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Schweiz Schweizer Stauseen für deutschen Öko-Strom

Solar- und Windenergie aus Baden-Württemberg für die Schweiz – und umgekehrt Strom aus Wasserkraft vom Berner Oberland in Richtung Stuttgart. Das könnte Teil der schweizerisch-deutschen Energiezukunft sein.

Ein Landvorsprung in einem Bergsee
Legende: Soll die Schweizer Landschaft als Speicher für deutschen Öko-Strom herhalten? Keystone

Manchmal gehen Politiker bei Auslandbesuchen richtig in die Tiefe: 50 Meter unter dem Grimselsee. Gestern trafen sich Spitzenvertreter der baden-württembergischen und schweizerischen Energie-Behörden auf der Grimsel – um Visionen der schweizerisch-deutschen Energiezukunft auszuloten.

Vertreter der Kraftwerke Oberhasli und des Bundesamtes für Energie führen die hohen Gäste aus Süddeutschland durch das weitverzweigte Tunnelsystem tief unter dem Grimselstausee und in die Maschinenräume der Pumpspeicherkraftwerke.

Misstrauen der Umweltschützer

In Pumpspeicherwerken wird Wasser von unten nach oben gepumpt, dort in Stauseen gespeichert und erst wieder bergab über Turbinen geleitet, wenn Strom wirklich benötigt wird. Viele Umweltschützer lehnen diese Art der Speicherung ab, weil das Pumpen sehr energieintensiv ist und die Speicherseen Landschaften verändern.

In Baden-Württemberg sind die Grünen die stärkste Partei. Umweltminister Franz Untersteller sagt: «Mir ist klar, dass solche Projekte massive Eingriffe in die Landschaft sind. Aber ich kann nicht erkennen, wie wir in dieser Situation, in der wir immer stärker auf volatile Energien setzen, auf Pumpspeicherkraftwerke verzichten können.» Volatil sind zum Beispiel Solar- oder Windkraft. Strom gibt es nur, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht.

Noch ist es Zukunftsmusik

Die grün-rote Regierung in Baden-Württemberg setzt sehr stark auf erneuerbare Energien. So stark, dass bereits heute an sonnigen Tagen mehr als genug Solarenergie produziert wird. Den Überschuss könnte man in die Schweiz exportieren, um Pumpspeicherwerke anzutreiben und Strom von dort zu beziehen, wenn es dunkel und windstill ist. Walter Steinmann, dem Direktor des Bundesamtes für Energie, leuchtet diese Idee ein: Die volatile Energie müsse gespeichert werden. «Wir haben eine Chance, die umliegenden Länder mittelfristig mit Energie versorgen zu können.»

Noch ist das Zukunftsmusik. Zuerst müssten grenzüberschreitende Leitungsnetze massiv ausgebaut werden. Der Wille zu stärkerer Zusammenarbeit aber besteht – im grün-roten Baden-Württemberg und in der bürgerlich dominierten Schweiz.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    In der BRD subventionierte Fotovoltaik trieb Bauern dazu, Nahrungsmittelanbauflächen mit billigen, vom chinesischen Staat subv. Produkten voll zu pflanzen. Daraufhin ging die de. Solarbranche pleite. Der Steuerzahler zahlt Subventionen, um die hiesigen Unternehmer zu bankrottieren? Und nun soll das Ergebnis in Form der Überproduktion von Pumpspeichern sinnlos mit Energieverlusten kompensiert werden? Wg. der E-Konzerne gibt es keine effizienten Privatspeicher ohne Subventionen, nur Batterien!
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    20.7."Über 100‘000 künstl.Hindernisse für Fische in der CH.Die Tiere können sich deshalb oft nicht in kühlere Seitengewässer zurückziehen"Opt.+geräuschm.lästige Windräder,"sauberer"Strom nach solch gigant.Aufwand,bei dem in Eu 1000e Betonsockel von bis zu 700t+45m Höhe in den Meeresboden od.aufs Land gepflanzt,darauf 60-100m Türme à 80-120t geschraubt,mit Rotoren von ca.70m Durchm.versehen,meist Atommüll produzierend angetrieben werden?Einzige Lösung Stopp der Wirtsch'diktatur+Überbevölkerung.
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  • Kommentar von Armin Bühler, Chur
    Welche Zukunftsmusik? Tatsächlich importiert und exportiert die Schweiz gemäss BFE bereits seit Jahren mehr Strom als sie selbst verbraucht. Wenn das seit Jahren mehrheitlich problemlos mit Kohle- und Atomstrom geht, dann geht das zukünftig auch mit erneuerbaren Strom. (Den Stromleitungen ist es egal, ob der über die Grenzen fliessende Strom ursprünglich in einem Kohle-, Atom- oder erneuerbaren Kraftwerk generiert wurde.)
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