Sechs Fakten, die Sie über die Axenstrasse wissen müssen

Der Bund möchte am Urnersee zwischen Schwyz und Uri die Neue Axenstrasse bauen. Vor Ort wehren sich Gegner seit Jahrzehnten gegen das Projekt. Für alle, die bei diesem Konflikt die Übersicht verloren haben: Hier die wichtigsten Fakten zur Axenstrasse.

Wo ist die Axenstrasse?

Die Axenstrasse ist an der Grenze zwischen den Kantonen Uri und Schwyz am Urnersee, der Teil des Vierwaldstättersees ist. Gut möglich, dass Sie auch schon auf der Strasse unterwegs waren, denn: Wer mit dem Auto von Zürich ins Tessin fährt, fährt über die Axenstrasse.

Sie ist acht Kilometer lang und verbindet die Orte Brunnen (SZ) und Flüelen (UR). Ist die Strecke gesperrt, dauert die Fahrt zwischen den beiden Orten nicht 15 Minuten sondern eine Stunde länger. Dies war letztmals 1992 für acht Monate der Fall.

Was ist dort geplant und warum?

Eine Visualisierung des Gebiets

Bildlegende: Rot: Die geplante Umfahrung – unterteilt in zwei neue Tunnels Kt. Schwyz

Die Axenstrasse soll entlastet werden, indem eine Umfahrungsstrasse – die Neue Axenstrasse mit zwei Tunnel gebaut wird. Befürworter führen vier Argumente dafür auf:

  • Felsstürze gefährden die Sicherheit
  • Die Axenstrasse müsse als Ausweichroute für die Seelisbergtunnels A2 verfügbar sein
  • Eine Umfahrung würde das Dorf Sisikon vom Durchfahrtsverkehr befreien
  • Die bestehende Strasse könnte für den Langsamverkehr optimiert werden
Ein Foto vom Urnersee mit Hang

Bildlegende: Der Morschachertunnel ist der Zankapfel: Gegner wollen verhindern, dass er gebaut wird. Foto: Kt. Schwyz, Visualisierung: SRF

Wieso regt sich dagegen Widerstand?

Die Gegner befürchten einen Ausbau der Kapazität – also mehr Verkehr und finden das Projekt mit 1,2 Milliarden Fr. zu teuer.

Sie argumentieren, dass kein Problem wegen erhöhter Naturgefahren bestehe und möchten nichts vom Morschacher Tunnel wissen. Gegen den Sisikoner Tunnel, der das Dorf Sisikon vom Verkehr befreien soll, haben sie nichts. Wie viel diese Variante kosten würde, ist unklar.

Von wem kommt er?

Im Komitee «Axen vors Volk» sind vorwiegend links-grüne Politiker und Vertreter der Alpeninitiative vertreten. Sie haben am 10. April 2015 eine Initiative im Kanton Schwyz eingereicht.

Im Kantons- und Nationalrat gab es aber auch von Exponenten der SVP, FDP und CVP immer wieder Vorstösse gegen das Vorhaben.

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Ausbau Axenstrasse

7:36 min, aus Schweiz aktuell vom 10.4.2015

Aus rechtlicher Sicht könnte die Strasse aber auch gebaut werden, wenn das Schwyzer Stimmvolk die Initiative der Gegner annimmt. Denn zuständig ist nicht der Kanton, sondern der Bund.

Wie viel Verkehr gibt es auf der Axenstrasse?

Das Verkehrsaufkommen nimmt schweizweit jährlich um einige Prozent zu. Die Axenstrasse ist da keine Ausnahme. Doch die Anzahl der Durchfahrten ist seit 1990 nur unterdurchschnittlich gestiegen.

Durchfahrten Axenstrasse

Das «Amt für Betrieb Nationalstrassen» des Kanton Uri ist sechs Wochen pro Jahr mit der Reinigung der Strasse und deren Sicherung beschäftigt. Dass Steine bis auf die Strasse gelangen sei «wirklich selten», äussert sich Werner Furrer, Leiter des Amts gegenüber SRF News. Die Geschichte zeigt: Dies ist schon vorgekommen.

Was geschah bisher?

1865: Die Axenstrasse wird fertiggestellt und für den Verkehr geöffnet.
1960: Die Strasse wird zur Nationalstrasse und wechselt in den Besitz des Bundes.
1984: Wegen eines Felssturzes bleibt die Strasse mehrere Woche gesperrt.
1991: Die Strasse wird verbreitert, erhält einen Fuss- und Radweg.
Sie wird zusätzlich gegen Steinschlag und Lawinen gesichert.
1992: Wegen Felssturzgefahr wird die Strasse acht Monate gesperrt.
Ein 260 Meter langer Tunnel wird gebaut.
1994: Ein erstes Projekt «Fronalp Tunnel» zum Umfahrung der Axenstrasse liegt vor. Der Bundesrat genehmigt dieses, aber die Schwyzer Regierung lehnt es ab.
1999: Der Bund und die Kantone beginnen von vorne und prüfen neue Varianten.
2007: Das definitive neue Projekt mit zwei Tunnel liegt vor. Die Kantone legen es dem Bundesrat zur Prüfung vor.
2008: Gegner des Prjoekts gründen das Komitee gegen die Neue Axenstrasse.
2009: Der Bundesrat genehmigt das Projekt. Es wird weiter ausgearbeitet.
Die Gegner werden aktiv und reichen diverse Vorstösse in den Parlamenten ein.
2010: Der Schwyzer Kantonsrat spricht sich erneut gegen die neue Strasse aus.
2012: Die vier Kantonsräte Andreas Marty (SP), Xaver Schuler (SVP), Peter Steinegger (CVP) und Rolf Bolfing (FDP) verlangen in einer Motion den Stopp des Projekts.
2013: Die Regierung erklärt, die Motion sei nicht gültig, weil der Kanton nicht verantwortlich sei, da die Strasse dem Bund gehört. Der Kantonsrat stützt ihn.
2014: Das Komitee «Axen vors Volk» lanciert im Kanton Schwyz ihre Initiative. Zusätzlich werden im gleichen Jahr 57 Einsprachen gegen das Projekt eingelegt.
2015: Demnächst wird der Nationalrat über die von Andy Tschümperlin (SP) eingereichte Motion «Planungsstopp am Morschacher Tunnel» diskutieren, die von SVP-Nationalrat Pirmin Schwander mitunterzeichnet wurde.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Axenstrasse soll vors Volk

    Aus 10vor10 vom 9.4.2015

    Die Axenstrasse hat für die Schweiz eine besondere Bedeutung. Im Kanton Schwyz wird seit Jahren über Sanierungs- und Ausbaupläne gestritten. Auch jetzt noch, wo das 1,2-Milliarden-Sanierungsprojekt auf dem Tisch liegt und der Bund 94 Prozent der Kosten übernehmen will. Die Gegner wollen vom geplanten trotzdem Ausbau nichts wissen.

  • Neubau der Axenstrasse

    Aus Tagesschau vom 25.5.2013

    Der Bund will die Axenstrasse zwischen Schwyz und Uri neu bauen. Die neue Strasse soll 740 Millionen Franken kosten und 2025 eröffnet werden. Doch das Projekt ist vor allem im Kanton Schwyz umstritten.