Zum Inhalt springen

Header

Audio
Corona-Fallzahlen in der Schweiz wieder am Steigen
Aus Echo der Zeit vom 20.07.2021.
abspielen. Laufzeit 04:12 Minuten.
Inhalt

Steigende Corona-Zahlen Noch ein Impfaufruf und dann abwarten – reicht das wirklich?

Das Expertengremium des Bundes hat heute informiert, wie es dem starken Anstieg der Corona-Infektionen begegnen will. Wenn es so weitergeht, könnten bereits Ende August die Werte auf dem Stand vom letzten Herbst liegen, dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie. Fragen an SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel. 

Katrin Zöfel

Katrin Zöfel

Wissenschaftsjournalistin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Katrin Zöfel ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF. Sie ist Biologin und versucht zu verstehen, wie die Wissenschaft helfen kann, Antworten auf gesellschaftlich wichtige Fragen zu finden.

SRF News: Wie will das Bundesamt für Gesundheit auf die stark steigenden Zahlen reagieren?

Katrin Zöfel: Die klarste Reaktion ist der wiederholte Aufruf zum Impfen. Aber sonst geschieht erst einmal nicht viel. Die Situation jetzt ist in den meisten Punkten auch noch weit weg von den Richtwerten, die der Bundesrat als Orientierung für verschärfte Massnahmen heranziehen will. Es ist insgesamt eine abwartende Reaktion. 

Die klarste Reaktion ist der wiederholte Aufruf zum Impfen. Aber sonst geschieht erst einmal nicht viel.
Autor: Katrin Zöfel SRF-Wissenschaftsredaktorin

Abwarten und zum Impfen aufrufen. Können wir uns das in der momentanen Lage leisten?

Impfen ist nach der Logik des Bundesrats und auch aus der Sicht vieler Wissenschaftler schon sinnvoll, klar. Und jetzt, wo die Delta-Variante dominiert, lieber schneller impfen als langsamer. Denn Delta sorgt schon jetzt Ende Juli für steigende Zahlen. Es gibt also dieses Jahr keine Corona-Sommerpause wie 2020. Noch offen ist, wie stark sich die steigenden Fallzahlen in Hospitalisierungen und Todesfällen niederschlagen werden. Es sind in fast allen Altersgruppen ja schon Menschen geimpft; grosse Teile vor allem in den Altersgruppen, wo es in der ersten und zweiten Welle viele Todesfälle und schwere Verläufe gegeben hat. 

Aber es sind eben auch viele noch ungeimpft, also ungeschützt. Wenn man annimmt, dass die ansteckendere Variante Delta recht schnell die 20 Prozent Ungeimpften unter den 80-Jährigen infiziert, gibt es schnell wieder hohe Zahlen auch in den Spitälern. Oder eben die Zahl der Geimpften reicht, um die Konsequenzen abzupuffern. Beide Szenarien sind von jetzt an denkbar.   

Wenn man annimmt, dass die ansteckendere Variante Delta recht schnell die 20 Prozent Ungeimpften unter den 80-Jährigen infiziert, gibt es schnell wieder hohe Zahlen auch in den Spitälern.
Autor:

Allein entscheidend ist also, dass die Spitäler nicht überlastet sind und möglichst keine Menschen an Covid-19 sterben?

Das ist tatsächlich ein wichtiger Aspekt, wenn man Corona mit Blick auf die Schwere der Auswirkungen einordnen will. Zu dieser Bilanz gehören die akuten Infektionen, die Hospitalisierungen, die Todesfälle und die Krankheitslast durch Long-Covid. Es ist klar, dass man das in die Bewertung reinnehmen muss. 

Aber eine ganz andere Frage ist, ob die Zahl der Hospitalisierungen eine gute Orientierung gibt, um Entscheidungen in der Pandemie zu treffen, wenn die Situation dynamisch wird und sich schnell entwickelt. Denn es braucht zwei bis drei Wochen, bis sich zeigt, ob eine infizierte Person schwer erkrankt. Es braucht also auch zwei bis drei Wochen, bis sich zeigt, ob aus vielen neuen Fällen viele neue Hospitalisierte werden. In einer dynamischen Situation gibt ein Richtwert, der so verzögert reagiert, keine gute Entscheidungsgrundlage. 

In einer dynamischen Situation gibt ein Richtwert, der verzögert reagiert, keine gute Entscheidungsgrundlage.
Autor:

Momentan stecken sich vor allem viele junge Menschen an, jene Bevölkerungsgruppe, die auch am wenigsten geimpft ist. Hat der Bund die Bedeutung der Jungen in der Pandemie etwas unterschätzt?

Das weiss ich nicht. Aber es passiert jetzt eigentlich nochmals das gleiche wie im letzten Sommer. Damals waren es auch erst einmal die Jungen, die sich angesteckt haben. Es sind die, die mobil sind und rausgehen. Letztes Jahr sind die Infektionen dann langsam aber sicher auch wieder auf ältere Altersgruppen übergegangen. Das kann gut auch jetzt wieder passieren. Die Frage ist, wie die Konsequenzen mit der Durchimpfungsrate ausfallen, wie sie jetzt ist und wie wir sie in den kommenden Wochen noch erreichen können. 

Die Frage ist, wie die Konsequenzen mit der Durchimpfungsrate ausfallen, wie sie jetzt ist und wie wir sie in den kommenden Wochen noch erreichen können.

Das Gespräch führte Roger Brändlin.

Echo der Zeit, 20.07.2021, 18:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

125 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Jana Vilim  (Jana Vilim)
    Der soziale Druck auf Ungeimpfte steigt. Kaum zu ertragen.
    Am meisten von Nebenwirkungen betroffen sind die über 75-Jährigen (32%). Und: Mit 68,7 Prozent leiden Frauen am meisten nach der Impfung. Impfen? Als Single ist Alles-alleine-meistern Standard. Niemand hilft und die Nebenwirkungen sind unberechenbar.
    Alain Berset erwartet im Herbst eine Corona-Welle bei den Ungeimpften und eine Grippe-Welle.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Marc Hofstetter  (TheLogicalEngineer)
    Ich sehe die Problematik beim Egoismus: "Ich hab keine Angst vor Corona". Man bedenke aber, dass man Leute ansteckt welche ein Problem haben könnten (oder diese wiederum weitere anstecken) und auch selbst ist man im Vergleich zu einer Grippe nicht sicher. Das Problem dahinter sind die Spitäler und nicht "wer daran stirbt".

    Wer eine statistische Risikoanalyse macht stellt fest: Impfen ist ein kleineres Risiko als nichts zu tun
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Heinz Michel  (Joshuatree)
    Ich bin auch nicht für einen Impfzwang aber um die Pandemie zu bewältigen sollten sich so viele wie möglich impfen lassen, vor allem das Pflegepersonal welches eine Verantwortung gegenüber Patienten hat sollte da mithelfen, im Rückblick Virus im Altersheim 2020 keie Besuche, Lieferungen nur bis zur Rampe wer hat dann das Virus ins Heim gebracht? Ich bin geimpft und verhalte mich immer noch mit den Regeln.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten