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Steigende Prämien Vom jetzigen System profitieren viele

Gesundheitsminister Alain Berset präsentierte heute einen Expertenbericht zur Kostensenkung im Gesundheitswesen. Die Vorschläge dürften es schwer haben, schreibt Bundeshausredaktor Gaudenz Wacker in seiner Analyse.

Die Kosten im Gesundheitswesen schlagen zunehmend aufs Budget der Schweizer Haushalte.
Legende: Steigende Krankenkassenprämien sind Ausdruck der Kostensteigerung im Gesundheitswesen und belasten die Schweizer Haushaltsbudgets zunehmend. Keystone

38 unterschiedliche Massnahmen zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen präsentierte die Expertengruppe, die im Auftrag des Bundesrats tätig ist. Ihr wichtigster Vorschlag: eine Kostenobergrenze – also verbindliche Vorgaben, wie weit die Kosten im Gesundheitswesen jährlich maximal wachsen dürfen.

Das Nein aus der Branche kam umgehend

Nach der Publikation des Berichts dauerte es keine Stunde, bis sich in seltener Einigkeit Ärzteverband, Krankenversicherer, Spitäler, Patientenvertreter, Pharma, Apotheker und Spitäler in einer gemeinsamen Mitteilung vehement gegen Kostenobergrenzen wehrten. Das ist zum Einen symptomatisch: Vom jetzigen System profitieren viele – sie alle fürchten den Verzicht. Zum Anderen spiegelt das den Verlauf vieler bisheriger Reformbemühungen im Gesundheitswesen: Grosse Reformschritte bleiben aus.

Entsprechend überschaubar ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass die von der Expertengruppe vorgeschlagenen Massnahmen umgesetzt werden – zumal die Expertengruppe auch Vorschläge präsentiert, die im politischen Prozess bereits gescheitert sind, wie zum Beispiel das obligatorische elektronische Patientendossier.

Beschränkung von Arztwahl oder Leistungskatalog – aussichtslos

Gescheitert sind bislang auch Anläufe für eine Einschränkung der freien Arztwahl, sehr deutlich 2012 an der Urne. Entsprechend scheut die Expertengruppe das Thema: Eine völlige Vertragsfreiheit, bei der Krankenkassen nicht mehr die Leistungen sämtlicher zugelassenen Ärzte vergüten müssten, ist für sie kein Thema. Höchstens eine Lockerung kann sie sich vorstellen.

Die Forderung der SVP nach einer Beschränkung des Leistungskatalogs in der obligatorischen Krankenversicherung taucht im Bericht gar nirgends auf – weil die Expertengruppe eine «Zwei-Klassen-Medizin» befürchtet.

Auf seinen 130 Seiten bietet der Bericht dennoch einen aktuellen Überblick über ein Set an möglichen Massnahmen zur Kostendämpfung. Zumindest die neuen Massnahmen gehen jetzt in den langen politischen Prozess. Einige davon werden einen schweren Stand haben.

Anstieg der KK-Prämien seit 1996
Wie Krankenkassenprämien das Haushaltsbudget belasten

Gaudenz Wacker

Porträt Gaudenz Wacker
Legende: SRF

Gaudenz Wacker ist SRF-Bundeshausredaktor. Er arbeitete von 2006 bis 2014 beim Regionaljournal Basel, dort zuletzt als Korrespondent für Radio SRF. Er hat in Basel studiert und arbeitete vor seiner Tätigkeit bei SRF an der Universität Basel und für lokale Medien.

20 Kommentare

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  • Kommentar von Yvette Nick (Lebenstreuhand)
    Vorallem sollten wir das sehr heikle Thema angehen, wieviel ein eine Lebensverlängerung uns wert ist. Ist es volkswirtschaftlich vertretbar, wenn eine einzige Person 1 Million kostet, damit sie ein halbes Jahr länger lebt? Ist diese Frage vom Alter des Patienten abhängig oder von welchen sonstigen Faktoren? Wie hoch dürfen diese Kosten im Verhältnis zum Patientennutzen sein? Ich weiss, dass sind heikle Fragen, aber wir werden sie stellen müssen!
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  • Kommentar von Verena Casagrande (Verena Casagrande)
    Mir ist eines ganz klar wenn man dafür besorgt ist dass die Krankheit die man hat (und nicht heilen kann) günstiger behandelt, dass man kein Dankeschön oder eine Vergünstigung erhält.
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  • Kommentar von Deborah Crabtree (D. Crabtree)
    Das E-Dossier muss eingeführt werden, niemand braucht x MRIs, immer die gleichen Blutuntersuchungen etc. pro Jahr. Auch sollte es den Prämienzahler möglich sein, selbst auf Behandlungen verzichten zu können und dafür günstigere Prämien zu erhalten. Sozempfänger müssen den Selbstbehalt selber bezahlen, schliesslich müssen sie ja auch die Billag selbst bezahlen. Sowie eingeschränkte Leistungen für Ausländer in den ersten 10 Jahren, resp. ein Regressrecht auf ihre Versicherung in den Heimatländer.
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