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Schweiz So soll die Ökobilanz der Siloballen verbessert werden

Sobald das Gras spriesst, sind die weissen und grünen Siloballen wieder vermehrt auf den Feldern sichtbar. Nach Verwertung des Grünguts bleibt allerdings rund ein Kilogramm Plastik pro Ballen zurück. Rezykliert wird davon fast nichts – doch das soll sich ändern.

Legende: Video Ritter: «Viele Bauer müssen umdenken» abspielen. Laufzeit 2:00 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 15.05.2016.

Kraftfutter wie gehackte Maispflanzen oder vergärtes Wiesengras: Hiesige Bauern schätzen Siloballen, um das Futter für ihre Kühe aufzubewahren. Übrig bleiben die Plastikfolien. Obwohl sich die Polyethylen-Folien wiederverwerten lassen, wird davon kaum Gebrauch gemacht. Nur etwa 10 Prozent kommen bei der Firma Innorecycling im thurgauischen Eschlikon an.

«Wenn der Landwirt Landwirtschaftsfolien sammelt und dem Recycler zuführt, bezahlt er zwar etwas weniger als in der Kehrrichtverbrennungsanlage», erklärt Geschäftsleiter Markus Tonner. Doch dieses «etwas weniger» sei halt eben zu wenig Anreiz, um da die Folien dem Recycling zuzuführen.

Bauernverband: «Müssen Gegensteuer geben»

Tatsächlich zahlen die Bauern bei der Sammelstelle im Schnitt 100 Franken für eine Tonne Siloballenfolie. Statt zu rezyklieren, ziehen es deshalb viele vor, die Folien von der Kehrrichtabfuhr abholen zu lassen – auch wenn sie dafür durchschnittlich 60 Franken pro Tonne mehr zahlen.

Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes, sammelt gebrauchte Folien und bringt sie zur nächstgelegenen Sammelstelle. Er sagt: Viele Bauern müssten jetzt umdenken. «Es hat sich eingebürgert, dass die Folien via Kehrrichtverbrennungsanlage entsorgt werden – da müssen wir Gegensteuer geben.»

Kampagnen geplant

Dieser Appell an die Bauern alleine reiche aber kaum aus, sagt Geschäftsführer Tonner. «Wir können natürlich schon über ökologische Informationen versuchen, den Konsumenten oder den Bauern zu sensibilisieren – aber das ist sicher der schwierigere Anreiz als der finanzielle.»

Die Schweizer Bauern haben das Problem erkannt. Markus Ritter will seine Mitglieder zu mehr Umweltbewusstsein in Sachen Siloballen erziehen. Geplant sind Kampagnen in den eigenen Publikationen. Das Ziel ist ambitioniert: In fünf Jahren sollen 70 Prozent des Plastiks rezykliert werden – statt wie heute 10 Prozent.

27 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Wie wär's denn mit dem guten alten Heuboden?
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Nett das Argumentarium "überzeugen vs. belohnen". Aha. Will da jemand auf das Klischee stützen, dass Bauern mit Vernunftargumenten schwer zu erreichen sind? Oder will jemand einfach wiedermal Geld für etwas verlangen und zieht die Bauernkarte?
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    T. Leu "Versiegelt ist versiegelt", das stimmt, und vergiftet+ausgerottet bleibt vergiftet+ausgerottet! Seit der Siloproduktion werden diese überdüngten, toten Fettwiesen vielerorts bereits Ende April gemäht, samt Bodenbrütern! Wir sind auf dem besten Weg, aus der einst schönen, artenreichen CH ein Peking Europas zu machen, wo alle alles zu Budgetpreisen kaufen können, egal woher und unter welchen Umständen produziert. Augen+Ohren zu, Hauptsache billig! Das ist die Mentalität der grossen Masse.
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Beppie Hermann: Da haben Sie leider Recht. Die Schweiz wie zu Zeiten von Wilhelm Tell, so wie sie im Nationalratssaal dargestellt ist, ist verschwunden. Wahrscheinlich für immer, solange es Menschen gibt.
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    2. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      T.Leu, Siloheu ist Symptom des Zeitdrucks. Am weltweiten Kampf um fruchtbare Böden, bes.in Entw'ländern, nimmt längst auch die CH teil. Ist es nicht pervers, Dutzende Mio von ha Agrarland auszulagern, dafür Bauern zu enteignen+ruinieren, um sie hier dann als Flüchtlinge durchzufüttern mit Produkten aus ihren Böden+Gewässern? Ich vertrete die Meinung, dass ein Land nicht mehr an Bevölkerung zulassen sollte, als es ernähren kann. Was, wenn uns diese Länder die Böden wegen Eigenbedarfs entziehen?
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