Schuldenkrise: Der Gewinner ist der Schweizer Konsument

Während die Griechen um ihre Existenz kämpfen, können sich die Schweizer freuen. Sie sind Profiteure der Eurokrise. Die Rechnung für den Wohlstand kommt aber später.

Kunden mit Einkaufswagen in einem Shoppingcenter.

Bildlegende: Der Einkauf im grenznahen Ausland ist bei Schweizern hoch im Kurs. Keystone

Seit fünf Jahren hängt Griechenland am Tropf der EU. Milliarden Hilfszahlungen wurden hin und her verschoben und Garantien gesprochen. Gläubiger sind primär die Staaten der EU und der Internationale Währungsfonds IWF.

Spurlos geht die Schuldenkrise aber auch nicht an der Schweiz vorbei. Lag der Euro-Franken-Wechselkurs bei Ausbruch der Krise im März 2010 noch bei 1,5120, sank er in der Folge kontinuierlich bis fast zur Parität im Sommer 2011.

Einkaufstouristen rieben sich die Hände. Knapp einen Monat nach dem Währungsschock reagierte die Schweizer Nationalbank und führte im September 2011 den fixen Euro-Franken-Wechselkurs von 1.20 ein. Diesen verteidigte die SNB mit allen Mitteln bis zum 15. Januar dieses Jahres.

«  Die Gewinner der Krise sind die Schweizer Konsumenten. »

Klaus Wellershoff
Ökonom und Unternehmensberater

Während der Frankenschock bei der Exportwirtschaft und in der Tourismusbranche ein mittleres Beben auslöst, kann sich der Schweizer Konsument freuen. «Er ist der eigentliche Gewinner der Schuldenkrise», sagt der Ökonom und Unternehmensberater Klaus Wellershoff.

«Auf einen Schlag wurden Importgüter, wie beispielsweise Autos oder Elektronikartikel, um rund 20 Prozent günstiger.» Die Tiefzinspolitik habe in der Immobilienbranche einen regelrechten Boom ausgelöst. Auch Mieter zählten zu den Profiteuren. Seit 1. Juni 2015 liegt der Referenzzinssatz auf rekordtiefen 1,75 Prozent.

Die Rechnung kommt später

Der unverhoffte Wohlstand habe aber auch eine Kehrseite, so Wellershoff. Angesichts der anhaltenden Schuldenkrise gewann der ohnehin schon attraktive Schweizer Franken weiter an Bedeutung. «Die Bilanz der SNB ist um rund 400 Milliarden Franken gewachsen und ist jetzt fast so gross wie das Bruttoinlandprodukt der Schweiz.» Die Folge der aufgeblähten Geldmengen: Kaum noch Renditen auf Spareinlagen und geringere Ertragslage bei Pensionskassen als Konsequenz der Negativzinspolitik der SNB. Weiter sei mit steigenden Preisen für Immobilen zu rechnen.

Zudem würde der Druck auf den Wirtschaftsstandort Schweiz weiter ansteigen. Dazu kämen aber auch noch subjektive Faktoren wie etwa die zunehmende Angst um Arbeitsplätze. Es scheint, als ob die Schweiz die Zeche der Schuldenkrise erst später zahlen müsse.

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