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Session Die Raucherterrasse – da wo Politik gemacht wird

Sie ist vielleicht 20 Meter lang und kaum einen Meter breit. Doch sie ist eine wahre politische Grösse: die Raucherterrasse im Bundeshaus. Denn hier trifft die SVP auf die SP und FDP – und diskutiert in freundschaftlichem Umfeld. Nicht selten werden wichtige Entscheidungen hier gefällt.

Mann steht mit Zigarette auf Balkon. Fensterrahmen.
Legende: Ein Blick auf die Raucherterrasse von der Wandelhalle aus. SRF

Ja, jetzt im Winter ist die Raucherterrasse vielleicht etwas weniger beliebt als im warmen Sommer. Dennoch: Kaum ist die jüngste Abstimmung im Nationalrat vorüber, drängen die Ratsmitglieder auf den schmalen Balkon. Hier spielt ihre politische Herkunft keine Rolle; jeder spricht mit jedem. Über vergangene Geschäfte und über bevorstehende.

Früher konnten die Raucher unter den National- und Ständeräten ihrem Laster in der Wandelhalle frönen. Das ist seit nunmehr rund acht Jahren vorbei. Erst sei das Rauchen auf der Terrasse aus Sicherheitsgründen verboten gewesen, sagt der Neuenburger SP-Ständerat Didier Berberat, während er sich seine Pfeife stopft. Doch schliesslich hätten die Sicherheitskräfte vor der qualmenden Übermacht kapituliert – und die Terrasse wurde zum offiziellen Fumoir. Obwohl sich auch zahlreiche Nichtraucher die Diskussionen hier nicht entgehen lassen wollen.

Menschlichkeit statt Protokoll

«Denn hier gibt es kein Protokoll», sagt Berberat. Und – besonders wichtig – keine Zuhörer. Man könne über Politik und Entscheidungen sprechen, ohne Lobbyisten und Journalisten.

Ob das wohl sein Terrassen-Nachbar gehört hat? Denn nur einige Schritte neben Berberat steht Lobbyist Daniel C. Rohr. Für ihn hat die Terrasse einen ganz besonderen Stellenwert. «Die Atmosphäre ist lockerer, man findet einen menschlicheren Zugang zu den Politikern», sagt Rohr.

Dem pflichtet die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé bei. «Man lernt sich hier besser kennen.» Das Finden von Mehrheiten falle leichter. «Hier draussen haben wir immer die Mehrheit», fällt ihr Parteikollegin Jacqueline Badran ins Wort. Beide lachen. In der Tat – fast alle Raucher, die sich auf die winterkalte Terrasse trauen, stammen aus linken Parteien.

Es gibt aber Ausnahmen: Auch der Tessiner SVP-Nationalrat Pierre Rusconi qualmt in einer kurzen Pause seine Zigarette. Er nutzt den Aufenthalt auf dem Balkon vor allem zur Nachbereitung einer Abstimmung; wer hat wie gestimmt und warum? Für ihn soll die Terrasse aber vor allem eines bleiben: ein Ort des Rückzugs und zum Kopf durchlüften.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Briner, Neerach
    Wo rauchende Köpfe sich treffen, da ist Feuer in den Diskussionen ... Es ist schon verrückt, welche gesellschaftliche Spaltung dieses Rauchverbot bewirkte; auf dem Land sind fast alle Beizen, in welchen sich früher ständig Leute aus allen Generationen trafen, qualmten, konsumierten, diskutierten und sich auch politisch austauschen konnten, heute einfach alle leer! Und wo sind all diese Nichtraucher? Sie bleiben, wie schon vorher, eh zuhause - wie nun auch die Raucher! Früher war's viel besser!
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Viel besser- In den stinkigen Beizen, wo der Rauch sich in den Kleidern festhielt und trotz Lüften kaum mehr wegzukriegen war? Also ich kenne Beizen, die sind trotz Nichtrauchen bumsvoll, auch hier auf dem Land. Und da, wo man der Grösse entsprechen leider noch rauchen darf, ist es kaum auszuhalten, weil an einer ausreichenden Belüftungsanlage gespart wird. Wenn es so gruuusig qualmt und stinkt, mache ich jeweils gleich wieder rechtsumkehrt mit der entsprechenden Bemerkung!
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Es ist tatsächlich so, jene Beizen, die kein Raucherabteil haben sind bedenklich schlecht besucht und dürften wohl auch ums Ueberleben kämpfen. Auch ich bemerke im meinen Gewohnheiten, dass ich den Besuch eines Café oder so, eher eingeschränkt habe und anderweitig meinen Kaffee mit Gipfeli geniesse.
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