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Session Lieber frühe Sexualkunde statt Storchenmärchen

Die Sexualerziehung soll nicht zur Privatsache erklärt werden. Zum Auftakt der Sommersession hat auch der Ständerat eine rechtsbürgerliche «Schutzinitiative» abgelehnt, die das Thema Fortpflanzung aus Primarschulstuben und Kindergärten verbannen will. Die kleine Kammer folgte damit dem Nationalrat.

Utensilien aus der Basler Sex-Box
Legende: Utensilien aus der «Sex-Box» der Basler Erziehungsdirektion führten zur jetzigen Volksinitiative. Keystone/Archiv

Die Sexualaufklärung an Volksschulen und Kindergärten in der Schweiz darf nicht eingeschränkt oder gar ganz verboten werden. Dies betont nach dem Nationalrat nun auch der Ständerat.

Die kleine Kammer empfiehlt die Volksinitiative zum «Schutz vor Sexualisierung im Kindergarten und der Volksschule» dem Volk mit 37 gegen 1 Stimme (bei 3 Enthaltungen) zur Ablehnung.

Wirksamer Schutz oder Schaden?

Sexualunterricht an Volksschulen bietet einen wirksamen Schutz vor sexuellen Übergriffen, Teenagerschwangerschaften und sexuellen Krankheiten. So lautete der mehrheitliche Tenor in der Debatte.

Anders sahen es die rechtsbürgerlichen Befürworter der Initiative, die von der Diskussion um das «Sex-Köfferli» des Basler Erziehungsdepartements beflügelt worden war.

Die Initianten befürchten in der heutigen Praxis eine schädliche Beeinflussung des Sexualverhaltens der Kinder. Sie wollen deshalb ab dem Kindergarten allenfalls präventiven Unterricht zum Schutz vor Missbrauch zulassen. Über Fortpflanzung soll dagegen erst ab vollendetem 12. Altersjahr im Fach Biologie gesprochen werden dürfen.

Souveränität der Kantone angetastet

Dass die Initiative von den meisten Parlamentariern abgelehnt wurde, stand nicht zuletzt mit der Frage nach den Kompetenzen der Kantone in Zusammenhang. Mehrere Redner erklärten, die Volksschule liege in der Souveränität der Kantone und Gemeinden. Dazu zähle auch die Sexualkunde.

Ferner nehme die Initiative den Lehrern die Möglichkeit, über eine breite Aufklärung die schwächsten Glieder der Gesellschaft – die Kinder – zu schützen. In diesem Sinn sagte Géraldine Savary (SP) im Namen der vorberatenden Bildungskommission: Die Initiative stehe quer in der politischen Landschaft.

Peter Föhn stand allein

Auf etwas verlorenem Posten stand Peter Föhn (SVP), der sich im Rat als einziger zugunsten der Initiative aussprach. Die Initiative richte sich nicht gegen den Sexualkundeunterricht in den Schulen, so Föhn. Sie stärke die Rolle der Eltern.

Das Volksbegehren, das nun auch noch von der kleinen Kammer abgelehnt worden ist, kam erst in einem zweiten Anlauf zustande. Die Unterschriftensammlung zu einer Initiative gleichen Inhalts war nämlich zunächst eingestellt worden. Der Grund: Es war bekannt geworden, dass ein Mitinitiant wegen Kindsmissbrauchs verurteilt worden war.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Und ab welchem Schuljahr kommen Vorträge über moralische und geistige Sexual-HYGIENE?Im vollen Ernst.Irgendwann sollten allen lieben Kinderchen ausser der Anatomie,die sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge u.Auswirkungen,die das Sex-Leben und dessen Ausübung,sowohl für die gesamten Gesellschaft als auch für den Einzelnen haben können,erfahren.In jeder Hinsicht.Nicht nur materiell,auch seelisch.Verhütung,Krankheiten,Finanz.Kind/Familie,Sex als Gewerbe/Einkommen,staatl.Eingr./Gesetze,Macht.
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  • Kommentar von P.Fetz, Zürich
    Ich bin erstaunt dass die Eltern nicht mehr dazu sagen, zum Glück habe ich keine Kinder, spätestens jetzt hätte die Schule ein problem! Ich würde nie von einem Staatlichem Lehrer/in oder Sozialarbeiter/in mein Kind aufklären lassen nicht einmal erziehen lassen, das geht den Staat nichts an! Aber Heute werden die Kinder nur noch den ganzen Tag abgeschoben!
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Scheinbar will die vermeindliche geistige Elite die Allgemeinheit mit mentalen Süchten beschäftigen damit man somanche Dinge nicht hinterfrägt, ählich wie bei "schöne neue Welt". Nur, die Natur ist gnadenlos. Alles bestraft sich irgend wann langfristig von selbst. Und die Kinder und Kindeskinder müssen dann die Negativfolgen ausbaden.
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