Reicht das Geld für den Ausstieg?

Den grossen Schweizer Energiekonzernen geht es seit Jahren schlecht. Die Angst geht um, dass dereinst das Geld nicht für Rückbau und Entsorgung Atomkraftwerke reicht. Der frühere deutsche Umweltminister Jürgen Trittin sieht die Finanzierung skeptisch.

Dampf stösst aus dem Kühlturm des AKW Gösgen.

Bildlegende: Der Atomausstieg: Ein kostspieliges Unterfangen mit einigen Variablen. Keystone

Die Schweiz sei vorbildlich, was die Struktur betrifft, sagt Jürgen Trittin, der die deutsche Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs leitet: «Die Schweiz hat gegenüber Deutschland einen strukturellen Vorteil durch die beiden Entsorgungsfonds – den Rückbaufonds und den Endlagerfonds, die in öffentlich-rechtlichem Besitz Gelder angesammelt haben.»

Unter öffentlicher Aufsicht sei das angesammelte Geld für Rückbau und Entsorgung sicherer als in den Büchern kriselnder Energieunternehmen selbst, ist Trittin überzeugt. Der frühere grüne Umweltminister in Deutschland setzt sich für die Äuffnung ähnlicher Fonds in seinem Land ein.

Fehlt am Ende schlicht das Geld?

Doch die Schweizer Fonds haben aus Trittins Sicht auch ein Problem: es kommt zu wenig Geld rein. Gemäss der letzten Schätzung von 2011 kosten Rückbau und Entsorgung der fünf Schweizer AKWs knapp 21 Milliarden Franken. Seit letztem Jahr verlangt das Bundesamt für Energie (BFE) von den Betreibern zwar 30 Prozent höhere Einzahlungen, weil es höhere Sicherheitskosten erwartet.

Aber auch das sei noch zu wenig, glaubt Trittin und stützt sich auf die Erfahrungen, die Deutschland mit ersten Stilllegungen gemacht hat: «Wenn man tatsächlich die Kosten abdeckt, ist das, was das BFE fordert, eher die unterste als die oberste Grenze. Ich vermute, es wird wahrscheinlich noch teurer werden.»

Schon bald wird man mehr wissen

Man rechne heute immer noch damit, dass die Fonds jedes Jahr 6 bis 8 Prozent Zins erwirtschaften. Das ist im aktuellen Umfeld jedoch eine Illusion. Reicht das Geld in den Fonds nicht, müssen am Schluss die Steuerzahler einspringen.

So weit wird es nicht kommen, glaubt Beat Bechtold, Geschäftsführer des Nuklearforums, eines kernenergiefreundlichen Interessenverbands: «Ausschliessen kann man nichts. Ich denke aber, dass das nicht passieren wird, weil man auf gutem Weg ist. Man hat die entsprechenden Verordnungen und Gesetze, die die Abfolgen genau regeln. Das soll auch mit der Kostenstudie gewährleistet werden.»

Ein bisschen Klarheit bringt wohl die nächste offizielle Schätzung der Kosten für Rückbau und Entsorgung der Schweizer Atomkraftwerke und die erscheint noch in diesem Jahr.