Wunschkinder per Bluttest soll es nicht geben

Gibt’s einen Bub oder ein Mädchen? Diese Frage sei weiterhin erlaubt. Doch der Bluttest soll so ausgestaltet sein, dass das Risiko einer Geschlechterselektion minimiert wird. Der Ständerat hat den Bundesrat beauftragt, allfällige Regeln gegen die Missbrauchsgefahr zu prüfen.

Mutter mit Kind.

Bildlegende: Risiko Selektion: Bluttests ab Schwangerschaftswoche 9 bergen eine gewisse Missbrauchsgefahr. Keystone

Mit einem Bluttest lässt sich das Geschlecht eines Kindes schon in der neunten Woche feststellen. Eine Abtreibung ist gemäss Fristenregelung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche ohne Angabe von Gründen möglich.

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Pascale Bruderer Wyss: Missbrauchsrisiko bei Bluttests

0:56 min, vom 16.9.2014

«Meine Motion richtet sich weder gegen solche Tests noch gegen die Fristenregelung», betonte Pascal Bruderer Wyss (SP/AG) vor der kleinen Kammer. Diese nichtinvasiven Tests dienten aber der Abklärung von Krankheiten und dürften nicht für die Geschlechterselektion missbraucht werden. Es gehe also darum, allfällige Hintertüren zu schliessen, die sich wegen der sehr früh machbaren Tests öffneten.

Bruderer Wyss ergänzte, dass sie mit einer offenen Diskussion in ersten Linie ein «Missbrauchsrisiko» klären wolle. Es gebe denn auch keine klaren Zahlen, wie viele Frauen allenfalls mit dem Motiv Geschlechterselektion solche Tests durchführen liessen.

Keine Zahlen

Er habe die Motion zwar nicht unterschrieben, doch wehre er sich auch nicht gegen die Annahme, stellte Präventivmediziner Felix Gutzwiler (FDP(ZH) fest. Es handle sich um ein wichtiges Thema, auch wenn zahlenmässige Angaben für die Schweiz fehlten.

Zu Recht könne aber von einem Missbrauchsrisiko gesprochen werden. Möglicherweise werde das Risiko in der Zukunft vermehrt auftreten, sagte er mit Blick auf die Geschlechterselektion in gewissen Kulturkreisen.

Berset: Rasante technologische Entwicklung

Gesundheitsminister Alain Berset nahm die grosse Einigikeit für die Motion zur Kenntnis. Es sei aber an sich schwierig, Bereiche zu regeln, die einem derart rasanten technologischen Wandel unterzogen seien.

In seiner Antwort hatte sich der Bundesrat bereits zu Lösungsansätzen geäussert. Ein Informationsverbot für Laboratorien gegenüber den Ärzten in Fragen des Geschlechts wurde dabei als nicht praktikabel erachtet. Auch weil die nichtinvasiven pränatalen Untersuchungen meistens von ausländischen Labororatorien durchgeführt würden.

Die kleine Kammer nahm die Motion klar an. Wenn auch der Nationalrat zustimmt, wird der Bundesrat in der laufenden Revision des Bundesgesetzes über genetische Untersuchungen beim Menschen prüfen, wie diesbezüglich die Missbrauchsgegefahr reduziert werden könnte.

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Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Ständerat überraschend für Chromosomen-Tests

    Aus Tagesschau vom 8.9.2014

    Der Ständerat ist in Sachen Präimplantationsdiagnostik auf die liberalere Linie des Nationalrats umgeschwenkt. Alle im Reagenz-Glas gezeugten Embryos sollen nun doch auf Chromosomen-Störungen wie Trisomie 21 untersucht werden können.

  • Der Ständerat diskutiert die umstrittenen Krankheitstests bei künstlich befruchteten Embryonen.

    Präimplantationsdiagnostik – was erlaubt der Ständerat?

    Aus Echo der Zeit vom 8.9.2014

    Künstlich erzeugte Embryos sollen auf bestimmte Krankheiten untersucht werden dürfen, bevor sie der Mutter eingepflanzt werden. Der Nationarat fordert, dass zu diesen Krankheiten auch Trisomie21 gehören soll. Der Ständerat war bisher dagegen, beugt sich nun aber nochmals über das Geschäft.

    Elisabeth Pestalozzi