seine Kollegen jetzt zur Geschlossenheit auf. Im Schreiben, das Radio SRF vorliegt, nimmt der SVP-Finanzdirektor aber auch den Gewerbeverband ins Visier.

Dessen Kritik an der Vorlage sei nicht basisdemokratisch, sondern von der Verbandspitze her erarbeitet worden, schreibt Tanner wörtlich.

Der neue Plan sei für die Wirtschaft nicht so schlecht, wie der Verband behaupte – im Gegenteil. «Wenn ich mit der Wirtschaft und ihren Verantwortungspersonen spreche, werden mir andere Signale zugesendet, als dies der Gewerbeverband tut.»

Es ist bezeichnend, dass Herr Tännler als Vertreter der Kantone zum Mittel der Diffamierung greifen muss.
Autor: Hans-Ulrich BiglerDirektor des Gewerbeverbands

Der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, Hans-Ulrich Bigler, gibt zurück: «Der Gewerbeverband hat sehr wohl basisdemokratisch eine Vernehmlassung durchgeführt: Der Tenor war eindeutig.» Eindeutig etwa gegen eine höhere Dividendenbesteuerung.

Reform wichtiger als Dividendenbesteuerung

Sowohl Verbandsdirektor Bigler als auch Finanzdirektor Tännler haben in dieser Frage Wirtschaftsverbände auf ihrer Seite: Für die Waadtländer Handelskammer hat eine zügige Umsetzung der neuen Steuervorlage 17 Priorität: «Diese Reform ist wichtiger als die Frage der Dividendenbesteuerung», sagt Guy-Philippe Bolay von der Waadtländer Handels- und Industriekammer, der Chambre Vaudoise de Commerce et de l’Industrie, auf Anfrage von Radio SRF. Auch wenn der Verband aus der Waadt die Erhöhung ausdrücklich bedauert und diese Steuerfrage lieber den Kantonen überlassen würde.

Auf der anderen Seite spricht sich etwa Swiss Family Business, die Interessenorganisation von Schweizer Familien- und inhabergeführten Unternehmen, wie der Schweizerische Gewerbeverband klar gegen die Erhöhung der Dividendenbesteuerung aus.

Der Konflikt um die neue Steuervorlage 17 geht weiter. Tännlers Appell nach einer möglichst raschen Einigung bleibt vorerst ein frommer Wunsch.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    der bund hat den auftrag, die dinge für die menschen im land verständlich zu halten. daher wäre es doch sinnvoll, diese steuervorlage einfach zu halten und nicht gleich vollzupacken mit potentiellen schlupflöchern für steueroptimierenden juristische personen. es geht doch primär darum, sich auf kurs zu bringen mit den OECD anforderungen. das heisst, die kantonalen steuerprivilegien für ausländische holdings abzuschaffen. darum die eile. eins ums andere. das ist, was ich verstanden habe....
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    steuerrabatte auf dividendenzahlungen: diese teilbesteuerung, warum immer diese steuergeschenke, abschaffen! oder auf mindestens 80% erhöhen. bei einer vollständigen abschaffung kämen bei bund und kantonen 1.1 - 1.2 Milliarden, bei einer erhöhung auf 80% immerhin noch 600-700 millionen chf zusammen. das zückerli 30 chf familienzulage mehr monat.
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    1. Antwort von Daniel Seiler (D. Seiler)
      Der Dividenden-Rabatt gilt nur für Beteiligungen von mindestens 10 Prozent. Ist also kein Rabatt für Superreiche, sondern für die Inhaber der KMUs. Zudem wurden die Dividenden bereits als Gewinn in der Firma versteuert und müssen bei Ausschüttung an den Patron eben nochmals zu 80 Prozent beim persönlichen Einkommen angerechnet werden. Die oft zitierten Superreichen besitzen selten Firmen zu mehr als 10 Prozent.
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      beteiligungen von mehr als 10%, hiesse haben vor allem KMU's. die reichen und superreichen und grosskonzerne haben keine solchen beteiligungen? oder habe ich sie falsch verstanden?
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    3. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Es ist einer der Pferdefuesse der ungezuegelten Marktwirtschaft, dass Firmen gar immer oefters von ihren Aktionaeren in die Pleite ausgepluendert werden. Damit die Profiteure nicht mit Pleite machen, sondern gar die bereits die viel zu massiv abgewucherten Dividenden behalten duerfen, gibts die juristischen Personen. Damit gibts zwei Steuersubjekte. Es steht jedem KMU frei, nur als ein Steuersubjekt Steuern zu sparen, aber nur mit persoenlicher Haftung fuer die Schulden bis zur Bahre....
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Den Reichen wird noch mehr gegeben und den Armen mehr genommen. Die Kleinen werden auch weiterhin für die Konzerne und Superreichen ihren Kopf bzw. ihre Steuergelder berappen müssen. Was haben wir nur für ein ungerechtes Steuersystem. Wann gibt es endlich mal Steuerentlastung für Minderbegüterte?
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