Geldspenden am Schalter Spenden für die Ärmsten: Post verdient mit

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Post verlangt für Spenden-Einzahlungen am Schalter Gebühren von bis zu 2.35 Franken. Das verärgert viele Spender.
  • Die Beträge lassen sich sehen: Allein bei der Glücksketten-Sammlung für die Erdbebenopfer in Nepal kassierte die Post 80‘000 Franken.
  • Die Glückskette äussert sich nicht zu den Vorwürfen. Aber auch die Politik hat sich schon mit diesem Thema befasst. Ein Vorstoss wurde jedoch abgeschmettert, weil die Post argumentiert, eine Umsetzung sei technisch nicht möglich.
  • Seltsam nur: Bis 2012 verlangte die Post für Schaltereinzahlungen an die Glückskette nichts. Technisch offenbar kein Problem.

Rund 12‘000 Einzahlungsscheine verschickte die Glückskette vergangene Woche in die ganze Schweiz. Diese gingen an Spenderinnen und Spender, die im Rahmen des jüngsten Glückskette-Sammeltags Solidarität für die Hungernden in Afrika zeigen wollten.

«500 Millionen Gewinn? Post müsste grosszügiger sein»

Für Spenden unter tausend Franken verlangt die Post für Schaltereinzahlungen zwischen 90 Rappen und 2.35 Franken. Das macht beispielsweise für eine Spende von 110 Franken zwei Prozent Spesen.

Für viele Spender ein Ärgernis: «Wenn ich dann noch höre, dass die Post letztes Jahr mehr als 500 Millionen Gewinn eingestrichen hat, ärgert mich das doppelt», so Spender Beni Frey aus St.Gallen. «Im Bonus der Geschäftsleitung sind dann womöglich auch Schalterspesen dabei, die all die Spender bezahlt haben. Da kommt mir das Augenwasser!»

Mehrere zehntausend Franken – pro Sammlung

Tatsächlich fallen die Spesen für die Post-Schaltereinzahlungen ins Gewicht. Allein bei der Glücksketten-Sammlung für die Erdbebenopfer in Nepal kassierte die Post 80‘000 Franken. Bei der Sammlung für die Flüchtlinge beliefen sich die Spesen auf 50‘000 Franken. Geld, das bei den Ärmsten viel bewirken könnte.

Die Glückskette will diese Gebühren nicht öffentlich kritisieren. Doch Spender Beni Frey ärgert sich: «Dieses Geld könnte man doch sinnvoller einsetzen, als in den Gebührentopf der Post zu werfen!»

Spender sollen Geld auf anderen Weg überweisen

Den Vorwurf, dass die Post auf Kosten der Ärmsten kräftig mitverdienen will, weist die Post von sich: «Die Post verdient an diesen Schaltergebühren nichts. Sie dienen dazu, einen Teil der Kosten, die mit dieser Zahlungsart verbunden sind, zu decken», sagt ein Post-Sprecher. Zudem hätten die Spender ja die Wahl und könnten ihre Spenden auf anderem Weg überweisen.

«Post könnte viel Goodwill schaffen»

Dass die Post an Spendengeldern verdient, beschäftigte auch schon die Politik: 2015 lancierte die SP einen Vorstoss an den Bundesrat, dass die Post bei Einzahlungen für karitative Zwecke keine Gebühren mehr erheben dürfe. Erfolglos. Die Post argumentierte, dies sei technisch nicht zu bewerkstelligen. Man könne solche Einzahlungen «nicht einzeln ausweisen».

Für SP-Nationalrat Thomas Hardegger, Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, ein Scheinargument. Dabei könnte das Unternehmen so viel Goodwill schaffen, findet er: «Die Post hat ganz sicher ein Werbebudget in Millionenhöhe. Da hätte doch auch das Geld, das sie jetzt den Hilfswerken wegnimmt, gut darin Platz.»

Post will nicht verzichten

Dass das so ist, zeigt der Blick in die Vergangenheit. Bis 2012 verlangte die Post – als Sponsorin der Glückskette – für Schaltereinzahlungen an die Glückskette nämlich nichts. Technisch offenbar kein Problem. Dann stieg die Post aus diesem Vertrag aus und kann oder will seither auf Einnahmen aus Spenden-Einzahlungen offenbar nicht mehr verzichten.

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