Schokoladen-Streit mit Lindt

Dreister Ideen-Klau von Lindt&Sprüngli: Ja oder Nein? Für einen Schweizer liegt die Sache auf der Hand. Er sieht sich um seine Erfindung einer versendbaren Schokolade geprellt (vgl. auch redaktionelle Präzisierung im Anschluss dieses Textes).

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Streit um Schoggi

9:45 min, aus Rundschau vom 15.5.2013

Die Erfindung seines Lebens glaubte Markus Hess aus Eglisau (ZH) gemacht zu haben. Die Betonung liegt auf glaubte. Denn seine Idee, Schokolade als Brief zu verschicken, wird mittlerweile gnadenlos kopiert – und das von niemand geringerem als dem Schoggi-Schwergewicht Lindt.

An und für sich ist die Idee, Schokolade als Brief zu verschicken so neu nicht. Doch Hess hatte sich eine Besonderheit einfallen lassen: Eine Klappe an der Verpackung, mit der der Text zugedeckt wird. So bleibt das Briefgeheimnis gewahrt.

Diese technische Neuerung hat Hess als Patent angemeldet. Auch hat er eine speziell dunkle Schokoladenart entwickelt, die bei sommerlichen Temperaturen weniger schnell schmilzt. Eine Tafel wiegt nur 78 Gramm und kann so für einen Franken als A-Post verschickt werden. Alles perfekt ausgeklügelt.

Kopierte Lindt den Schoggi-Brief?

Der Schokoladenkonzern Lindt&Sprüngli lud den Erfinder Hess zwecks Zusammenarbeit in die Zentrale nach Kilchberg ein. «Das Gespräch verlief in hervorragender Atmosphäre», sagt Hess gegenüber der «Rundschau».

Doch beim Gespräch blieb es dann auch. Stattdessen entwickelte Lindt eine eigene Brief-Schokolade mit der Bezeichnung «Maître Mail». Selbst die Klappe, die man beschriften kann, sieht gleich aus wie die Erfindung von Markus Hess.

«Das war für mich ein Schock», sagt Hess im «Rundschau»-Interview. «Mit partnerschaftlicher Zusammenarbeit hat das nichts zu tun.» Ein Vorwurf, den Lindt nicht auf sich sitzen lässt: «Bei ‹Maître Mail› von Lindt werden Schokoladentafeln in einen Versandkarton eingelegt, der kein einziges wesentliches Merkmal des Patentanspruchs von Herrn Hess aufweist.»

Präzisierung

Im Beitrag zum Thema Schokoladenstreit mit Lindt vom 15. Mai 2013 wird neben anderen zweimal eine mutmasslich patentverletzende Verpackung mit der Aufschrift «Frohes Fest» gezeigt. Obwohl der Schriftzug Lindt darauf steht und auch der Inhalt von Lindt stammt, hat sich im Nachgang zur Sendung gezeigt, dass Lindt bei diesem Beispiel weder Absender noch Auftraggeber ist. Ein deutscher Vertrieb hat das Produkt in eigener Verantwortung und ohne Einwilligung von Lindt& Sprüngli so verpackt und beschriftet.