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Session Wiedergutmachung: Verdingkinder erhalten 300 Millionen Franken

Die noch lebenden Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen erhalten einen Solidaritätsbeitrag von 300 Mio. Franken. Jedes Opfer soll zwischen 20'000 und 25'000 Franken erhalten. Der Nationalrat bleibt damit deutlich unter der Forderung der Wiedergutmachungsinitiative.

Legende: Video «Entschädigung für Verdingkinder» abspielen. Laufzeit 1:33 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 27.04.2016.

«Die Zeit drängt», betonte Justizministerin Simonetta Sommaruga. Nach ihren Worten sind es zwischen 12'000 und 15'000 Überlebende, die vor 1981 Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen geworden sind oder als Verdingkinder für keinen oder einen schlechten Lohn arbeiten mussten. Mit dem indirekten Gegenvorschlag könnten sie nun rascher entschädigt werden, sagte Sommaruga.

Sie alle sollen pro Kopf nun einen Solidaritätsbeitrag von 20'000 bis 25'000 Franken erhalten. Dies sei mit den 300 Millionen Franken gemäss indirektem Vorschlag des Bundesrats abgedeckt, sagte Sommaruga: «Den Schmerz können wir zwar nicht auslöschen, aber vielleicht ein wenig lindern.» Die Leistungen sollen durch den Bund und durch freiwillige Zuwendungen der Kantone finanziert werden.

Den Schmerz können wir zwar nicht auslöschen, aber vielleicht ein wenig lindern.
Autor: Simonetta SommarugaJustizministerin

Der Nationalrat nahm die Vorlage mit 142 gegen 26 Stimmen bei 14 Enthaltungen klar an. Der Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen von 1981 stimmte der Rat zuvor ähnlich klar zu.

Initiative will 500 Millionen Franken

Der Nationalrat geht damit weniger weit als die im Dezember 2014 eingereichte und breit unterstützte Wiedergutmachungsinitiative. Diese fordert nebst der wissenschaftlichen Aufarbeitung einen Beitragsfonds von 500 Millionen Franken.

Ob die Initianten ihre Initiative zurückziehen, ist noch offen. Nach Berechnungen des Bundesrats dürften die Opfer bei beiden Modellen in etwa die gleichen Entschädigungen zugesprochen erhalten.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Wüthrich (ruishi)
    Was in der Schweiz passiert, das ist immer legal, ob es sich um Verdingkinder oder Steueroptimierung handelt, wir sind eben eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft. Stolz bin ich auf die schnelle Aufklärung, die Selbstkritik und die Bereitschaft, so rasch wie möglich das Unrecht an den Verdingkindern wieder gut zu machen. Darum wird unsere direkte Demokratie überall im Ausland zu Recht bewundert, nicht nur von der deutschen AfD und der österreichischen FPÖ.
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    Es fällt mir nicht leicht, mich zu diesem Thema zu äussern. Mit 5 habe ich mehrere Wochen in einem von katholischen Nonnen geführten Krankenhaus in Wangen im Allgäu verbracht. Die schlimmsten Wochen meines Lebens. Mit 26 dann 18 Monate DDR Volksarmee. 2. Platz. Mit 30+ knapp vier Jahre DDR Zuchthaus Brandenburg. 3. Platz. Von wem soll ich Wiedergutmachung fordern? Viel wichtiger finde ich, die Verantwortlichen aus jenen Zeiten an den Pranger zu stellen. Damit sich solches nicht mehr wiederholt..
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  • Kommentar von ruta habegger (somewhere)
    ..und trotzdem sagte heute am Radio dieser SVP Fuchs: damals waren halt die Zeiten anders!! Welch miese Aussage, aber nicht erstaunlich!!
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      ruta habegger was ist an dieser Aussage denn falsch? Geld allein kann das geschehen nicht ungeschehen machen.Um dieses Unrecht zu verarbeiten,dass man sich im eigenen Körper wieder zurecht findet, kann man eventuell mit Hilfe von einer Person tun, aber schlussendlich liegt es dann doch an jeder Person selber, was er/sie daraus macht. Leider gibt es viele Menschen,denen Unrecht widerfährt. Man sollte aus Fehler lernen und bei der KESB welche ähnliche Züge annimmt mehr überprüfen und kontrollieren
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