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Run auf den Waffenschein Freude am Schiessen

Immer mehr Schweizer bewaffnen sich, obwohl das Sicherheitsgefühl im Land hoch ist: Denn viele treibt nicht die Angst.

Legende: Audio Run auf den Waffenschein abspielen.
3:23 min, aus Rendez-vous vom 18.10.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der erteilten Waffenscheine steigt in der Schweiz stark an.
  • Eine Umfrage von Radio SRF zeigt, dass letztes Jahr in vielen Kantonen die Zahl zwischen 25 und 100 Prozent angestiegen ist. Auch die Zahlen für dieses Jahr bleiben hoch.
  • Experten beobachten, dass sich junge Männer immer stärker fürs Schiessen interessieren – auch wegen dem Konsum von Gewaltmedien.

Im Waffengeschäft Poyet in der Altstadt von Bern stehen Jagd- und Sturmgewehre aufgereiht an der Wand. In der Glasvitrine der Theke sind Revolver und Handpistolen ausgestellt. Gaston Poyet hat seit ein paar Jahren wieder mehr Kundschaft.

Die neuen Kunden sind weder Jäger noch Sportschützen, meist jüngere Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Sie kaufen moderne Waffen wie Beretta, Ruger, Colt oder Glock. Die benützt man in Schiesskellern, nicht in den Schützenvereinen, weil sie nicht für Wettkämpfe zugelassen sind.

Es kommen immer mehr Leute, die vielleicht ab und zu in einen Schiesskeller gehen. Ein neues Hobby. Viele von ihnen geben das Hobby nach kurzer Zeit wieder auf.
Autor: Gaston PoyetInhaber des Waffengeschäftes Poyet
Gaston Poyet, Inhaber von Poyet Waffen in Bern.
Legende: Viele junge Männer hätten im Schiessen ein neues Hobby entdeckt, beobachtet Poyet. SRF/Priscilla Imboden

Verkäufe seit zwei Jahren angestiegen

Diese Beobachtung teilt Daniel Wyss. Der Burgdorfer ist Präsident des Schweizerischen Büchsenmacher- und Waffenfachhändlerverbandes. Dass die Kantone zweistellige Anstiege bei den Waffenerwerbsscheinen vermelden, erstaunt ihn nicht.

In den letzten zwei Jahren seien die Verkäufe deutlich angestiegen, sagt er.

Die meisten Kollegen merken das. Nur jene, die nur Jagd- oder Sportwaffen verkaufen nicht. Aber die, die wie wir verschiedenste Waffen verkaufen, verzeichnen in fast allen Kantonen eine Zunahme.
Autor: Daniel WyssPräsident des Büchsenmacher- und Waffenhändlervereins
Daniel Wyss, Präsident des Büchsenmacher- und Waffenhändlervereins
Legende: Daniel Wyss überrascht der Run auf Waffen nicht. SRF/Priscilla Imboden

Nicht aus Angst

2016 hat sich die Zahl der Waffenerwerbsscheine im Kanton Zürich mehr als verdoppelt. Sie bleibt dieses Jahr auf ähnlichem Niveau, teilt die Kantonspolizei mit. Im Kanton Aargau stieg die Zahl um 44 Prozent, in Bern und St. Gallen um 26 Prozent an.

Eine gängige Erklärung für diese Zunahme ist, dass die Leute Angst haben und sich verteidigen wollen. Aber Untersuchungen zeigen, dass sich die Menschen in der Schweiz in den letzten Jahren stets sicherer fühlten.

Laut Robin Udry, Generalsekretär der Waffenbesitzerlobby Pro Tell, geht es den neuen Käufern vor allem um die Freude am Schiesssport.

Das sind meiner Meinung nach Menschen, die neu Waffen kaufen, weil es ihr Recht ist. Sie haben Freude am Schiesssport, finden ihn interessant, weil es Geschicklichkeit und Konzentration bedingt.
Autor: Robin UdryGeneralsekretär von Pro Tell

Videospiele als Inspiration

Waffenhändler Wyss sagt wie Poyet, dass es vor allem jüngere Männer seien, die zur neuen Kundschaft gehörten. Eine Faszination mit Schiesswaffen sei bei diesen durchaus zu beobachten, sagt Dirk Baier, Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention der Fachhochschule Zürich. Diese Faszination werde unter anderem durch intensiven Gewaltmedienkonsum genährt.

Wir wissen von jungen Männern, dass sie zu fünfzig Prozent und mehr Gewaltspiele spielen und da wird eine Affinität zu Waffen aufgebaut. Und die will man irgendwann auch echt probieren. Da legt man sich Schusswaffen zu.
Autor: Dirk BaierFachhochschule Zürich

Gehen diese Männer behutsam und professionell mit ihren Waffen um, so bestehe kein Problem, sagt Baier. Er vermutet aber, dass es eben diese Bevölkerungsgruppe nicht so genau nimmt mit den Regeln im Waffenrecht, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Schiesswaffen garantieren sollen: «Dahinter könnte ein gesellschaftliches Problem stecken.»

Bis jetzt gebe es keine wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Gründen hinter dem Anstieg der Waffenerwerbsscheine, erklärt Baier. Genauere Erkenntnisse dazu seien aber notwendig.

Legende:
Prozentualer Anstieg der Waffenerwerbsscheine Anstieg an erteilten Waffenerwerbsscheinen in ausgewählten Kantonen im Vergleich 2016 zu 2015 (Waadt 2015 zu 2014), Quelle: Kantonspolizeien Kantonspolizeien

14 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Brammertz (Politphilosoph)
    Die Bezeichnung Pro Lucky Luke wäre wohl zutreffender, denn die von diesem Verein benutzen Waffen haben mit Wilhelm Tell überhaupt nichts zu tun!
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  • Kommentar von Urs Graf (U.G)
    ich kenne einige Leute die Waffen besitzen und/oder schiessen als ihr Hobby haben. Aber KEIN EINZIGER spielt Gewaltspiele! Die Sichtweise von Dirk Baier, Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention scheint mir doch sehr einseitig zu sein> Tunnelblick? Die permanente unterschwellige Klassifizierung und Vorverurteilung von anständigen Waffenbesitzern finde ich echt unangebracht. Zumal viele nur Stammtisch und Mainstream Meinungen und Wissen haben
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      gU.G. : dirk baier bezieht sich hier auf die 'neue kundschaft'. diejenigen, die sie wohl meinen gehören nicht zu dieser gruppe oder sehen sie das anders?
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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    Ich vermute mal das gewisse Online Spiele als Ursprung dienen,warum so mancher Schweizer sich eine Waffe zulegen möchte.Mir stellts sich da nur die Frage, wieso muss es gleich eine Waffe sein, die in "falschen Händen" nur unermessliches Leid für die Angehörigen mit sich bringt? wieso nicht z.B eine Arnbrust, oder eine Wasserpistole, oder fühlt sich da so mancher Mann nicht "bestätigt" in der Gesellschaft? Kopfschüttel
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