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Session Tiere sollen wieder Tiermehl fressen

15 Jahre nach Ende der BSE-Krise soll wieder Tiermehl verfüttert werden dürfen – allerdings nur unter strikten Vorgaben. Tierhalter und Futtermittelfabrikanten freut's – ein Hirnspezialist dagegen warnt vor den möglichen Folgen.

Zwei Schweine gucken aus ihrem Freiland-Gehege in die Kamera.
Legende: Schweine sind Allesfresser – sie könnten bald mit Tiermehl aus Rindern gefüttert werden. Keystone

Früher war es üblich, dass Rinder Tiermehl frassen – denn dieses ist reich an Eiweiss. Doch durch diese Form des Kannibalismus' verbreitete sich der Rinderwahnsinn BSE stark. Allein in Grossbritannien waren 500'000 Rinder von der Seuche befallen. Um die BSE-Krise zu bekämpfen, wurde das Verfüttern von Tiermehl verboten.

Soja aus Südamerika ersetzt das Tiermehl

Doch seither fehlt das Eiweiss aus Tiermehl der Landwirtschaft. Sie muss deshalb tonnenweise Soja aus Südamerika importieren, um an Eiweiss zu kommen. Das sei ein Irrsinn, findet Regula Kennel vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen.

Sie möchte deshalb das Verbot lockern: «Es sind alle daran interessiert, dass man diese wertvollen Eiweisse wiederverwenden kann.» Allerdings dürfe Tiermehl nur dort verfüttert werden, wo es Sinn mache – nämlich bei den Fleischfressern. Wichtig sei, dass die strikten Regeln und Vorgaben eingehalten werden, um jedes Risiko zu vermeiden, so Kennel.

Kannibalismus verhindern

Nicht in Frage kommt, dass auch vegetarische Tiere wie Rinder wieder Tiermehl zum Fressen bekommen, denn das wäre zu riskant. Auch soll es keinen Kannibalismus mehr geben: Schweine sollen also nur Tiermehl aus Hühnern oder Rindern erhalten, aber kein Tiermehl aus Schweinen.

Die Schweizer Tierhalter und die Futtermittelfabrikanten begrüssen die Bemühungen des Bundes, das Verfütterungsverbot von Tiermehl zu lockern.

«Wehret den Anfängen»

Gar nicht einverstanden ist hingegen Adriano Aguzzi. Er ist Professor für Neuropathologie am Universitätsspital Zürich: «Ich bin etwas schockiert davon, dass das institutionelle Gedächtnis so kurz ist.» Es sei kaum 15 Jahre her seit dem Ende der BSE-Krise und nun würden wieder solche Stimmen laut. «Aufgrund meiner Erfahrungen ist ganz klar: Wehret den Anfängen!», sagt der Hirnspezialist.

Trotz dieser Bedenken laufen auch in der EU ähnliche Bestrebungen. Und wenn die EU das Tiermehl-Verbot lockert, dann würde die Schweiz nachziehen, denn das ist so in einem Veterinärabkommen geregelt. Bis Schweizer Schweine aber wieder Tiermehl fressen, dürfte es noch einige Jahre dauern.

Tiermehl und BSE

Tiermehl wird aus Kadavern und Schlachtabfällen hergestellt. In den 1980er-Jahren wurde dieses an Rinder verfüttert. Dadurch verbreitete sich BSE (Rinderwahnsinn), eine Krankheit, die das Gehirn der Rinder angreift und zerstört. Die Krankheit kann durch den Verzehr kontaminierten Fleisches auch auf den Menschen übertragen werden.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Dominik Graf, Bern
    Kann mir kaum vorstellen, dass dies der Konsument weder in der Schweiz noch in der EU will. In Europa besteht heute eine riesige Ueberproduktion an Fleisch und Milch. Wieso gibt es keine Initiativen gegen die Masstierhaltung und warum lanciert Ecopop nicht eine Initiative zur Senkung des Tierbestandes und für eine Geburtenkontrolle bei den Tieren?
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  • Kommentar von Kurt E. Müller, Zürich
    Irrsinn ist nicht, dass die Schweine kein Tiermehl fressen dürfen, sondern dass sie lebenslänglich in einem dunklen Loch eingesperrt im eigenen Kot liegen und am Schluss getötet werden, damit die Fleisch(fr)esser unter uns ein paar Minuten lang ein gutes Gefühl im Mund haben. Fleischkonsum ist nämlich ein unnötiger Luxus, der trotz Werbeversprechen aus der Fleischbranche weder gesund ist noch stark macht. Durch massenhaften Antibiotika Einsatz macht er viel eher krank und schwach.
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  • Kommentar von L. Brunner, Laupersdorf
    Moral?? Hochwertige Schlachtnebenerzeugnisse werden energieintensiv verbrannt, nur weil wir uns zu fein sind diese zu essen (Zunge, Magen, Füsse use). Stattdessen wird tonnenweise Soja aus abgeholtzten Tropenregionen importiert. Schweine und Pouletmastbetriebe haben Probleme, weil die Tiere vegetarisch und somit nicht artgerecht gefüttert sind, womit der Antibiotikaeisatz steigt. Wo bleibt die ethisch Moral, wenn wir diese Schlachtnebenerzeugnisse nicht in den Nahrungskreislauf zurückgeben???
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    1. Antwort von Susanne Meier, Luzern
      Ihr Argument is ungültig. Der Nahrungskreislauf nicht funktioniert so. --- oder haben sie Ihre Grosseltern auch zu Kuchen verarbeitet und und diese "hochwertigen-Erzeugnisse" gegessen?
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    2. Antwort von Christoph Lorenz Aeberhard, CH - 6062 Wilen ( Sarnen )
      Es erstaunt mich schon, haben wir in der Schweiz nicht alle die gleiche Grundausbildung. Wenn der Mensch krank ist welche Organe versagen mit ihrer Funktion, sind dies doch Herz, Niere, Leber, Lunge, Magen, Blut usw. und genau diese sollte gegessen werden. Sie alle sind AUSSCHEIDUNGSORGANE. Der heutige Mensch wird an den gleichen Organen defekte erleiden, da die Fütterung und andere Haltung der Tiere schon längst ihre normale Struktur verlassen hat. Die Natur lässt sich nicht verarschen für GELD
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    3. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Herr Äberhard, mit den Ausscheidungsorganen Niere und Leber OK, aber sonst? Wenn der Rest aufgrund der Art der Tierhaltung ebenfalls nicht essbar ist, dann ist an der Tierhaltung was gehörig falsch. M.A. nach herrscht vor allem in der CH eine dekadente langweilige Esskultur vor- Ein Blick in die Fleischtheke: Da denkste, es gebe nur Hühner, welche ausschliesslich aus Schenkeli u. Brüsten bestehen und Vierbeiner, die keine anderen Körperteile als Filets hätten. Dagegen ein Blick nach Italien...
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