«Sehr viele Leute im Einsatz»

Viele Ortschaften im Emmental hatten mit dem schweren Unwetter vom Donnerstag zu kämpfen. Besonders hart traf es die Region um das 900-Einwohner-Dorf Schangnau, das von der Emme unter Wasser gesetzt wurde. Nun räumt das Dorf auf – ein langwieriger Prozess, sagt Gemeindepräsident Ueli Gfeller.

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Aufräumen nach der Flut

3:25 min, aus Schweiz aktuell vom 25.7.2014


Alle packen an bei den Aufräumarbeiten

5:00 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 25.07.2014

Im oberen Emmental haben viele Ortschaften beim schweren Unwetter am Donnerstag Schaden davongetragen. Besonders hart traf es die ländliche Region um Schangnau, ein idyllisches Dorf zwischen felsigen Bergen, sattgrünen Hügeln und dunklen Tannenwäldern. Hier traten innert kurzer Zeit die Emme und der Dorfbach über die Ufer – die 900-Einwohner-Gemeinde steht unter Wasser.

Nun, am «Tag danach», arbeiten die Einsatzkräfte unermüdlich daran, die Bachläufe von Geröll und Holz zu befreien. Gemeindepräsident Ueli Gfeller misst diesem Vorhaben höchste Priorität zu: «Damit das Wasser den richtigen Verlauf nimmt, wenn das nächste Gewitter kommt.»

Haus mit Geröll

Bildlegende: Die Gegend um Schangnau, hier in Bumbach, wurde seit 300 Jahren nicht mehr von so schlimmem Hochwasser heimgesucht. Keystone

«Beschäftigt einen sehr»

Mit dem Ausräumen der Bäche wolle man verhindern, dass diese wieder über die Ufer treten, falls es erneut stark regnen sollte, sagt der Emmentaler Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher. «Es sind sehr viele Leute im Einsatz. Vor allem solche, die grosse Maschinen bedienen», erklärt Gfeller.

Der Gemeindepräsident hat in der vergangenen Nacht wenig geschlafen. Er sei nach Mitternacht ins Bett gegangen und um fünf Uhr wieder aufgestanden. Verdaut ist das Geschehen noch lange nicht: «Es konnte sich etwas setzen. Aber das Ausmass ist so gross. Und es beschäftigt einen nach wie vor sehr.»

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Am «Tag danach»

1:37 min, aus Tagesschau am Mittag vom 25.7.2014

Häuser vom Schlamm befreien

Umso dankbarer sei man in Schangnau für jede Hilfe. Wichtig sei jedoch die klare Koordination, damit es kein Chaos gebe, so Gfeller. «Da sind wir einfach froh, dass wir professionelle Leute haben, die uns unter die Arme greifen und helfen.»

Die betroffenen Haus- und Hofbesitzer, die sich nun ans Putzen ihrer Liegenschaften machen, werden vom Zivilschutz unterstützt. «Sie helfen in einer ersten Phase, durchnässte und eingeschwemmte Wohnungen zu räumen», zeigt sich Gfeller erfreut. Es geht darum, Häuser vom Schlamm zu befreien, damit die betroffenen Einwohner wieder «einigermassen wohnen» können, so Grossenbacher.

Auch auf dem Hof der Familie Gerber in Schwand, dem hintersten Teil der Gemeinde Schangnau, ist Aufräumen angesagt. Ein Nebenbach verstopfte die Emme, das Wasser umspülte das Bauernhaus, lief durch den Stall, die Scheune und die Wohnung. Die Familie rettete sich in die oberen Stockwerke des Hauses.

Vor dem Eingang türmen sich Bäume und Äste, Maschinen wurden mitgerissen. Nun haben die Männer des Zivilschutzes begonnen, den Stall der Familie zu räumen. Zum Glück seien die Kühe derzeit auf der Alp, sagt Bauer Hans Gerber.

Armee baut Notbrücken

Auch die Armee wird zum Einsatz kommen. Die beiden Holzbrücken in Schangnau und in der Nachbargemeinde Eggiwil wurden von den massiven Fluten weggespült. Hier werde die Armee zwei Notbrücken bauen, versichert Regierungsstatthalter Grossenbacher.

Das Militär wird die Arbeitskräfte und die Geräte stellen, die Gemeinde besorgt das Material und einen Ingenieur. «Das könnte eine gute Zusammenarbeit mit der Armee geben», ist Gemeindepräsident Gfeller überzeugt.

Weniger überzeugt ist er von der Dauer der Aufräumarbeiten. Wie lange diese bräuchten, sei «nicht absehbar», meint Gfeller. Er kann höchstens schätzen: «Das wird wohl ein oder zwei Jahre dauern, bis wir wirklich so weit sein werden, wie wir vor dem Unwetter waren.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Aufräumen nach der Flut

    Aus Schweiz aktuell vom 25.7.2014

    Am Tag nach den verheerenden Unwettern in Bumbach bei Schangnau im oberen Emmental beginnt das grosse Aufräumen. Personen wurden keine verletzt, doch die Sachschäden sind immens, es wird mit Millionenschäden gerechnet. Im Einsatz steht auch der Zivilschutz.

  • Emme als Lebensader

    Aus Schweiz aktuell vom 25.7.2014

    Die Bevölkerung konnte sich die Kraft des Wassers auch immer wieder zu Nutzen machen. Die Emme diente ab dem Mittelalter als Transportweg für Holz aus den Bergen. Ab den 1920er Jahren wurde bei Utzenstorf Kies und Sand für die Betonproduktion gewonnen.

  • Flutwelle nach Gewitter aus dem Emmental

    Aus Tagesschau vom 24.7.2014

    Ein Gewitter mit heftigsten Regenfällen hat sich am frühen Morgen über dem oberen Emmental und dem Berner Oberland entladen. Die folgenden Wassermassen der Emme liessen die Pegel auch im Mittelland bedrohlich anschwellen.

  • Überschwemmung im Emmental

    Aus Schweiz aktuell vom 24.7.2014

    Vor 300 Jahren hat die Emme zum letzten Mal einen so hohen Wasserstand geführt. Beim Ursprung des Flusses hat es während drei Stunden so stark geregnet, dass der Fluss über die Ufer getreten ist. Brücken und Strassen wurden mitgerissen, Häuser überschwemmt.