Spitalvergleiche im Netz: Verwirrend statt hilfreich?

Wie findet man ein geeignetes Spital für eine Operation? Hilfe versprechen verschiedene Internetseiten, welche Spitalvergleiche anbieten. Bei Experten allerdings stossen diese Portale auf Skepsis.

Seit 2012 gilt für die Grundversicherten in der Schweiz freie Spitalwahl. Jede und jeder kann sich also im Spital seiner Wahl operieren lassen oder ein Kind zur Welt bringen. Einzige Bedingung: Das Spital muss im Standortkanton auf der Spitalliste stehen also ein sogenannten Listenspital sein. Mit der freien Spitalwahl haben die Patienten eine grössere Auswahl als früher. Hier wollen die Spitalvergleichsportale Orientierung geben.

Ein paar Klicks und schon erhält ein Patient auf diesen Portalen eine Empfehlung, in welchem Spital er seine Hüfte oder sein Knie operieren lassen soll. Oder eine Schwangere kann die bevorzugte Geburtsklinik auswählen. Allerdings schaffen die vielen Angaben auf den Vergleichsseiten nicht Transparenz, sondern sind eher verwirrend. Das zeigen Recherchen des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1.

Qualitätsdaten für Fachleute nicht für Laien

www.welches-spital.ch und www.spitalfinder.ch stützen sich auf Daten des Bundesamtes für Gesundheit und des Vereins für Qualitätsentwicklung im Spitälern ANQ. Diese Daten sind öffentlich zugänglich und gesamtschweizerisch vergleichbar. Allerdings wurden die Daten des ANQ nicht für Spitalvergleiche erhoben, sagt die Geschäftsführerin des ANQ, Petra Busch im «Espresso»: «Wir haben die Patientenzufriedenheit für Spitäler, Kantone und Krankenkassen erhoben. Durch diese Daten soll die Qualität der Spitäler erhöht werden.»

Diese Daten sind öffentlich zugänglich. Doch Petra Busch kritisiert deren Verwendung für die Spitalvergleiche: «Ich kann das Anliegen der Spitalvergleichsportale nachvollziehen. Das ist die Idee vom Tripadvisor fürs Spital. Allerdings werden hier komplexe Informationen auf eine Rangliste oder einen roten oder grünen Punkt reduziert. Das ist aus meiner Sicht gefährlich.»

Manipulationen befürchtet

Seit kurzem bietet der Vergleichsdienst Comparis auch einen Spitalvergleich an. Comparis stützt sich nicht auf die Daten des ANQ. Bei Comparis können Patienten die Spitäler benoten. Noch sind aber erst wenige Spitäler dabei.

Bernhard Wegmüller, Direktor des Spitalverbandes H+, stört sich an Ranglisten wie auch Patientenbewertungen: «Ranglisten vermitteln den Eindruck, dass man im Spital XY eine bessere Qualität erhält, als in einem anderen Spital. Wie genau diese Ranglisten zustande kommen, bleibt dem Patienten meist verborgen. Bei Patientenbewertungen kontrolliert zudem niemand, ob diese Person wirklich in der Klinik war.» Manipulationen seien einfach möglich.

Bewertungen werden überprüft

Comparis wie auch welches-spital.ch betonen, dass jede Patientenbewertung auf ihre Plausibilität überprüft werde. Felix Schneuwly von Comparis sagt, dass man jeweils die IP-Adresse, von welcher die Bewertung kommt, prüfe. Er muss aber zugeben: «Betrügen ist grundsätzlich möglich.» Manuela Gschwend von welches-spital.ch sagt, Ranglisten entsprächen einem Bedürfnis der Patienten: «Wir wollen den Ratsuchenden den Einstieg leicht machen. Bestenlisten sind dafür ideal.»

Für Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung für Patientenschutz sind die Portale derzeit für Laien wenig geeignet: «Ich habe selber schon probiert, für eine schwierige Operation ein Spital zu suchen und empfohlen hat mir das Portal dann eine Psychiatrische Klinik.»

Portale können erste Informationen liefern

Erika Ziltener, Präsidentin vom Dachverband Schweizer Patientenstellen steht den Portalen ebenfalls kritisch gegenüber. Die Informationen auf den Portalen müssten im Zusammenhang gesehen werden, das brauche viel Wissen. «Die Portale können jedoch Informationen liefern, um im Aufklärungsgespräch mit dem operierenden Arzt Fragen zu stellen», sagt sie.

Hausarzt soll Spital empfehlen

Alle befragten Fachpersonen sagen übereinstimmend, dass der Haus- oder der behandelnde Arzt die beste Auskunftsperson sei, wenn es um die Wahl einer Klink gehe. Ärzte würden sich im Spitalumfeld auskennen und könnten entsprechende Tipps geben.» Margrit Kessler schlägt vor, den Arzt konkret zu fragen: «In welches Spital würden Sie ihre Frau schicken?»

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