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Homeschooling bedroht die Chancengleichheit
Aus 10vor10 vom 26.03.2020.
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Schule in der Corona-Krise Die Situation belastet die schwächeren Schüler mehr

Seit fast zwei Wochen sind die Schulen geschlossen, der Unterricht geht zuhause weiter. Das hat nicht für alle Schüler die gleichen Auswirkungen.

Schon bevor der Bundesrat am 13. März erlassen hatte, dass die Schulen geschlossen werden, haben die Lehrpersonen vermutet, dass sie sich bald auf eine neue Unterrichtsform einstellen müssen.

Ich hatte das Glück, dass ich meine Schüler noch am Freitagnachmittag gesehen habe, so konnte ich ihnen noch Material mit nach Hause geben.
Autor: Dave SchmidRealschullehrer im Aargau

Der junge Aargauer Realschullehrer Dave Schmid beschreibt die Situation: «Ich hatte das Glück, dass ich meine Schüler noch am Freitagnachmittag gesehen habe, so konnte ich ihnen noch Material mit nach Hause geben.» Er unterrichtet zwölf Schülerinnen und Schüler, die zwischen 13 und 15 Jahre alt sind und nächstes Jahr die obligatorische Schulzeit abschliessen.

Inzwischen haben die Schüler einzeln Unterrichtsmaterial in der Schule abgeholt und Schmid überprüft regelmässig, dass sie die Aufgaben lösen. Die Schüler können ihn immer telefonisch erreichen, falls sie Fragen haben. «Es ist sicher einfacher mit den Schülern zu arbeiten, wenn sie im Klassenzimmer sind. Für sie ist die Hemmschwelle niedriger, einfach die Hand aufzuhalten, wenn sie etwas nicht verstanden haben», meint der Lehrer.

Jetzt sind Lehrpersonen noch mehr gefordert

Für einige Schüler ist die Lehrperson die einzige Anlaufstelle im schulischen Lernprozess. Zuhause sind die Eltern entweder nicht mit der Sprache oder dem Schulsystem vertraut oder haben keine Kapazität, die Schüler neben der Arbeit zu unterstützen. Im Klassenzimmer können diese Unterschiede abgeschwächt werden.

Diese Unterschiede gibt es aber auch während des normalen Schulbetriebs, weiss der Erziehungswissenschaftler Urs Moser.

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Erziehungswissenschaftler Urs Moser: «Die Lehrpersonen haben es in der Hand.»
Aus News-Clip vom 26.03.2020.
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Denn gemäss Studien gibt es in der Schweiz einen starken Zusammenhang zwischen der Herkunft und dem Erfolg in der Schule. Im internationalen Vergleich sei die Schweiz hier ein Spitzenreiter.

Jetzt fällt das Klassenzimmer weg und die Schüler und Schülerinnen sind auf sich selbst gestellt. Der Wissenschaftler appelliert in dieser Situation an die Unterrichtenden: «Die Lehrpersonen haben es in der Hand. Der Distanzunterricht muss organisiert und die Kommunikation aufrechterhalten werden. Die Aufträge müssen sinnvoll sein und müssen auch von den Schülerinnen und Schülern als sinnvoll beurteilt werden, damit sie motiviert sind. Das ist eine spezielle Herausforderung.»

Nicht alle Schüler haben die gleichen Chancen

Doch die Gefahr, dass einige Schülerinnen und Schüler abgehängt werden, ist jetzt besonders gross. Das weiss auch die Generalsekretärin des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, Franziska Peterhans. Heute sei es besonders schwierig, dass alle Schülerinnen und Schüler abgeholt werden.

Das ist eine ganz schwierige Situation.
Autor: Franziska PeterhansGeneralsekretärin des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz

Grosse Sorgen bereiten ihr im Speziellen Dave Schmids Schüler, die heute eine Schnupperlehre machen sollten, und die sich mit dem Zeugnis dieses Sommers bewerben müssen: «Das ist eine ganz schwierige Situation. Die sollten jetzt eigentlich schnuppern, sich um Lehrstellen bewerben und langsam eine Zusage bekommen. Und die können jetzt im Moment nicht viel machen. Für diese müssen wir uns nachher sehr engagieren, damit es für jeden Jugendlichen einer Abschlussklasse eine gute Anschlusslösung gibt.»

10vor10, 26.03.20

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Fabian Risi  (Fabian Risi)
    Ich gebe hier einen Denkanstoss:
    Die heutige Schule kann froh um den heutigen Stand der Technik sein, vor 10!!! Jahren wäre das so wie jetzt nie möglich gewesen!
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    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Ich gebe hier auch einen Denkanstoss: Bereits schon während der Berufslehre oder dem Studium, geschweige denn in 100 Jahren würde kein Vogel mehr danach fragen, ob die Schweizer Jugend irgendwann ein Schuljahr wiederholt hat oder nicht.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Mit Verlaub: Quatsch. Australien praktiziert Fernunterricht im Down Under seit Jahrzehnten.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Einmal mehr appelliere ich an die Gesellschaft, mit der zwanghaften Gleichmacherei aufzuhören und den Tatsachen endlich ins Auge zu schauen: Es gibt Schüler, die es schwieriger haben, Punkt. Es war ein Riesenfehler, diese in die Regelklasse einzubinden. Diese Schüler sollten separate Klassen bilden und in einem mässigen Tempo vorwärts gehen. Aber nein, Gleichstellung kommt gut, enorme Resourcen darin gebunden, und es führt einfach nirgendwohin. Notbremse ziehen, B-Klassen errichten.
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  • Kommentar von Paul Berger  (PB)
    Als Sek 1 Volksschule-LP habe ich sofort gemerkt, dass der Fernunterricht viele Fragen aufwerfen wird, vor allem die von der Strukturierung des Tages/Woche/Unterricht für Kinder und Eltern, die wir als Lehrpersonen leisten müss(t)en. Hierzu könnte die Anleitung zu Grundsätzen und Verbindlichkeiten und Unterrichtsqualität helfen, sich über ein paar wichtige Sachen Klarheit zu verschaffen (youtube: Fernunterricht Paul Berger) Ich hoffe, es hilft.
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