Der Bienenschutz ist ausreichend – findet der Nationalrat

Der Nationalrat will kein strengeres Insektizid-Verbot zum Schutz der Bienen. Eine entsprechende Motion hat er abgelehnt. Sie ist damit vom Tisch. Greenpeace ist verärgert – der Nationalrat lasse sich von der Industrie an der Nase herumführen.

Nahaufnahmen von Bienen auf einer Wabe. (keystone)

Bildlegende: Der Bienenschutz durch das bestehende Insektizid-Verbot reicht aus – findet der Nationalrat. Keystone

Der Nationalrat wehrt sich gegen ein strengeres Insektizid-Verbot – eine entsprechende Motion hat er mit 99 zu 85 Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt.

Auslöser für die Motion war das Bienensterben: Jedes vierte Bienenvolk in der Schweiz ist im vergangenen Winter verendet. Im Winter zuvor war es gar jedes zweite. Noch immer ist nicht restlos klar, was den Bienen derart zusetzt. Dass neben der Varroamilbe auch Pestizide mitverantwortlich sind, steht jedoch ausser Zweifel.

Im Frühling verbot die Schweiz zum Schutz der Bienen drei Insektizide der Neonicotinoid-Gruppe zur Behandlung von Raps- und Maissaatgut.

Experten fordern mehr Schutz für Bienen

Das ging der nationalrätlichen Wissenschaftskommission (WBK) zu wenig weit. Sie wollte ein Teilverbot und stellte in einer Motion zwei Forderungen auf: Zum einen sollte das Verbot auch für Insektizide gelten, die bei Sonnenblumen eingesetzt werden. Zum anderen sollten weitere Mittel verboten werden, die als bienengefährlich gelten.

Die Befürworter betonten im Nationalrat die Bedeutung der Bienen für Pflanzen, Mensch und Tier. «Der Bestäubungswert der Bienen ist für uns überlebenswichtig», sagte der Imker Bernhard Guhl (BDP/AG) im Namen der WBK-Mehrheit. Er zitierte Albert Einstein, dem der Ausspruch zugeschrieben wird, dass der Mensch nur noch vier Jahre zu leben habe, wenn die Bienen verschwänden. Laut Guhl gibt es durchaus Alternativen zu den heute gebräuchlichen Mitteln.

Bienen sind wichtig – Erträge auch

Bundesrat Johann Schneider-Ammann lobte zwar die Biene als «Symbol für eine ausreichende Lebensmittelproduktion und eine intakte Umwelt». Niemand wolle, «dass Landwirte in ein paar Jahren ihre Bäume aufwendig mit Pinseln selber bestäuben müssen». Das Verbot ging ihm jedoch zu weit.

Ammann warnte vor Ertragseinbussen und verminderter Lebensmittelqualität, falls die Kulturen nicht mehr mit den betroffenen Insektiziden geschützt werden dürften. Die Ertragsausfälle – so die Kausalkette des Wirtschaftsministers – müssten durch Importe kompensiert werden, die auf Kosten ärmerer Länder und ausländischer Ökosysteme gingen. Zudem hätte auch der Biolandbau darunter zu leiden.

Der Bundesrat nehme das Problem aber sehr ernst und habe bereits Massnahmen ergriffen.

10 Jahre Zeit für weniger schädliche Mittel

Angenommen hat der Rat dafür zwei weitere Motionen, die weniger weit gehen. Die eine verlangt vom Bundesrat ein Massnahmenpaket zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Es soll bis in zehn Jahren die Risiken für die Bienen reduzieren.

Der zweite Vorstoss fordert einen Massnahmenplan zur Bienengesundheit. Dafür sollen bis Ende 2015 die Ursachen des Bienensterbens wissenschaftlich genauer untersucht werden. Diese beiden Motionen gehen nun in den Ständerat.

Ärger bei Greenpeace

Die Umweltorganisation Greenpeace reagierte umgehend auf den Entscheid. Der Nationalrat habe sich «von der Pestizid-Industrie an der Nase herumführen lassen», teilte sie mit.

Es wäre dringend nötig gewesen, bienengiftige Mittel sofort zu verbieten. Zudem zeigten Erfahrungen in Italien und Frankreich: Ein Verbot führe nicht zu  Ernteeinbussen.

Neben Insektiziden, der Varroamilbe und anderen Schädlingen setzt den Bienen auch der Nahrungsstress nach einem langen Winter zu. Die Berner Fachhochschule hat nun ein Rezept entwickelt, das den Menuplan der Bienen aufwertet: Die Bienenweide.