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Sicherheit in den Bergen Lawinen sprengen in Zeiten der Digitalisierung

Früher schoss man in Avers (GR) Panzerabwehr-Raketen in lawinengefährdete Hänge. Das hat sich geändert.

Es knallt. Oberhalb des Bügellifts Cavetta im Bündner Skigebiet Avers löst sich eine Lawine. Sie donnert bis zur Bergstation des Lifts und hinterlässt dort gut zwei Meter hohe Schneemassen.

Heini Jäger, Sicherheitschef der Skilifte Avers, ist zufrieden. Die Lawine hat er kontrolliert ausgelöst und dank des neuen Sprengsystems ist sie auch zur geplanten Zeit talwärts gerutscht. Das war früher anders.

Das Lawinen-Sprengsystem in Avers stammt vom Unternehmen Wyssen Avalanche Control – seit 20 Jahren baut sie solche. «Am Anfang kamen unsere Systeme nur in Skigebieten zum Einsatz, mittlerweile werden sie aber auch von Tiefbauämtern installiert, um Strassen zu sichern», sagt Samuel Wyssen, Geschäftsführer der Berner Oberländer Firma.

So wird gesprengt

In Avers verwendet man das System, wie es ursprünglich gedacht war – um das Skigebiet zu sichern. Und so funktioniert es: In einer Werkstatt bereiten vier Arbeiter unter der Leitung von Heini Jäger zehn Beutel Sprengstoff zu je 4,5 Kilo vor. Sie stecken Zündschnüre in die Sprengstoffpakete und verstauen die Sprengladungen sorgfältig in einer grossen Trommel, die wie ein überdimensioniertes Revolver-Magazin aussieht.

Das Magazin, welches mit einer Steuerung, einem Funkempfänger und einer solargestützten Batterie ausgerüstet ist, wird danach per Helikopter abtransportiert und auf einem Spezialmasten abgesetzt.

Bei Lawinengefahr kann Sicherheitschef Jäger nun eine Sprengladung zünden, die über der Schnee-Oberfläche explodiert und damit eine Lawine auslöst. So kann er verhindern, dass spontan abgehende Lawinen auf die Skipisten donnern.

Altes System war zu unsicher

Heini Jäger erinnert sich, wie sie früher Lawinen gesprengt haben: «Wir haben mit dem Rak-Rohr geschossen, doch die Raketen sind bei weitem nicht so effizient und kräftig wie das Sprengsystem.» Jäger erinnert sich an einen Fall vor zwei Jahren, als die zu geringe Sprengkraft der Raketen zum Problem wurde.

Nach starken Schneefällen habe er damals präventiv eine Lawine auslösen wollen, doch nichts sei passiert. Kurz danach aber habe sich doch spontan eine Lawine gelöst und ein Pistenfahrzeug halb unter sich begraben. Zum Glück seien die beiden Insassen unverletzt geblieben.

Digitalisierung der Sprengsysteme

Scheinbar haben Skigebiete auf der ganzen Welt ähnliche Probleme. Samuel Wyssen kann seine Systeme mittlerweile in der ganzen Welt verkaufen. So sind welche in Österreich, in den USA, in Kanada, Skandinavien und sogar in den Anden in Chile im Einsatz.

Doch nicht nur die Einsatzgebiete, sondern auch die Technologie hat sich geändert. Inzwischen ist die Steuerung der Sprengsysteme komplett digitalisiert. Über einen Cloud-Dienst können die Mitarbeiter von Wyssen Avalanche Control die Systeme ihrer Kunden überwachen.

Auch in Avers ist ein digitales System installiert. Heini Jäger hat die Sprengung ob dem Skilift Cavetta mit seinem Smartphone ausgelöst.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Gegen das kontrollierte Auslösen von Lawinen mittels Sprengung ist weiter nichts einzuwenden. Aber muss dies jetzt wirklich auch noch via Internet gesteuert werden? Mal sehen wie lange es dauert, bis irgendwelche Hacker gefallen daran finden.
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