Nach Zugentgleisung in Luzern Schäden an den Bahnanlagen sind grösser als angenommen

Es braucht 400 Meter neues Gleis, der Verkehr bleibt bis Sonntag unterbrochen. Die aktuellen Infos zur Zugentgleisung.

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Fünf Tage ohne Bahnanschluss

5:34 min, aus Schweiz aktuell vom 23.3.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach der Zugentgleisung am Mittwoch bleibt der Bahnverkehr von und zum Bahnhof Luzern bis und mit Sonntag unterbrochen.
  • Der Bahnhof soll voraussichtlich am Montag wieder den Normalbetrieb aufnehmen können.
  • Die Schäden an den Bahnanlagen sind nach Angaben der SBB grösser als bisher angenommen. Etliche Weichen müssten komplett ausgewechselt werden.
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«Die Schäden sind enorm»

1:25 min, aus Tagesschau am Mittag vom 23.3.2017

Es sei viel Infrastruktur kaputt gegangen, sagt Toni Häne, Verkehrschef der SBB, gegenüber Radio SRF. «Etwa 400 Meter Gleis müssen neu gebaut, vier Weichen komplett ersetzt und zwei Fahrleitungsmasten neu aufgebaut werden.» Auch 200 Tonnen Schotter müssen neu in die Geleise verbaut werden.

Zug sprang aus den Schienen

Bei dem Unfall kurz vor 14 Uhr am Mittwochnachmittag waren einige Waggons des EuroCity 158 von Basel nach Mailand aus den Schienen gesprungen – ausgerechnet an einem Engpass, an dem die meisten Linien von und nach Luzern zusammenkommen.

Entsprechend wurde fast der gesamte Bahnverkehr blockiert. Ein Wagen kippte zur Seite. Das Dach wurde aufgeschlitzt und die Stromleitung heruntergerissen. Die Stromversorgung im Bahnhof Luzern wurde dadurch unterbrochen.

Die Sozialen Medien wussten es zuerst

Weil die eingeschlossenen Passagiere sofort nach dem Unfall Bilder auf den Sozialen Medien posteten, wussten die SBB sehr schnell, wie es im Innern der Züge aussah. «Lange bevor die Sicherheitskräfte in die Züge kamen und sich ein Bild vor Ort machen konnten», sagt Häne.

Entgleister Neigezug in Luzern

Die Bergung der 160 Passagiere verlief relativ einfach, weil der entgleiste Zug leicht zu erreichen war. Die Passagiere hätten den Rettungskräften durch die Scheiben mit dem «Daumen nach oben» signalisieren können, dass nichts Schlimmeres passiert sei, sagte Kurt Graf, Sprecher der Luzerner Polizei.

Beim Unglück zogen sich sechs Personen Prellungen und Schürfungen zu. Alle verletzten Personen hätten aber nach ambulanter Behandlung aus dem Spital entlassen werden können.

Pendler organisierten sich via Twitter

Noch immer verkehren die Züge nur bis zu den Luzerner Vororten. Von dort werden Busse eingesetzt. Zwar arbeite man mit Hochdruck rund um die Uhr. Trotzdem rechnet Häne damit, dass die Arbeiten bis Sonntag dauern. Pendler müssten deshalb deutlich mehr Reisezeit einberechnen.

«  Wir Eisenbähnler machen Punkto Sicherheit nie Kompromisse. Das ist uns im Blut. »

Toni Häne
Verkehrschef der SBB

Ihre Heimreise dauerte bereits am Mittwochabend erheblich länger als sonst. Einige Pendler organisierten sich via Twitter und beschafften sich so Mitfahrgelegenheiten in Autos (Suchwort/Hashtag #mitfahrenluzern). Die SBB riet von Reisen von und nach Luzern ab.

Ermittlungen laufen

Dass der Unfall wegen mangelndem Unterhalt der Infrastruktur passierte, wie der SBB häufig vorgeworfen wird, glaubt Häne nicht.

Die Gleise würden periodisch kontrolliert. Je mehr Belastung, desto häufiger, sagt Häne. «Wir Eisenbähnler machen Punkto Sicherheit nie Kompromisse. Das ist uns im Blut.» Die Untersuchung zur Unfallursache wird es zeigen. Am Donnerstag war noch nichts weiter dazu bekannt.

Verkehrsinfos

Aktuellste Infos der SBB auf www.sbb.ch/166.

Wieder offen

Seit 5 Uhr wieder ohne Einschränkungen fahren kann dagegen die Zentralbahn. Die Züge der ZB verkehren ab sofort wieder gemäss Fahrplan. (SBB-Blog)

#MitfahrenLuzern

Radio SRF 3 lancierte nach dem Unfall im Bahnhof Luzern den Hashtag #MitfahrenLuzern. Seither wurden Hunderte Tweets zu Mitfahrgelegenheiten abgesetzt. Mehr.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Millionenschaden und Notregime in Luzern

    Aus Tagesschau vom 23.3.2017

    Nach der Entgleisung des Eurocity-Zugs bleibt der Luzerner Bahnhof bis mindestens Sonntagabend mehrheitlich lahmgelegt. Die entstandenen Schäden sind grösser als vorerst angenommen und bewegen sich in Millionenhöhe. Busse ersetzen die Züge.